Niederlauer

Niederlauer: Zwei Kunstwerke von Herbert Fell für das Bürgerhaus

Der renommierte Künstler Herbert Fell (rechts) erläutert Bürgermeister Richard Knaier seine Inspirationen für sein Bild, das im Zimmer des Bürgermeisters im neuen Bürgerhaus in Niederlauer seinen Platz gefunden hat.
Foto: Manfred Mellenthin | Der renommierte Künstler Herbert Fell (rechts) erläutert Bürgermeister Richard Knaier seine Inspirationen für sein Bild, das im Zimmer des Bürgermeisters im neuen Bürgerhaus in Niederlauer seinen Platz gefunden hat.

Zwei Kunstwerke des Künstlers Herbert "Jimmy" Fell bereichern künftig das Niederläurer Bürgerhaus. Bürgermeister Richard Knaier, der unwidersprochen zu den Fans des in Niederlauer geborenen Künstlers zählt, sieht in den beiden von Fell geschaffenen Kunstwerken eine Bereicherung für das Bürgerhaus.

Zwei Kunstwerke schuf Herbert Fell für seinen Heimatort. Hinter dem Sessel des Bürgermeisters hat das Bild des Künstlers seinen Platz. Der senkrechte Kirchturm teilt das Bild genau in zwei quadratische Hälften: rechts der religiöse Bereich mit Kirche und dem zerbrochenen Rad der Kirchenpatronin, der Heiligen Katharina. Links der weltlich/politische Teil mit dem mittelalterlichen Wachturm und den Berliner Mauerteilen, die aufgestellt sind wie der Steinkreis von Stonehenge.

Der Halbkreis der Berliner Mauer links  und der Halbkreis des zerbrochenen Rades rechts ergeben zusammen einen ganzen Kreis, ziehen das Bild zu einer Einheit zusammen. Dies verdeutlicht: Politik und Kirche bestimmen seit Jahrhunderten das Leben in der Gemeinde. Doch das umgestürzte Mauerteil und die Speichen des zerbrochenen Rades zeigen auf den wahren Mittelpunkt des Bildes: die Füße der verbrannten Madonna. „Dies verleiht dem Bild eine magische Dimension“ betont der Künstler und ergänzt: "Als ich fertig war, bemerkte ich, dass auf dem Kirchturm das Kreuz fehlt. Ich wollte schon ein Kreuz auf die Spitze malen, doch dann wären die beiden Hälften rechts und links komplett getrennt gewesen. Kein Austausch zwischen rechter Bildhälfte und linker Bildhälfte wäre mehr möglich gewesen, kein Energiefluss. Die Kirche kleiner malen? – Nein! Also habe ich einfach auf das Kreuz verzichtet. Das ist gar nicht so wichtig: Jeder versteht, dass eine Kirche gemeint ist. Hauptsache, das Bild funktioniert."

Inspiration des Künstlers hat einen traurigen Anlass

Die Inspiration des Künstlers zu dem Bild hat einen traurigen Anlass. „Ich wachte am Sterbebett meiner Mutter und blickte auf eine an ihrem Bett stehende brennende Kerze, die die Kirchenpatronin der Niederläurer Pfarrkirche, die Heilige Katharina, mit dem zerbrochenen Wagenrad zeigte", erzählt Herbert Fell den Gedankengang für sein Kunstwerk. "Ohne diese Kerze wäre ich nie, nie, niemals auf das zerbrochene Wagenrad für mein Bild gekommen. Aber in existentiellen Situationen wird Unwichtiges bedeutungslos - es zählt nur noch das Wesentliche."

"Zudem ist das Bild komplett politisch", fügt er hinzu. "Auf der einen Seite wurde man getötet, wenn man wie die Heilige Katharina der verkehrten Religion angehörte, auf der anderen Seite wurde man getötet, wenn man die verkehrte politische Einstellung vertrat und aus der ehemaligen DDR flüchten wollte."

Goldene Zinken waren Zeichen der Erinnerung

Das zweite Kunstwerk zeigt drei Eichenbalken mit "goldenen Zinken", dessen Holz bereits in den heidnischen Kulturen verehrt wurde. Sie symbolisieren für Herbert Fell die zu Zeiten Karl des Großen und auch heute noch für das "fahrende Volk" geltenden Wegemarkierungen. Zu Zeiten des Kaisers Karl markierten sie den Weg von Unter- nach Oberebersbach an Niederlauer vorbei zu seiner "Salzpfalz", waren Zeichen der Erinnerung für die Wege, die Karl der Große nahm. "Die drei Balken sehe ich als historische Hinweise dafür, dass Karl der Große auch in der Gemeinde Niederlauer vorbeikam, als er auf seinen drei belegbaren Reisen zu Wasser in die Salzpfalz unterwegs war", so Fell.

Die "Karlszinken" stehen für Fell für Europa, für "Karl den Großen, Vater Europas". In vergangenen Zeiten dienten „Zinken“ auch für die Vertreter einer bestimmten Zunft als Hinweis, wo man zum Beispiel ertragreich um Almosen nachfragen konnte. Zudem erinnern die drei goldenen Zapfen durchaus an die Zacken einer Goldenen Krone. Wo und wie Jimmy Fell diese alten Balken mit Goldresten gefunden hat, die er dann restaurierte, will er nicht verraten – auch nicht, ob und wann er sich auf die Suche nach weiteren „Karlszinken“ begeben will. Wie er selbst zugibt, müssten schließlich auch an anderen Orten entlang der Saale (Steinach, Bad Kissingen, ...) und auch an anderen Routen von Karl dem Großen solche alten Karlswegemarkierungen früher vorhanden gewesen sein. Manche munkeln jedoch, dass es sich vielleicht auch um Hinweise auf einen alten Karolingischen Schatz handeln könnte.

Mehrere Ideen und eigene Inspirationen vorgestellt

"Ich bin der Ansicht, dass es legitim ist, wenn ein renommierter Künstler wie der in Niederlauer geborene Herbert Fell, der mit seinen Kunstwerken am 'Dicken Turm', aber auch 'An der Schanz' beim ehemaligen Grenzübergangspunkt bei Mellrichstadt bleibende Kunstwerke geschaffen hat, auch im Bürgerhaus seines Heimatortes seinen Platz findet", begründet Bürgermeister Richard Knaier die Bereicherung des Niederläurer Bürgerhauses mit den beiden Werken des Künstlers. Fell hatte mehrere Ideen und eigene Inspirationen für das Bürgerhaus vorgestellt, die Wahl fiel dann auf die beiden gezeigten Kunstwerke.

An Kaiser Karl den Großen erinnert das Kunstwerk des gebürtigen Niederläurer Künstlers Herbert Fell. Die drei 'Karlszinken' symbolisieren die drei Ortsteile Unterebersbach, Oberebersbach und Niederlauer, die der Kaiser auf seinem Weg in die 'Salzpfalz' passierte.
Foto: Manfred Mellenthin | An Kaiser Karl den Großen erinnert das Kunstwerk des gebürtigen Niederläurer Künstlers Herbert Fell. Die drei "Karlszinken" symbolisieren die drei Ortsteile Unterebersbach, Oberebersbach und Niederlauer, die der ...
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