Bad Königshofen

Nikolaus mit Mundschutz boomt: Konditor Häcker kommt kaum nach

Selbst im Ausland hat der Bad Königshöfer Familienbetrieb mit seinem Masken-Nikolaus aus Schokolade für Schlagzeilen gesorgt. Wie es den Häckers mit der Auftragsflut ergeht.
Der Mundschutz-Nikolaus aus Bad Königshofen ist gefragt: Konditor Herbert Häcker bei der Produktion des europaweit bekannt gewordenen Schokoladen-Nikolaus.
Foto: Anand Anders | Der Mundschutz-Nikolaus aus Bad Königshofen ist gefragt: Konditor Herbert Häcker bei der Produktion des europaweit bekannt gewordenen Schokoladen-Nikolaus.

Die Nikoläuse und Weihnachtsmänner mit Mund-Nasen-Schutz, die die Konditorei „Café Heintz“ aus Bad Königshofen aus Schokolade fertig, haben nicht nur deutschlandweit für Furore gesorgt. „Es kamen auch Bestellungen aus der Schweiz, aus Österreich, Schweden und sogar aus Moskau“, sagt Konditor Herbert Häcker, der bemüht ist, die Flut der Aufträge abzuarbeiten.

Wie ist es dem Konditor ergangen, seit sich die erste Aufregung um die maskierte Schokofigur gelegt hat? Tagelang trafen fast minütlich Bestellungen für die originellen Figuren ein, berichtet Häcker. Der Shitstorm über die Nikoläuse hatte das Gegenteil erreicht: viel Werbung statt des angedrohten Boykotts. Die Auswirkungen waren für die Konditorei aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld kaum noch zu bewältigen: Eine Tochter nahm die Aufträge an, erzählt Häcker, musste aber zwischenzeitlich den Telefonhörer beiseite legen, um beim Abarbeiten zu helfen. Eine Schule habe gleich 100 Stück bestellt, eine Bundestagsabgeordnete fünf Nikoläuse, die meisten Kunden wollten bis zu 15 Stück.

Fast alle Anfragen abgesagt - zu wenig Zeit! 

Es waren nicht nur Bestellungen, die Häcker erreichten, auch Fernseh- und Radioteams wollten Aufnahmen machen. So war der Bad Königshofener Konditor präsent im Bayerischen Rundfunk und auf SWR 3, er war Nachricht bei n-tv  und auch die "Bild" fragte an. Antenne Bayern, RTL, Reuters, der ZDF-Fernsehgarten und viele regionale Zeitungen meldeten sich. „Ich habe fast überall abgesagt. Wir sind ein kleiner Familienbetrieb, das kostet mich alles zu viel Zeit", sagt der Konditor. "Werbung brauche ich keine.“

Kommt kaum noch nach: Konditor Herbert Häcker mit seinen geschützten Nikoläusen.
Foto: Anand Anders | Kommt kaum noch nach: Konditor Herbert Häcker mit seinen geschützten Nikoläusen.

Der Nachrichtensender n-tv hatte den Namen verwechselt und aus dem unterfränkischen Kurort ein „Königshausen“ gemacht, worüber sich Einheimische per E-Mail beschwerten. Prompt kam eine Entschuldigung vom Sender.

Für "Quer" den Ruhetag geopfert

Weil er „Quer“, das politisch-satirische Magazin des BR mit Moderator Christoph Süß, gut findet, sagte Häcker dafür zu und opferte seinen Konditorei-Ruhetag. Drei Stunden war das Aufnahmeteam in der Backstube zu Gast und drehte viele verschiedene Szenen. „Ich habe nicht gedacht, wie zeitaufwendig das ist. Ein Dreierteam hat die Produktion der Schokofiguren und das Verpacken bis hin zur Post verfolgt.“   

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Auch einen Abstecher in die Redaktion der Main-Post am Marktplatz hatte das BR-Team gemacht, denn erst durch ihren Artikel waren viele auf die besonderen Nikoläuse aufmerksam geworden. Die Aktion - und der Shitstorm - hatten sich zunächst allein in den sozialen Medien abgespielt.

Viele Hass-Mails - und noch mehr Unterstützung

Wie berichtet, hatte der als Weihnachtsgag gedachte Verkauf von handwerklich hergestellten Weihnachtsmännern und Nikoläusen mit Mundschutz einen deutschlandweiten Sturm der Entrüstung unter Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern ausgelöst. Kopfschütteln und Unverständnis gab es in der ganzen Familie Häcker über so viele Hass-Mails und all die negativen Kommentare. Doch letztendlich überwogen die positiven Reaktionen - und eine Auftragsflut erreichte die Konditorei, mit der sie niemals gerechnet hatte.

Die Schoko-Nikoläuse mit Mund-Nasen-Bedeckung. 
Foto: Anand Anders | Die Schoko-Nikoläuse mit Mund-Nasen-Bedeckung. 

Rund 5500 Kommentare registrierte die Familie bisher. „Seit wir nicht mehr ans Telefon gehen, kommen sogar Postkarten. Die positiven Kommentare bauen wirklich auf. Das motiviert mich morgens aufzustehen“, sagt der Konditor. Besonders rührte ihn ein blinder Kunde aus München, der vier Nikoläuse vorbestellt hatte und aus Solidarität per Bahn und Bus extra nach Bad Königshofen kam. Er habe nur zehn Minuten Zeit gehabt, bevor sein Bus zurück nach München startete. 

Furioses und stressiges Finale im "Café Heintz" 

Weil die Familie an die Grenzen des Machbaren kommt, unterstützen sie jetzt ein Kollege in Sandberg und ein Sohn, der ebenfalls Konditor ist. „Ich habe nur fünf Stunden Schlaf“, sagt Häcker. Am Tag schaffe er ungefähr 100 Schokofiguren, die müssen noch verpackt und auf die Reise geschickt werden. Die ganze Familie hilft mit. „Schlafen kannst du später“, sagt seine Frau Elke. Sie freut sich, dass ihre Zeit als Pächter des Café Heintz so einen furiosen Abschied findet. Am 31. Dezember läuft nämlich der Pachtvertrag aus, die Häckers betreiben in Bad Königshofen dann nur noch das etwas kleinere Cafe und Bistro „Häcker´s“ in der Nähe. 

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