Ostheim

Ostheim: Im Stadtwald lief es nicht nach Plan

Eindeutige Spuren hat der Borkenkäfer auch im Ostheimer Stadtwald hinterlassen.
Foto: Regina Vossenkaul | Eindeutige Spuren hat der Borkenkäfer auch im Ostheimer Stadtwald hinterlassen.

2020 lief es im Stadtwald Ostheim alles andere als nach Plan. Die Schäden durch Trockenheit und Käferbefall waren enorm. Der Forstbetrieb stand unter dem hohen Aufkommen an Schadholz. Und auch das neue Jahr bleibt unsicher und hängt entscheidend von der weiteren Entwicklung ab.

Nachdem sich die staatliche Forstverwaltung aus der Bewirtschaftung der kommunalen Wälder zurückgezogen hat, ist seit November 2020 mit der Ruhestandsversetzung von Förster Ingo Büttner die Zuständigkeit auf die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) "Obere Rhön" übergegangen. Allerdings hat der von der FBG für Ostheim vorgesehene Revierleiter gekündigt. Bürgermeister Steffen Malzer äußerte sich bei der Sitzung des Stadtrates dankbar darüber, dass Ingo Büttner sich bereit erklärt hat, zwischenzeitlich bei der FBG auszuhelfen. Schließlich kennt wohl niemand so gut wie er den heimischen Forst.

Büttner gab bei der Zusammenkunft der Stadtführung einen bebilderten Rückblick auf das Waldjahr 2020 und ging auf die wichtigsten Punkte ein. Auch hatte er den Forstbetriebsplan 2021 aufgestellt, der vom Gremium einstimmig angenommen wurde.

Vernichtung von Baumstämmen als letzte Lösung

Zum Einstieg zeigte Büttner ein Video "zur staatlich subventionierten Vernichtung von Baumstämmen als letzte Lösung", wie er anführte. Große Flächen mussten gerodet werden und die Bäume wurden anschließend an Ort und Stelle gehäckselt. Als erschreckend bezeichnete der Förster das Ausmaß der Trockenjahre und die weitere Ausbreitung des Borkenkäfers als Folgen des Klimawandels. Auch Laubbestände seien inzwischen massiv betroffen. So habe man 2020 alle Hände voll zu tun gehabt mit der Aufarbeitung. Es wurden laut Büttner nur Schadhölzer geerntet, ein regulärer Forstbetrieb war nicht möglich. So lag man mit dem Einschlag von 1911 Festmetern auch weit unter dem Richtwert der Forsteinrichtung. Damit habe man aber Vorräte für die nächsten Jahre. Und die Holzpreise würden irgendwann wieder steigen und so auch wieder positiver Ertrag möglich sein.

Der Wald hilft sich selbst durch Naturverjüngung – im Bild ein einjähriger Spitzahorn. Aber die jungen Pflanzen sind zunehmend von Wildverbiss bedroht, wie Ingo Büttner dem Ostheimer Stadtrat erläuterte.
Foto: Ingo Büttner | Der Wald hilft sich selbst durch Naturverjüngung – im Bild ein einjähriger Spitzahorn. Aber die jungen Pflanzen sind zunehmend von Wildverbiss bedroht, wie Ingo Büttner dem Ostheimer Stadtrat erläuterte.

Von den eingeschlagenen 1911 Festmetern wurden 547 Festmetern noch im Wald mit staatlicher Förderung gehäckselt, der Rest konnte verkauft werden. Großes Lob hatte Büttner in diesem Zusammenhang für die FBG "Obere Rhön". Ihr sei es zu verdanken, dass man die Hölzer komplett veräußert hat und trotz der schwierigen Marktlage immerhin noch einen Durchschnittspreis von 23,65 Euro je Festmeter erzielen konnte. "Die FBG leistet sehr gute Arbeit", betonte er. Aufgrund der widrigen Umstände zeichnet sich nach vorläufiger Rechnung dennoch ein Minus im städtischen Forstbetrieb von etwa 47 000 Euro ab. Büttner machte dabei klar, dass man das Defizit als Investition in den Wald sehen sollte. Schließlich gehe es bei Weitem nicht darum, nur Gewinne zu erzielen.

Der Wald leidet

Für 2021 ist ein Hiebssatz von 2430 Festmetern vorgesehen, davon 800 Festmetern in der Verjüngungsnutzung, 1400 Festmetern in der Altdurchforstung, 200 Festmetern in der Jungdurchforstung und 30 Festmetern in der Jungbestandspflege. Auch das neue Jahr wird aller Wahrscheinlichkeit keinen Gewinn in die Stadtkasse bringen. Büttner stellt Einnahmen von 123 490 Euro Ausgaben von 124 500 Euro gegenüber und hofft auf ein geringes Minus von rund 1000 Euro. Wie es letztlich kommt, das ist nach den Worten des Försters jedoch ungewiss, denn auch 2021 erwartet er Trockenheit und Schädlinge im Wald.

Dass der Wald leidet, geht dem Förster bei aller Sachlichkeit seines Berichts nahe. Deshalb hat er auch kein Verständnis für die Jagdpolitik und bemängelt diese schon seit Jahren. Die Vorgabe des Waldgesetzes "Wald vor Wild" werde im Landkreis nicht beachtet mit der Folge, dass die Schäden durch Wild weiter zunähmen. Damit würden Neuanpflanzungen und die vielerorts zu beobachtende Naturverjüngung in großen Teilen zunichte gemacht. Deutliche Kritik äußerte er auch am Landschaftspflegeverband. Dieser hänge überholten Naturschutzgedanken nach. Es sei keine Landschaftspflege, wenn statt Entbuschung und Entdornung flächig Bäume gerodet werden, so der Förster, der als Beispiele Kiefernabholzungen am Hübig in Oberwaldbehrungen und am Weyershauck in Ostheim sowie Fichtenräumungen auf der Rhön anführte.

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