Oberstleutnant Hans-Dieter Baier aus Burgwallbach ist Anfang des Monats von einem dreimonatigen Einsatz in Afghanistan zurückgekehrt. In Feyzabad im Norden des Landes befehligte er als erster Kommandeur das deutsche PRT-Team (siehe Stichwort), das dort seit dem Sommer stationiert ist. Nach einem knapp zweiwöchigen Urlaub ist der 45-jährige Vater von drei Kindern inzwischen schon wieder im Dienst. Der Berufsoffizier ist Kommandeur eines Panzergrenadierbataillons im thüringischen Bad Salzungen.
Frage: Nicht mal 14 Tage Urlaub nach einem harten Auslandseinsatz - da haben Sie sich aber nicht viel Zeit gegönnt, um sich zu erholen?
Hans-Dieter Baier: Die zwei Wochen waren eigentlich ausreichend, um sich wieder zu akklimatisieren. Für mich gehört zur Erholung auch, wenn man in das gewohnte Umfeld zurückkehrt. Da zählt gerade auch der Dienst mit den Soldaten aus dem Bataillon, dessen Kommandeur ich sein darf, dazu.
Wie wird man denn überhaupt "Kommandeur im Hindukusch"?
Baier: Es gibt die Forderung, dass der Kommandeur dort ein Bataillonskommandeur sein muss, davon gibt es ja nicht mehr so viele. Wegen der kurzfristig durch die Politik getroffenen Entscheidung zum Aufbau eines PRT in Feyzabad musste man relativ kurzfristig verfügbar sein. Ich hatte die für Auslandseinsätze notwendige Ausbildung schon hinter mir, ebenso die vorgeschriebenen Impfungen. Das sind nicht gerade wenige. Und man muss gut Englisch sprechen.
Ihr Nachfolger in Afghanistan wird Weihnachten weit weg von zu Hause verbringen. Sind Sie froh, dass sie den Anfang machen durften und zum Fest zu Hause sind?
Baier: Wenn man Familie hat, ist an Weihnachten jeder gerne daheim, keine Frage. Unabhängig davon ist es aber immer besonders reizvoll, wenn man irgendwo der Erste ist.
Was wünschen Sie Ihren Kameraden, die noch im Einsatz sind?
Baier: Dass sie Weihnachten in Frieden verbringen können und sie gesund vom Einsatz nach Hause kommen. Und ich wünsche mir, dass wir vielleicht alle auch mal an die denken, die Dienst für andere leisten. Damit meine ich nicht nur Soldaten, sondern auch Polizisten oder die Leute im Krankenhaus oder wo auch immer.
Die Afghanistan-Mission der Bundeswehr wurde vom Bundestag verlängert und dürfte wohl auch noch Jahre dauern. Könnte es passieren, dass man Sie noch mal dorthin schickt?
Baier: Ja, selbstverständlich. Die Wahrscheinlichkeit ist grundsätzlich gegeben, dass man da wieder hinzugehen hat. Das gehört zum Beruf dazu.
In Afghanistan sind Sie auf eine völlig andere Welt gestoßen. Wie sind Sie mit den Menschen dort zurecht gekommen?
Baier: Grundsätzlich gut, auch wenn dies nicht immer einfach war. Ich denke, wir müssen respektieren, dass diese Menschen über eine eigene Kultur und Religion verfügen, die wir zu achten haben. Wir als Europäer können nicht einfach dort hingehen und versuchen, unsere Werte und Normen eins zu eins zu übertragen.
Früher war die Bundeswehr eine reine Übungsarmee, die allenfalls bei Hochwasser mal zu einem "richtigen" Einsatz kam. Da haben Rekruten schon mal nachgefragt, wofür sie eigentlich dienen. Fallen den Vorgesetzten die Antworten heute leichter?
Baier: Das ist nicht unbedingt leichter geworden. Man muss den Männern und Frauen schon auch klar machen, warum man nach Afghanistan geht. Aber wenn die Soldaten dann sieben Tage in der Woche täglich sechzehn Stunden belastet sind und sehen und erleben, was sie leisten, muss man eigentlich nicht mehr viel mehr erklären.
Der Dienst heute ist viel gefährlicher. Wie gehen Sie damit um?
Baier: Es gibt dort eine ständige Bedrohung. Der Soldat setzt in Afghanistan jeden Tag sein Leben oder seine Gesundheit aufs Spiel. Dieses Risiko ist da, und es gehört zu diesem Beruf.
Das weiß auch Ihre Familie.
Baier: Das weiß auch meine Familie. Das weiß aber auch jeder, der in den Einsatz geht und sich vorher ernsthaft damit auseinander gesetzt hat. Das ist kein Honigschlecken oder Aufenthalt im Robinson Club.
Sie haben ja in früheren Jahren lange auch in Mellrichstadt Dienst gemacht. Jetzt wird die Kaserne dort zugemacht. Empfinden Sie Wehmut?
Baier: Ja, ein wenig schon. Das Bataillon in Mellrichstadt war und ist für mich auch heute noch ein Stück militärische Heimat; ich kenn' dort auch noch viele. Wenn man das unter rein rationalen Gesichtspunkten sieht, ist die Entscheidung nachvollziehbar, aber emotional - ich muss sagen, dass ich schon an dem Standort und an den Kameraden der Mellrichstädter Panzergrenadiere hänge.