Bad Königshofen

Stadtwald Königshofen: Fast 300 000 Pflanzen für Aufforstung

Vom Borkenkäfer ist wegen der kühlen Witterung noch nichts zu sehen. Der Holzeinschlag 2020 fiel dreimal so hoch wie geplant aus. Der Preis für Fichte rauschte in den Keller.
Stadtförster Herbert Geßner (links) und Forstdirektor Wilhelm Schmalen stehen vor der Aufforstungsfläche in der Waldabteilung Kurze Steig bei Althausen. Die feuchte und kühle Witterung hat dafür gesorgt, dass die jungen Pflanzen dort bis jetzt gut gedeihen.
Foto: Michael Petzold | Stadtförster Herbert Geßner (links) und Forstdirektor Wilhelm Schmalen stehen vor der Aufforstungsfläche in der Waldabteilung Kurze Steig bei Althausen.

Das bislang meist kühle Wetter im Frühjahr sorgt für etwas Entspannung in den heimischen Wäldern. Vom Borkenkäfer, der in den vergangenen Jahren nicht nur hierzulande für immensen Schaden gesorgt hat, ist weit und breit nichts zu sehen. Auch die intensive Bekämpfung des Insekts im vergangenen Jahr, als hier im Stadtwald gut 150 000 Festmeter Käferholz eingeschlagen wurde, hat dazu beigetragen, den Schädlingsbefall einzudämmen. Die Gefahr ist aber noch nicht vorbei, wie Forstdirektor  Wilhelm Schmalen und  Herbert Geßner übereinstimmend feststellen. Ein paar warme und trockene Tage und schon kann es wieder losgehen mit der Plage, die nun schon mehrere Jahre andauert und insbesondere den Fichten, die schon durch die anhaltende Trockenheit geschwächt sind, schwer zusetzen.      

Feuchter Boden lässt Anpflanzungen gedeihen

Immerhin ist jetzt zumindest der Oberboden im Wald ausreichend durchfeuchtet, so dass  Wiederaufforstungen der Kahlflächen möglich sind. Eine davon liegt in der Althäuser Waldabteilung Kurze Steig. Dort wurden im vergangenen Jahr auf gut einem Hektar vom Borkenkäfer befallene Fichten abgeholzt. Gesetzt wurden stattdessen Roteichen, Buchen, Douglasien und Erlen. Dazu kommen Naturverjüngungen mit Kirschen, und auch junge Fichten werden sich angesichts der Umgebung hier wohl noch ansiedeln, wie Wilhelm Schmalen vermutet. Damit die zarten Pflänzchen auch in Zukunft gedeihen, wünschen sich die beiden Forstleute einen verregneten Sommer. Denn gräbt man etwas tiefer, so ist der Boden immer noch sehr trocken. Ein Zaun schützt die Anpflanzungen vor Wildverbiss.

Stammholz so weit das Auge reicht: Rund 14 000 Festmeter von dem schwer verkäuflichen Holz liegen derzeit noch auf Halde, wie hier auf einem Platz in Althausen.
Foto: Michael Petzold | Stammholz so weit das Auge reicht: Rund 14 000 Festmeter von dem schwer verkäuflichen Holz liegen derzeit noch auf Halde, wie hier auf einem Platz in Althausen.

Insgesamt mehr als 140 000 Pflanzen wurden voriges Jahr zur Wiederaufforstung gesetzt, heuer sollen noch einmal so viele dazukommen. Die staatlichen Zuschüsse für waldbauliche Maßnahmen beliefen sich 2020 auf rund 270 000 Euro. Auch für Privatwaldbesitzer gibt es eine Förderung. 2,50 Euro pro Pflanze schießt der Staat derzeit zu. Interessenten wenden sich an Herbert Geßner.    

Bei Nadelholz ein Preisverfall ins Bodenlose 

Geradezu katastrophal angesichts der europaweiten Überversorgung, die auch aus Stürmen der vergangenen Jahre gespeist wird, entwickelte sich der Nadelholzmarkt. Geßner schreibt in seinem Jahresbericht für 2020 von einem "Preisverfall ins Bodenlose".  Legt man zur Berechnung alle Baumarten und Sortimente zugrunde, so kommt man auf einen Durchschnittspreis von 6,87 Euro pro Festmeter. Zum Vergleich: 2017 betrug der Preis für diese Kategorie 67,27 Euro, also fast das Zehnfache wie jetzt. Weil aber 80 Prozent der jährlichen  Einnahmen aus dem städtischen Forst aus dem Nadelholzverkauf stammen, trifft der Verfall die Stadt um so härter, nach zuletzt finanziell doch sehr erfolgreichen Jahren.  Das Minus beträgt aktuell rund 120 000 Euro. Auch der Erlös aus dem Brennholzverkauf ist stark gesunken auf zuletzt rund 34 860 Euro. 2019 waren es noch rund 57 000 Euro und 2014 mehr als 77 000 Euro. Stabil zeigten sich dagegen die Preise für Eichenstammholz. 

Vom Boom auf dem Holzmarkt spürt der Waldbesitzer wenig 

Von dem derzeitigen Boom auf dem Holzmarkt hätten bislang nur Händler und Sägewerke profitieren, kaum aber die Waldbesitzer, sagt Wilhelm Schmalen, wenngleich mittlerweile eine leichte Erholung der Preise zu beobachten sei. Inwieweit sich diese Entwicklung fortsetze, sei nicht absehbar. Gefragt sei vor allem Schnittholz. Oft reiche aber die Stärke der im vergangenen Jahr gefällten Fichten nicht aus. Wie etwa in der Waldabteilung Kurze Steig. Die hier abgeholzten Fichten waren zwischen 50 und 60 Jahre alt. Hiebreif sind die Bäume aber erst im Alter zwischen 70 und 80 Jahren, weil in diesem Zeitraum die Stämme noch deutlich dicker werden. Statt zu teuren Brettern können sie nur zu Spanplatten und ähnlichem verarbeitet werden.      

Nachdem der Holzeinschlag, bedingt durch den Schädlingsbefall, mit rund 15 000 Festmeter (nur rund 1000 Festmeter waren planmäßig) im vergangenen Jahr fast dreimal so hoch wie in normalen Jahren ausgefallen ist, muss jetzt in diesem Jahr mit großer Vorsicht vorgegangen werden. Zumal ja auch niemand weiß, wie sich die Borkenkäfersituation entwickeln wird. 

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