Bad Neustadt

Martini-Gans in Corona-Zeiten: to go oder aus dem eigenen Herd

Im Lockdown sind die Gasthäuser geschlossen. Das ist eine schlechte Nachricht für Gänse-Züchter, Anbieter oder Freunde des traditionellen Gerichts. Doch es gibt Möglichkeiten.
Gänse sind auch in Zeiten von Corona und Gasthaus-Schließungen ein beliebtes Gericht am Martinstag und in der Vorweihnachtszeit.
Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa | Gänse sind auch in Zeiten von Corona und Gasthaus-Schließungen ein beliebtes Gericht am Martinstag und in der Vorweihnachtszeit.

Der Genuss eines knusprigen Gänsebratens - traditionell mit Blaukraut und Klößen - gehört nicht nur an diesem Martinstag, sondern in der Zeit bis Weihnachten für viele einfach dazu. Doch heuer ist vieles anders. Wegen Corona bleiben die Gasthäuser zumindest im November geschlossen. Was wird nun aus den Tieren und wie kommen die Menschen an den geliebten Braten?  

Für die Gänse der regionalen Züchter in der Rhön ändert der Lockdown light nichts an ihrer Lebenserwartung. Geschlachtet werden sie, auch wenn die Nachfrage aus der Gastronomie natürlich gesunken ist, wie zum Beispiel Josef Kolb vom gleichnamigen Biohof in Ginolfs berichtet. Üblicherweise haben ihm die Gastronomen im November die meisten Tiere abgenommen, im Dezember seien es dann die Privatkunden. 

Durch den weitgehenden Wegfall der Gastronomie sei heuer ein Einbruch im Martini-Geschäft zu verzeichnen. Manche Wirte hätten ihre Bestellung auf Anfang Dezember verschoben, gleichzeitig habe das Interesse von Privatleuten zugenommen. Entsprechend gelassen sieht Kolb, der auch als Rhönschäfer bekannt ist, die Entwicklung: "Wir haben keine Panik und sind zuversichtlich, dass wir wieder alle Tiere wegbringen." Zudem hat er schon im Frühjahr vorausschauend reagiert und  die Zahl der Tiere, die vom Ausschlüpfen bis zum Schlachten in Ginolfs heranwachsen, heuer etwas reduziert.  

Mehr private Interessenten

Gelassen sieht auch Inge Ritter die Entwicklung. Natürlich gebe es noch Gänse, aber bislang habe man auf dem Naturlandhof in Ostheim alle Tiere untergebracht. Ein größerer Kunde aus der Gastronomie sei heuer coronabedingt weggebrochen. Gleichzeitig verzeichnet Ritter aber eine Zunahme an privaten Interessenten. Es werde gut bestellt, darunter seinen auch einige neue Kunden. Der ein oder andere brate seine Gans in diesem Jahr vielleicht einmal wieder selbst. Was den Ostheimer Betrieb eher trifft, ist der Rückgang der Bestellungen aus der Gastronomie bei Bio-Putenbrust.

Regelrecht begeistert zeigt sich Roswitha Hoch von Christians Erdbeer- und Geflügelhof bei Eußenhausen. Die Seniorchefin hat in den 45 Jahren, in denen hier schon Gänse angeboten werden, noch nie eine solche Nachfrage erlebt. Wie ihre Züchter-Kollegen führt sie diese Nachfrage zum einen auf die Schließung der Gaststätten zurück, aber auch darauf, dass in der Corona-Zeit verstärkt für den Einkauf regionale Produkte geworben wurde. Dazu käme, dass die heimische Gastronomie nie ein großer Abnehmer von Gänsen des Geflügelhofs war. Die Wirte könnten die höheren Preise schlecht an die Kunden weitergeben. 

"Gans to go"

Das bestätigt auch Matthias Klug vom Gasthaus Zum Löwen in Unterweißenbrunn. Er setze zwar stark auf regionale Produkte, bei Gänsen würden die Kunden aber nicht mitziehen. In der Zeit des Lockdown setzt er wie viele seiner Kollegen auf den Verkauf außer Haus. Man könne das Geschäft da natürlich nicht mit dem aus den Vorjahren vergleichen. Es gebe Interesse an Gänsen zum Mitnehmen. Insgesamt, darauf legt Klug großen Wert, sieht er die Entwicklung positiv.   

"Man muss das Beste daraus machen", reagiert auch Sylvie Marschall vom Fränkischen Hof in Bad Neustadt auf die aktuelle Entwicklung. Es sei die Zeit für Gänsebraten, entsprechend biete man das Gericht an. Am vergangenen Wochenende seien einige Gänse abgeholt worden, auch für das kommende Wochenende gebe es einige Vorbestellungen. Das sei natürlich nicht vergleichbar mit den großen Gänse-Essen der Vergangenheit. Man dürfe in diesen besonderen Zeiten auch keine derartigen Vergleiche anstellen, so Marschall. Sie freue sich, dass "Gans to go" angenommen werde und die Gäste Interesse daran hätten. 

Gänse vom Supermarkt

Der Gasthof zur Sonne in Querbachshof und besonders die dazugehörige Scheune waren in der Vergangenheit beliebte Treffpunkt zum Gänse-Essen. Auch wenn sich da kein Vergleich zu früher ziehen lässt, ist Wirt Frank Kliewer dankbar, dass es Interesse für "Gänse aus dem Holzofen zum Abholen" gibt.  

Dafür, dass viele ihren Gänsebraten in diesem Jahr daheim zubereiten, sprechen auch die Verkaufszahlen von Supermärkten. In den vergangenen Jahren sei der Verkauf von Martinsgänsen eher rückläufig gewesen, so Christian Leuthner, Bereichsleiter für den Einkauf von Fleisch und  Wurstwaren bei Tegut. Coronabedingt seien die Bestellungen nun allerdings wieder um zirka 20 Prozent angestiegen, so sein Fazit.

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