HÖCHHEIM

Umzug, Kirmespredigt und jede Menge Gaudi

Kirmesbrauch: Die Mädchen ziehen das Seil in ihre Richtung. Der Überlieferung nach smbolisiert dies den Versuch, sich einen Burschen von außerhalb des Dorfes zu suchen.
Foto: Ruck | Kirmesbrauch: Die Mädchen ziehen das Seil in ihre Richtung. Der Überlieferung nach smbolisiert dies den Versuch, sich einen Burschen von außerhalb des Dorfes zu suchen.

Das traditionsreiche Ereignis bildet den alljährlichen Abschluss der Bierzeltsaison im Grabfeld: Die Höchheimer Kirmes lockte mit ihren verschiedenen Veranstaltungen wieder zahlreiche Besucher in den Milzgrundort. Als einer der Höhepunkte gilt der Umzug mit anschließender Kirmespredigt. In dieser werden heitere Episoden aus dem Dorfleben erzählt.

Damit sich die im Dialekt vorgetragenen Verse auch reimen und die Pointen gut zur Geltung kommen, wird auch mal was dazu gedichtet, was vielleicht nicht ganz der Wahrheit entspricht. Hauptsache ist, dass das Publikum viel zu lachen hat und kräftig mit Applaus dankt. Nicht alles aus der Predigt darf also streng beurteilt werden. „Nur Laien sind wir, keine Dichter, dazu fehlt uns die Muße, und sind die Verse schrecklich hier, dann sei so gut: Mach Du 'se!" Dies stellte vorab der diesjährige Kirmesprediger Jonas Werner klar.

Ältere Dorfbewohner erzählen, dass die Kirmespredigt früher vom Bürgermeister im voraus gelesen wurde und auf unsachliche Äußerungen überprüft wurde. Dies findet sich heutzutage noch in dem Hinweis des Predigers: „Wir achten die Person und wollen niemanden kränken – und sagen wir die Wahrheit schon, wer wird uns Glauben schenken?"

Unter anderem wurde heuer erzählt von der neuen Türglocke einer Familie. Diese hatte den gleichen Klingelton wie das Telefon. Da waren „Verständigungsschwierigkeiten“ natürlich vorprogrammiert.

Eine andere Episode erzählt von einer Frau, die mit dem Zug unterwegs war. Und vor lauter Ablenkung während der Fahrt vergaß sie das Umsteigen, sodass sie schließlich an einem ganz anderen Ort landete. Auch von einem Burschen wurde berichtet, der sich seine neuen Unterhosen im Internet bestellte. Die Slips aus Amerika sollten ja besonders preiswert sein. Doch die Lieferung der „heißen Ware“ entpuppte sich als teures Vergnügen. Denn es wurde noch ein Einfuhrzoll auf die neuen Unterhosen erhoben, die schließlich beim Hauptzollamt Schweinfurt landeten und dort abgeholt werden mussten.

Der Umzug durch das Dorf hat Symbolkraft. Dabei ziehen die Mädchen an einem Seil, an dessen Ende ein Schubkarren befestigt ist. Der Karren wird von einem Burschen gelenkt. Dieser hat die Mädchen zu „bändigen“.

Denn ihre Ausbrechversuche stellen der Überlieferung zufolge den Versuch dar, sich woanders einen Freund zu suchen. Diese Ausreißversuche will der Bursche am Schubkarren natürlich verhindern und stemmt sich mit aller Kraft dagegen. Sebastian Mock hatte heuer diese Knochenarbeit zu bewältigen.

In die Rolle des Bojazz schlüpfte heuer Tobias Werner. Seine Aufgabe ist es, die Darsteller und Akteure aus der Kirmespredigt im Publikum aufzuspüren und „auszuklingeln“. Dies kann mitunter ganz schön peinlich sein, vor allem dann, wenn man im gleichen Jahr zweimal drankommt.

Die meisten „Ausgeklingelten“ betrachten dieses Ritual mit Humor und besitzen die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können.

Bei den vielen Arbeiten rund um den Ablauf der Kirchweih sind zahlreiche helfende Hände gefragt. Hier stellt die Dorfbevölkerung jedes Jahr neu ihren Gemeinschaftsgeist unter Beweis.

Man hält eben zusammen und hilft mit, dass die Zeltkirchweih gut über die Bühne geht.

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