Bad Königshofen

Unterfrankens Schachmeister gesucht

Handschlag bei Makorchyk gegen Weineck: Der Bad Königshöfer Asylbewerber (links) hatte keine Chance gegen den aus Würzburg kommenden Vereinsspieler Ekkehard Weineck, schlug sich aber wacker.
Foto: Vossenkaul | Handschlag bei Makorchyk gegen Weineck: Der Bad Königshöfer Asylbewerber (links) hatte keine Chance gegen den aus Würzburg kommenden Vereinsspieler Ekkehard Weineck, schlug sich aber wacker.

Zum fünften Mal ist der SC 1957 Bad Königshofen Ausrichter der Unterfränkischen Schach-Einzelmeisterschaft und konnte am Ostermontag 54 Teilnehmer begrüßen.

Zum 67. Mal hatte der Unterfränkische Schachverband zu dieser Veranstaltung eingeladen und freut sich immer, wenn ein Verein bereit ist die Organisation zu übernehmen.

Ein logistischer Kraftakt war es für die Mitglieder des SC Bad Königshofen, denn am Ostersonntag gab es im Kursaal, wo die Einzelmeisterschaft stattfindet, ein Abendkonzert der Stadtkapelle und der Sulzfelder Musikanten (wir berichteten), das sich wegen der guten Stimmung und mehrerer Zugaben in die Länge zog.

Danach begann das große Aufräumen, das Aufstellen der Tische, der Schachbretter und -figuren und der Zeituhren. „Um 3.30 Uhr haben wir aufgehört, um dann um 9 Uhr wieder dort zu sein“, berichtet Vereinsvorsitzender Jürgen Müller, der zu Turnierbeginn dennoch relativ frisch aussah. Vor dem Eintreffen der ersten Teilnehmer war alles bereit, inklusive Analyseraum und Imbissecke.

Die Turnierleitung liegt in den Händen von Bezirksspielleiter Hans-Jörg Gies, als Schiedsrichter ist Jürgen Müller eingesetzt, der zunächst auf das absolute Handyverbot aufmerksam machte.

Neun Runden Schweizer System werden gespielt, die Senioren absolvieren nur sieben Runden. Am Dienstag, Donnerstag und Freitag sind jeweils zwei Runden pro Tag angesetzt, am Montag und Mittwoch nur eine und die Schlussrunde am Samstagvormittag. Die Bedenkzeit ist nach dem Fischer-Modus geregelt, das heißt, dass man zur festgelegten Bedenkzeit für jeden ausgeführten Zug 30 Sekunden zusätzlich erhält. Die Siegerehrung findet am Samstag, 2. April, nach Ende der letzten Partien, also ungefähr gegen 16 Uhr statt. Zuschauer sind während des ganzen Turniers erlaubt.

Vor Beginn des Turniers gab es eine kleine Verzögerung, denn eine Spätanmeldung kam dazu, weil ein Flüchtling aus der Ukraine, Vladyslav Makorchyk, der mit seiner Familie seit neun Monaten im ehemaligen Melanchthonheim in Bad Königshofen untergebracht ist, vom Turnier gehört hatte und mitspielen wollte. So wurde er kurzerhand noch eingegliedert, während sich seine beiden kleinen Töchter Jana und Justina den Vereinsraum im Untergeschoss der Franken-Therme anschauten, wo sie künftig an den Trainingsstunden teilnehmen wollen.

In der Ukraine ist Schach – wie in vielen östlichen Ländern – angesehener Volkssport. Die Schachgrößen sind dort bekannt wie hier Spitzenfußballer und Makorchyk war erstaunt, in Bad Königshofen eine Karpow-Schachschule vorzufinden.

Auch wenn seine Kenntnisse nicht ausreichten, um ein nennenswertes Ergebnis zu erzielen, muss Makorchyk als lobendes Beispiel gesehen werden, war von Jürgen Müller zu hören. „Jeder der sich eine Möglichkeit sucht seine Fähigkeiten einzubringen wird von uns unterstützt“, so Müller. „Das ist Integrationsarbeit und wir hätten nichts dagegen, wenn mehr Asylbewerber so aufgeschlossen auf die Einheimischen zugehen würden.“

„Ausbaufähig“ nannte der internationale Schiedsrichter den „Neuen“, der immerhin zwei Stunden spielte, bevor er aufgeben musste. Titelverteidiger Fabian Englert vom SK Klingenberg konnte übrigens am Turnier nicht teilnehmen, weil es mit einem anderen Turnier eine Zeitüberschneidung gab.

Ein Highlight bietet der SC Bad Königshofen am Samstag, 2. April, den Schachfreunden: Anlässlich der Eröffnung einer Karpow-Schachschule in Chicago findet ein Freundschafts-Duell unter Schülern statt. Es nimmt jeweils ein Team aus Deutschland, Frankreich und den USA teil, dazu drei aus Russland und zwei aus China. Jeweils vier Jugendliche unter 15 Jahren bilden ein Team. Gespielt werden sieben Runden mit je 10 Minuten Bedenkzeit. Start ist um 8 Uhr Ortszeit in Chicago, dann ist es in Bad Königshofen bereits 15 Uhr. Gespielt wird in einem Computersystem mit der Möglichkeit live dabei zu sein und sich via Skype hinterher auszutauschen, wobei Karpow auch befragt werden kann. „Wir setzen auf jeden Fall Jana Schneider ein“, sagte Müller, der sich aber keine Chancen ausrechnet, gegen die russischen Mannschaften zu siegen. „Dabei sein ist alles – wir sind in einem erlesenen Feld, das Event ist weltweit live verfolgbar. Ich gehe von 100 000 Beobachtern aus – tolle Werbung für den Schachsport in Deutschland und Bad Königshofen.“

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