Bad Neustadt

Veronika, der Lenz ist da: Wie wird das Wetter im März?

'Märzennudeln' werden die Haselblüten auch genannt - und das 'Warum' bzw. 'Weshalb' ist doch unschwer auszumachen.
Foto: Bernd Heim | "Märzennudeln" werden die Haselblüten auch genannt - und das "Warum" bzw. "Weshalb" ist doch unschwer auszumachen.

Am 1. März war meteorologischer Frühlingsbeginn, der kalendarische Frühlingsanfang folgt dann am 20. März. Der Februar kam mit viel Schnee und Frost daher, in seiner zweiten Monatshälfte auch mit einem außergewöhnlichen (Vor-)Frühlingsintermezzo. Dabei gab es innerhalb von nur einer Woche eine Temperaturdifferenz von über 30 Grad Celsius. Nun fragen sich viele Leute, wie das Wetter im März wird.

Als "Martius" bezeichneten die alten Römer den Monat - unter Bezugnahme auf Mars, den römischen Gott des Krieges und der Vegetation. Unsere Vorfahren nannten ihn "Lenzing", "Lenzmond“ bzw. "Frühlingsmonat". Der Begriff "Lenz" ist ja der poetische Ausdruck für den Frühling und im übertragenen Sinn auch für ein Lebensjahr. Er wiederum leitet sich vom althochdeutschen Wort "lenzo" ab, was so viel wie "lang" bedeutet, womit man die länger werdenden Tage meinte. Der Wetterglaube des Altertums, Götter, Geister und Dämonen, später auch die Kirchenheiligen, würden ihre jeweilige Stimmungslage in eitel Sonnenschein oder gefahrdrohende Wolken und Sturmwinden abreagieren, hielt sich lange Zeit.

Mehr als gefällige Reime und Sprüche

Weil Kälte und Wärme, Regen und Sonne, Wind und Wolken sowie das Verhalten von Tieren und Pflanzen das Leben mit Saat und Ernte, mit widrigem und gutem beeinflussen, beobachteten die Altvorderen seit alters her Wetter und Natur. Sie versuchten, anhand Beobachtung von Witterungs- und Naturerscheinungen gewisse Regeln abzuleiten, die ihnen halfen, das Wetter und dessen Veränderung vorherzusehen. Diese Erfahrungswerte und Deutungen, die man von einer Generation zur nächsten in einprägsamen Wettersprüchen weitergab, sind als "Bauernregeln" bekannt. Viele davon sind nicht nur gefällige Reime und Sprüche. Denn ein großer Teil von ihnen lässt sich in unserer Zeit auch wissenschaftlich erklären und nachvollziehen. In den schnelllebigen Zeiten unserer Gegenwart kümmern sich viele Menschen aber kaum mehr um die Lebensweisheiten und Bräuche aus früherer Zeit.   

Sonnenuntergang im nordöstlichen Grabfeld.
Foto: Bernd Heim | Sonnenuntergang im nordöstlichen Grabfeld.

So soll nach den jahrhundertealten Wetterweisheiten Gültigkeit haben: "Von den wilden Blümchen die roten und Spechte sind die wahren Frühlingsboten".  Des Weiteren: "Siehst du im März gelbe Blumen im Freien, magst du getrost deinen Samen streuen", "Märzenwind, Aprilregen verheißen im Mai großen Segen" oder "Wenn im März viel Winde weh'n, wird's im Mai dann warm und schön", jedoch: "Märzenschnee tut den Saaten weh".  

Lostage im März

Bei der Wetterprognose stützte man sich im Mittelalter hauptsächlich auf die Wettergeschehnisse an ganz bestimmten Tagen, den sogenannten "Lostagen", an denen angeblich das "Los" - also das Wetterschicksal - bestimmt würde. Bei diesen, nach altem Volksglauben Vorhersagen über die Wetterverhältnisse der folgenden Wochen und Monate ermöglichenden Tagen, handelt es sich um ganz bestimmte Kalendertage. Zumeist handelt es sich dabei um die Namenstage von Kirchenheiligen.

Zum Beispiel soll für den 1. März, den Tag des Heiligen Albinus, gelten: "Regnet's stark an Albinus, macht's dem Bauern viel Verdruss". Für den 3. März, dem Tag der Heiligen Kunigunde, heißt es: "Wenn es an Kunigunden friert, der Frost noch 40 Tage regiert." Die Aussage für den 6. März - das ist der Tag des Heiligen Fridolin - lautet: "Nach dem Tag des Fridolein, da muss der Pflug im Felde sein" sowie "Nach Fridolin, da zieht der Winter hin". Der 12. März ist der Tag des Heiligen Gregorius und "Gregor zeigt dem Bauern an, dass im Feld er säen kann." Der 17. März ist der Tag der Heiligen Gertrud, der Helferin gegen Mäuse- und Rattenplage und Schutzpatronin der Gärtner, der Reisenden und Pilger, der Armen und der Witwen sowie übrigens auch der Katzen: "Sonniger Gertrudentag, Freud' dem Bauern bringen mag" und "Ist Gertrud sonnig, wird's dem Gärtner wonnig", jedoch: "Sieht Sankt Gertrud Eis, wird das ganze Jahr nicht heiß." Der 19. März ist der Sankt-Josephs-Tag und man sagte: "Ein schöner Josephstag bringt ein gutes Jahr" und "Wenn einmal Josefi ist, endet der Winter ganz gewiss". Für den 21. März, dem Tag des Heiligen Benedikt, gilt seit alters her: "Willst Du Gerste, Erbsen, Zwiebeln dick, so säe sie nach St. Benedikt". Für den 25. März heißt es: "An Mariä Verkündigung hell und klar, ist's ein Segen für das ganze Jahr". Des Weiteren  glaubte man vom Wetter an den letzten Märztagen abzuleiten: "Wie der 30., so der Sommer; wie der 31., so der Herbst."

Hundertjähriger Kalender

Schenkt man den Prognosen des Hundertjährigen Kalenders Glauben, soll der diesjährige März kühl beginnen, es vom 6. bis 16. März aber wärmer werden, dann bis zum Monatsende kühle Witterung vorherrschend sein. 

Schauen wir einmal, welche Trefferquote die alten Wetterprognosen dieses Mal haben werden - und das nicht zuletzt auch angesichts des sich im Verlauf der letzten Jahrzehnte durch die menschengemachte Erderwärmung vollziehenden Klimawandels mit all seinen Wetterextremen. Lassen wir uns einfach vom diesjährigen Märzwetter überraschen, am Monatsende werden wir wieder schlauer sein.

Wolkenspiele bei einem Sonnenaufgang.
Foto: Bernd Heim | Wolkenspiele bei einem Sonnenaufgang.
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