Langenleiten

Wegglöss und Blaachkuche aus Langenleiten

Brigitte Schmidt vom Stiftungsvorstand und Rosa Strauß-Carl vom Stiftungsrat der Leonie und Helmut Schmitt Stiftung stellen das Langenleitener Kochbuch 'Graud und Rüewe...' vor.
Foto: Marion Eckert | Brigitte Schmidt vom Stiftungsvorstand und Rosa Strauß-Carl vom Stiftungsrat der Leonie und Helmut Schmitt Stiftung stellen das Langenleitener Kochbuch "Graud und Rüewe..." vor.

Wegglöss, Mahlglöss, Zömmede und Blaachkuche. Schon die Überschriften im Langenleitener Kochbuch "Graud und Rüewe..." lassen Erinnerungen an früher aufkommen. Kochen und genießen so wie es bei der Oma üblich war. Dazu gehören unbedingt die Eilaffsoubbe und der Zwübelsblootz. An Sonntagen gab's Hoosebroide oder Rindflajsch. Es ist eine Freude, in dem Buch zu blättern, die Bezeichnungen für die Gerichte in Langenleitener Mundart zu entziffern und die Rezepte zu lesen. Das Wasser läuft alleine schon durch die Beschreibungen und Bebilderung im Munde zusammen.

Erstellt wurde das Buch von Rosa Strauß-Carl im Auftrag der Leonie und Helmut Schmitt Stiftung, die das "Haus für Alle" errichtete und betreibt. "Laut Stiftungsauftrag haben wir uns auch um Kultur und Kunst zu kümmern", erklärte Brigitte Schmidt (Mitglied des Stiftungsvorstandes). "Auch wenn der Lockdown war und wir viele Veranstaltungen nicht anbieten konnten, wir wollten etwas Wunderbares machen."

Kochabende konnten nicht durchgeführt werden

Die Idee, die alten Langenleitener Rezepte in einem Kochbuch zu sammeln, stammt aus der "Arbeitsgruppe Kunst und Kultur der Leonie und Helmut Schmitt Stiftung". Eigentlich sollten im Laufe des Jahres Kochabende im "Haus für Alle" angeboten werden, bei denen alte Rezepte gemeinsam gekocht und angeboten werden. Aufgrund von Corona müssen diese gemeinsamen Abende zunächst verschoben werden. Stattdessen besuchte Rosa Strauß-Carl Langenleitener Hausfrauen, kochte mit ihnen gemeinsam und erfuhr so eine ganze Menge über alte Bräuche und Rezepte. "Es handelt sich um überlieferte Rezepte, die zum Teil von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Manche waren in alten Rezeptbüchern, manche auf handgeschriebenen Zetteln notiert, manche auch nur mündlich überliefert", berichtete Rosa Strauß-Carl von ihren Recherchen.

Auf 100 Seiten umfasst das Buch über 60 Rezepte, die Rosa Strauß-Carl alle selbst nachkochte, fotografierte und mit Mengenangaben festhielt. Denn gerade die Mengenangaben waren bei den Recherchen ein Problem. "Da nimmste Mehl. Ja wie viel Mehl denn? Das hat man im Gefühl." Dialoge dieser Art führte Rosa Strauß-Carl einige. Oft waren nur die Zutaten ohne Mengenangaben vermerkt, aber aus eigener Erfahrung wusste sie, dass es in einem modernen Kochbuch ohne genaue Maßeinheiten nicht funktioniert. "Wir haben das heute nicht mehr im Gefühl", bestätigte auch Brigitte Schmidt.

Erscheinungstermin wurde nicht verlegt

Eigentlich sollte zumindest die Buchvorstellung in größerer Runde im "Haus für Alle" stattfinden, doch auch daraus wurde nichts. "Wir wollen vorsichtig sein", begründeten die beiden Frauen die Absage. Der Erscheinungstermin wurde jedoch nicht verlegt. Das Buch ist mittlerweile erhältlich. "Es ist ein ideales Weihnachtsgeschenk." Das Buch ist mehr als ein reines Kochbuch. Die ausführliche Bebilderung macht es auch aus künstlerischer und fotografischer Sicht wertvoll. Mit viel Liebe zum Detail hat Rosa Strauß-Carl, die dem Stiftungsrat angehört, die Fotos der Speisen angefertigt. Altes Geschirr und Zubehör aus früherer Zeit machen die Aufnahmen authentisch.

Wichtig war Rosa Strauß-Carl, die Rezepte nicht zu verfremden oder zu modernisieren. "Die Menschen haben damals deftig gesessen. Das war bei der schweren körperlichen Arbeit auch nötig." Die Rezepte sind nichts für Kalorinbewusste, aber das sei auch gar nicht der Anspruch der Sammlung. Vielmehr sollen die Rezepte aus früherer Zeit für die Nachwelt erhalten werden – mit Maßangaben. "Das Wissen und Können darf nicht verloren gehen. Heute wird es zum Teil noch gekocht, aber das könnte in ein paar Jahren auch in Vergessenheit geraten", meinte Schmitt. Und genau das wäre doch schade. Wer möchte schon auf hausgemachte "Linsesoubbe mit Schbätzlich", "Sauergraud mit Bauchflajsch" oder "Hejweglöss mit weiss Brüh" verzichten. Am Buch beteiligt waren: Hannelore Kirchner, Maria Langendörfer, Anni Metz, Elsbeth Bühner, Sandro Metz, Elsa Voll und Cilli Zirmara.

Rezepte sind nicht nur auf Langenleiten beschränkt

Wichtig ist Rosa Strauß-Carl und Brigitte Schmidt zu betonen, dass es sich zwar um Rezepte aus Langenleiten handelt, diese aber nicht auf den Ort speziell beschränkt sind. "So wurde in der ganzen Region gekocht. Es sind Grundrezepte, die vielleicht mit der einen oder anderen Abwandlung in allen Dörfern der Rhön gekocht wurden." Finanziell unterstützt wurde das Projekt über das Regionalbudget des Amtes für ländliche Entwicklung und der Kreuzbergallianz mit 6267 Euro.

Zu beziehen ist das Buch über Tel.: (0151) 68166191 oder per E-Mail an info@hausfüralle.de.

Zahlreiche schöne Fotos illustrieren das Langenleitener Kochbuch 'Graud und Rüewe...'.
Foto: Rosa Strauß-Carl | Zahlreiche schöne Fotos illustrieren das Langenleitener Kochbuch "Graud und Rüewe...".
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