Haselbach

Wer erinnert sich noch an den Nikolausbesuch in Haselbach?

Dass der Nikolaus am Vorabend seines Namenstags die Kinder besucht, ist ein Brauch, der  mindestens 250 Jahre alt ist. Durch Corona ist in diesem Jahr aber alles anders.
In der Küche vor dem Holzherd mit dem langen Ofenrohr stehen (von links) Zuckermännle (Arnold Braungart), Knecht Ruprecht (Ralf Richter) und Nikolaus (Georg Reitz). Das Bild entstand in den 1990er Jahren.
Foto: Christa Enders | In der Küche vor dem Holzherd mit dem langen Ofenrohr stehen (von links) Zuckermännle (Arnold Braungart), Knecht Ruprecht (Ralf Richter) und Nikolaus (Georg Reitz). Das Bild entstand in den 1990er Jahren.

Ein lebendiger Haselbacher Brauch in der Adventszeit ist der Besuch des Hl. Nikolaus am Vorabend seines Namenstages. So besucht er am 5. Dezember abends die Kinder, die sich mit ihren Eltern in einigen Häusern treffen. In früherer Zeit besuchte der imposante Bischof die Kart- und Spinnstuben, später  die Haselbacher Gasthäuser, heute treffen sich viele Familien im Feuerwehrhaus.

In Haselbach ist der Bischof ein würdiger Mann mit langem weißem Bart, auf dem Kopf trägt er eine große Mitra, einen roten Umhang und den Bischofsstab in der Hand. Ihm zur Seite stehen Knecht Ruprecht und das Zuckermännle. Ruprecht ist ein grimmiger Bursche mit buschigen dunklen Augenbrauen und einem dichten Backenbart. Seine Kleidung ist sehr elegant, gleicht der eines Reiters. Er trägt ein weißes Hemd mit roter Weste und eine schwarzer Krawatte, eine weiße Reiterhose und kniehohe schwarze Stiefel, auf dem Kopf einen schwarzen Hut und in der Hand eine Rute. Das Zuckermännle ist ein freundlicher, geradezu fröhlicher Mann. Über seinem weißen Hemd trägt er ein wollenes rotes Trachtentuch und ein besticktes Käppchen auf dem Kopf, aber sein wichtigstes Utensil ist der große mit Süßigkeiten gefüllte Umhängekorb.

Drei Ruten-Streiche auf die Kehrseite

Bevor der Nikolaus in die Stube tritt, klopft es dreimal an der Tür und auf ein lautes "Herein" des Hausherrn betritt der Nikolaus mit einem "Gelobt sei Jesus Christus" den Raum. Mit den bekannten, altüberlieferten Versen fragt er die Kinder, ob sie auch brav gewesen seien. Weil ihre Antworten nicht ganz überzeugend klingen, ruft er Knecht Ruprecht herein, der auf Geheiß des Nikolaus allen Kindern drei Streiche mit der Rute auf die Kehrseite gibt. Der Stuhl, auf den sich alle legen müssen, steht schon bereit. "Nun muss ich meines Amtes walten, breitet aus, des Rockes Falten."

Im Anschluss beschert das Zuckermännle die Kinder mit kleinen Gaben. "Ich bringe euch Geschenke aus dem Himmelreich, Lebkuchen, Pfeffernüsse und Zuckerstern', auch Äpfel, Rosinen und Mandelkern'. Nur schade, dass meine Esel, diese Narren, unterwegs umwarfen meinen Karren."

Zuckermännle übergibt Lebkuchenherzen

Für die Durchführung des Nikolaus-Brauches ist seit alters her die Kermes-Jugend verantwortlich. Aus den Reihen der Kermes-Burschen kommen die Darsteller von Nikolaus und seinen Gefährten samt den Eseln. Vom Zuckermännle bekommen die in den Häusern auch anwesenden Kirmesmädchen normalerweise ein schönes großes Lebkuchenherz, ebenso die Hausfrau und die Wirtin, in deren Häusern der Nikolaus einen Besuch abstattet. Beim Gehen bekommt der Hausherr symbolisch eine Rute überreicht, als Zeichen dafür, auch im kommenden Jahr die Zehn Gebote zu achten.

Jetzt können die Kinder auf dem Sofa (von links) Susanne, Barbara, Friederike und Markus wieder aufatmen und ihre Plätzchen genießen. Der Stuhl, über den sich die Kinder für die Hiebe des Ruprecht legen mussten, steht noch rechts vor dem Küchenschrank. Die Aufnahme entstand Ende der 1970er Jahre.
Foto: Christa Enders | Jetzt können die Kinder auf dem Sofa (von links) Susanne, Barbara, Friederike und Markus wieder aufatmen und ihre Plätzchen genießen.

Für die Kinder war es immer etwas ganz Besonderes, vom Zuckermännle einen Apfel und eine Handvoll Pfeffernüsse und Zimtsterne zu bekommen. Die Kinder hatten aber auch Angst, dass der Nikolaus in seinem Goldenen Buch von den eigenen Schandtaten im vergangenen Jahr gelesen hatte. 

In diesem Jahr gibt es keine unverpackten Plätzchen

Im Jahr der unberechenbaren Corona-Pandemie mit Ausbruch der zweiten Welle und derzeitigem Lockdown kann so ein Brauch, dessen Ablauf seit mindestens 250 Jahren von Generation zu Generation weitergegeben wird, jedoch nicht so durchgeführt werden. Abstand halten ist das Gebot, von wegen unverpackte Plätzchen aus der Hand eines Unbekannten annehmen – undenkbar.

Und trotz aller Umstände wollen die Haselbacher ihren Nikolausabend nicht einfach so verstreichen lassen, dafür ist den Bewohnern der Brauch zu wichtig. Da dieses Jahr keine Kirmes stattfand, gibt es eigentlich auch keine Jugendlichen, die sich hier zuständig fühlen müssten. Lena Büttner, die in den letzten beiden Jahren zu den Kermespaaren gehörte, ließ das keine Ruhe und so soll es für die etwa 60 Haselbacher Kinder dennoch eine kleine Überraschung geben. Mehr wird aber nicht verraten.

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