Bad Neustadt

Wie einst in der "Titanic"

Plattenspieler und die LPs in einem Wäschekorb. Beim Heustreu Revival geht es bisweilen noch genauso lässig zu, wie in der legendären Disko 'Titanic'.
Foto: Stefan Kritzer | Plattenspieler und die LPs in einem Wäschekorb. Beim Heustreu Revival geht es bisweilen noch genauso lässig zu, wie in der legendären Disko "Titanic".

Die Zeiten der legendären Heustreuer Disko "Titanic" sind lange vorbei. Lange vorbei? Keineswegs, denn zweimal im Jahr tanzen die früheren Besucher des skandalumwobenen Ladens noch einmal im Bildhäuser Hof auf die Musik der 60er bis 80er Jahre. "Heustreu Revival" nennt sich die Veranstaltung der Kulturwerkstatt. Auch wenn die "Titanic" seit mehr als dreieinhalb Jahrzehnten Geschichte ist, ausverkauft war das Revival auch dieses Mal, heißt es in einer Pressemitteilung.

Retro ist angesagt in unserer Zeit. Autos, Fahrräder, Stereoanlagen aus den 70er und 80er Jahren gelten heute als "Kult". Plattenspieler erfreuen sich einer Renaissance in Zeiten, wo man Musik aus dem Internet runterlädt. Apropos Plattenspieler: Die Kulturwerkstatt hat mit ihrem "Heustreu Revival" einen Nerv getroffen und der Abend mit zwei sich drehenden Tellern, einer Diskokugel an der Decke und jeder Menge schwitzender Tänzerinnen und Tänzer im nüchternen Kleinkunstsaal der Volkshochschule avanciert seinerseits zu einer Kultveranstaltung. Zweimal im Jahr kommt DJ Wolfgang und legt auf. Auflegen ist dabei wörtlich gemeint, auch wenn sich hie und da mal eine schnöde CD ins Programm einschleicht. Die allermeiste Musik hat der DJ in Form von Langspielplatten mitgebracht, transportiert in einem Wäschekorb.

Was DJ Wolfgang beim Revival alles aufgelegt hat? Jimi Hendrix zum Beispiel. Der ist natürlich eine Legende, die man bis heute kennt, Genesis auch. Aber wer erinnert sich noch an die Average White Band, an Melissa Etheridge oder Patti Smith. Die Blues Brothers kann zwar noch fast jeder mitsingen, doch die Musik der 80er Jahre steht auch für das Ende der Heustreuer Diskothek, das 1982 besiegelt wurde.

Aus der einst ruhmreichen Disko, die mit 150 Personen schon fast überfüllt war und in der sogar die Scorpions mal gespielt haben, war zu diesem Zeitpunkt längst ein Umschlagplatz für diverse Drogen geworden. Die "Titanic" war dem Untergang geweiht, Nomen ist bisweilen auch Omen.

Doch in Vergessenheit geraten ist die Heustreuer Disko nie in den folgenden Jahren und Jahrzehnten. Einzig in Heustreu selbst tut man sich schwer mit dem Diskothekenerbe. In der Heustreuer Chronik aus dem Jahre 2007 findet sich kein Sterbenswörtchen über die "Titanic", obwohl diese das Dorf weit über die Grenzen des Landkreises, na, sagen wir mal, "bekannt" gemacht hat. In der Streutalgemeinde ist die Disko kein Thema, auch wenn Heustreuer beim jüngsten Revival fleißig mitgetanzt haben. Die Erinnerung an die "Titanic" findet anderswo statt. Und das wird auch so bleiben. Das sechste Revival ist bei der Kulturwerkstatt längst in Planung, der Termin steht schon fest.

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