Bad Neustadt

"Wir sind jetzt hier": Wie es Geflüchteten im Film und in der Rhön geht

Interessante Gespräche über gelingende Integration auch in Rhön-Grabfeld. Im Bild (v. links): die Ehrenamtliche Angelika Högn-Kössler, die Afghanin Amira Ibrahim, Erziehungsberater Markus Till und Sprachkurs-Leiterin Veronika Keim in der Gesprächsrunde.
Foto: Elke Storch | Interessante Gespräche über gelingende Integration auch in Rhön-Grabfeld. Im Bild (v. links): die Ehrenamtliche Angelika Högn-Kössler, die Afghanin Amira Ibrahim, Erziehungsberater Markus Till und Sprachkurs-Leiterin ...

Geschichten über das Ankommen zeigt der Film "Wir sind jetzt hier", der das Leben geflüchteter junger Männer in Deutschland porträtiert. Er wurde jetzt in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt gezeigt. Auch Lebensgeschichten von Geflüchteten von hier vor Ort wurden sichtbar bei einer begleitenden Gesprächsrunde.

Der Film eröffnete die Interkulturelle Woche 2021 und wurde zusammen von der Pfarrei Mariä Himmelfahrt, der Kirchliche Jugendarbeit der Regio Bad Neustadt, den Fachbereiche Allgemeiner Sozialer Beratungsdienst, Flüchtlings- und Integrationsberatung sowie der Gemeindecaritas des Caritasverbandes Rhön-Grabfeld präsentiert. Filmautoren sind Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck.

Sieben junge Männer und ihre Geschichte

Sieben junge Männer erzählen in die Kamera vom Ankommen in Deutschland – von beglückenden Momenten und von Momenten tiefer Angst. Ihre Geschichten lassen die Zuschauer teilhaben an den emotionalen Turbulenzen, die eine Flucht fast immer nach sich zieht. Sie erzählen viel darüber, was es auch in den nächsten Jahren noch braucht, damit Integration gelingt.

Bei der anschließenden Gesprächsrunde erzählten Amira Ibrahim, eine kurdische Mutter zweier Kinder, Angelika Högn-Kössler, eine in der Flüchtlingshilfe engagierte Ehrenamtliche und Veronika Keim, Sprachkurs-Leiterin der Vhs in Bad Königshofen, von ihren Erfahrungen. Markus Till, der Leiter der Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbandes, moderierte die Runde.

Dankbar für die Rhöner Hilfsbereitschaft

Amira Ibrahim erzählte, wie es ihrer Familie hier in Deutschland ergangen ist. Von ihrer ersten Zeit in der Notunterkunft in Bad Neustadt im alten Pfeuffer-Gebäude und dann in Nordheim. Viele Menschen sind dort auf sie zugekommen und haben sie bis heute unterstützt. Dafür ist sie sehr dankbar. Inzwischen haben sie und ihr Mann Arbeit. Die Kinder gehen in die Schule und die Familie fühlt sich sehr wohl hier in Deutschland und schon gut integriert. Wenn sie Fragen hat, kann sie jederzeit ihre deutschen Freunde und Bekannte ansprechen.

Sie möchte noch besser Deutsch lernen, um eine bessere Arbeit zu bekommen und unabhängig vom Jobcenter zu sein. Veronika Keim betonte, wie wichtig es sei, Kontakte zu pflegen. Nur so könne Integration gelingen. Ihrer Meinung nach macht Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern ganz viel, damit sich die Migranten integrieren können. Traurig stimmt sie, wenn sie Lernwillige abweisen muss, weil sie nicht berechtigt sind, einen Integrationskurs zu besuchen.

Afghanin: Noch nie Rassismus erlebt

Angelika Högn-Kössler hat sehr viele schöne Erfahrungen im Zusammenhang mit der Flüchtlingshilfe gemacht, aber es gab natürlich auch immer wieder Hürden zu überwinden, oft im Zusammenhang mit den Behörden. Sie wünschte sich, dass auf dem Amt auch mal „über den eigenen Schreibtisch hinweg geschaut“ werden könne, um manches zu erleichtern.

Aus dem Publikum meldete sich eine junge Afghanin zu Wort. Auch sie erzählte von ihren Erfahrungen. Sie habe noch nie hier in Deutschland Rassismus erlebt, dass sie gute Unterstützung bekommen hat durch Ehrenamtliche; sie bat darum, nicht jeden Ausländer in eine Schublade zu stecken und es nachzusehen, wenn gerade ältere Menschen nicht so schnell Deutsch lernen,wie sie es durch den Schulbesuch lernen konnte.

Integration heißt Annäherung

Die Kirche war dank der Zuweisungen von Küsterin Hiltrud Christ fast bis auf den letzten Platz mit 52 Teilnehmerinnen und Teilnehmern voll besetzt. Es war ein gelungener Abend und auch ein Stück Integration. Integration erfolgt sehr unterschiedlich durch gegenseitige Annäherung und Kommunikation, durch das Finden von Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Einbindung in die Gemeinschaft vor Ort, die Stärkung der sozialen Kompetenzen und auch die Motivation und Anleitung zum bürgerschaftlichen Engagement, wurde im Lauf der Gesprächsrunde klar. Beim Caritasverband melden sich jetzt immer öfter auch Geflüchtete, die mithelfen möchten, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, die wieder etwas zurückgeben möchten, hieß es.

Bei weiteren Fragen oder dem Wunsch sich ehrenamtlich zu engagieren, wenden Sie sich bitte an den Caritasverband für den Landkreis Rhön-Grabfeld e.V., Elke Storch, Gemeindecaritas, Telefon: 09771 / 6116 -23, Fax: 09771 / 6116 -33 oder E-Mail: elke.storch@caritas-nes.de.

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