Bad Königshofen

Wo Mütter die Seele baumeln lassen können

Hoher Besuch: Dr. Kirsten Soyke, die Kuratoriumsvorsitzende des Müttergenesungswerks (Mitte), kam zu einer Stippvisite ins Haus am Kurpark in Bad Königshofen. Informationen lieferten (von links) Sybille Schneider, Regina Behrendt, Maria Luff und Hausleiterin Evi Bindrim.
Foto: Michael Petzold | Hoher Besuch: Dr. Kirsten Soyke, die Kuratoriumsvorsitzende des Müttergenesungswerks (Mitte), kam zu einer Stippvisite ins Haus am Kurpark in Bad Königshofen.

Das Image des Müttergenesungswerkes hält die neue Kuratoriumsvorsitzende Dr. Kirsten Soyke doch für reichlich angestaubt. In der öffentlichen Wahrnehmung komme die von Elly Heuss-Knapp nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Stiftung kaum noch vor, weiß die Hamburger Rechtsanwältin, die vor eineinhalb Jahren an die Spitze des Kuratoriums gewählt wurde. Seither ist sie bestrebt, möglichst allen dem Müttergenesungswerk angeschlossenen Einrichtungen einen Besuch abzustatten. Am vergangenen Freitag war sie zu Gast im Haus am Kurpark, das Mutter- und Kind-Kuren anbietet.

Haus besteht seit 40 Jahren

Für die Leiterin Evi Bindrim war das eine besondere Freude, weil das Haus heuer auch das 40-jährige Bestehen feiert. Von der Arbeit der 50 Anstellten und zahlreichen zusätzlichen Honorarkräfte zeigte sich die Kuratoriumsvorsitzende nach der Information der Hausleiterin tief beeindruckt. „Sie hier alle müssen das Bundesverdienstkreuz bekommen“, meinte Kirsten Soyke in die Gesprächsrunde, an der Verwaltungskraft Sybille Schneider, Psychotherapeutin Regina Behrendt, Erzieherin Maria Luff und Evi Bindrim teilnahmen.

Entlastung von Alltagspflichten

Das Haus am Kurpark bietet Maßnahmen zur Vorsorge und Rehabilitation für Mütter und deren Kinder an. „Wir schaffen einen Raum von Wärme, Geborgenheit und Sicherheit“, heißt es dazu im Leitbild. Der Abstand und die Entlastung von Alltagspflichten sollen Müttern und Kindern Gelegenheit geben, zur Ruhe zu kommen, um sich neu zu orientieren und Kraft zu tanken für die Bewältigung des oft schwierigen Alltags.

Behandelt werden unter anderem Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes, Kopfschmerzen, Atemerkrankungen, Krankheiten des Nervensystems und psychische Störungen sowie allgemeine Erschöpfungszustände als Folge von überbordendem Stress. Kinder, die hierher zur Kur kommen, leiden neben körperlichen Erkrankungen nicht selten unter Entwicklungsstörungen oder Verhaltens- und emotionale Störungen.

Große Palette an Therapieangeboten

Die offene, liebevoll zugewandte Atmosphäre soll neben den umfangreichen Therapieangeboten, die bei Kneippanwendungen, Inhalationen oder Rückenschulen beginnen und bis zu Musik-,Tanz- und Psychotherapie sowie Interaktionstherapien für Mütter und Kinder reichen, einen Erfolg der in der Regel dreiwöchigen Kuren fördern. Einen Erfolg, den Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen häufig auch selbst miterleben können, wenn etwa zurückhaltende, in sich gekehrte Kinder im Laufe der Kur regelrecht aufblühen.

Blütezeit in den 60er Jahren

Ein Erfolg, der auch ganz in der Tradition des Müttergenesungswerkes steht, das von fünf Wohlfahrtsverbänden getragen wird und das in seiner Ausprägung wohl einmalig in Deutschland ist. Seine Blütezeit erlebte die Stiftung in den 60er Jahren, als zu Spitzenzeiten in 187 Einrichtungen bis zu 80 000 Mütter (Mutter-Kind-Aufenthalte gibt es erst seit den 90er Jahren) pro Jahr aufgenommen wurden. Die Popularität war ungemein groß und in erster Linie Elly Heuß-Knapp zu verdanken, der Frau des ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik. Heute gibt es etwa 70 Einrichtungen und 1200 regionale Beratungsstellen.

Die Erfinderin des Radio-Jingles

Denn die resolute Frau besaß ein großes großes Geschick darin, das Müttergenesungswerk der Öffentlichkeit optimal zu „verkaufen“. Das kam nicht von ungefähr. Die gelernte Lehrerin stieg schon in den frühen 30er Jahren in die Werbebranche ein, hatte ihren Teil am Erfolg der Nivea-Creme und gilt allgemein als die Erfinderin des „Radio-Jingles“. 1950, als die Mark noch alles andere als locker in der Tasche lag, brachten sie und die vielen Helfer es fertig, quasi als Starthilfe für das Müttergenesungswerk, zwei Millionen DM bei Straßensammlungen einzunehmen.

Zumindest ein wenig von der Popularität der Anfangszeit möchte die neue Kuratoriumsvorsitzende für das Müttergenesungswerk wiedergewinnen, dass sich nach wie vor über Spenden finanziert. Und so will sie die Marketinganstrengungen deutlich erhöhen, vor allem auf der digitalen Ebene.

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