SCHWEINFURT

Auf dem Weg zum i-Campus

FHWS-Präsident Robert Grebner stemmt mit seinem Team ein ehrgeiziges Projekt. Aus dem ehemaligen Gelände der US-Army wird ein internationaler Campus. Im Herbst geht es los, bis dahin ist noch viel zu tun.

Im Herbst sollen die ersten Studenten für den FHWS i-Campus der Hochschule für angewandte Wissenschaften (FHWS) nach Schweinfurt kommen. Wie sich die Hochschule auf den englischsprachigen Bachelor-Studiengang vorbereitet, schildert FHWS-Präsident Robert Grebner.

Frage: Wie entstand eigentlich die Idee, einen internationalen Campus an der FHWS einzurichten?

Robert Grebner: Die Geburtsstunde war am 16. Januar 2013 nach einem Gespräch mit OB Remelé. Nachdem bekannt wurde, dass die Amerikaner Schweinfurt verlassen, fragte der OB mich nach Möglichkeiten und Notwendigkeiten der FHWS in Bezug auf die frei werdenden Konversionsflächen. Ab diesem Tag startete die FHWS mit einer sehr konkreten internen Planung für einen internationalen Campus mit 3000 Studierenden. Schon am 18. April 2013 konnte das Konzept beim Besuch von Horst Seehofer in Hofheim dem Ministerpräsidenten in einem Arbeitsgespräch als passendes Mittel zur Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft direkt vorgestellt werden. Seehofer verstand das Potenzial, das in der zentralen Idee, neben deutschsprachigen Bachelor-Studiengängen auch englischsprachige Studiengänge mit ähnlichem Inhalt anzubieten (Zwillings- oder Twin-Programm), sehr schnell. Fachkräftemangel und demographischer Wandel sowie Internationalisierung insbesondere der eigenen deutschsprachigen Studierenden werden damit angesprochen. Die positive Reaktion des Ministerpräsidenten motivierte die FHWS, das Programm rasch weiterzuentwickeln.

So richtig lange sind Sie noch nicht mit den Vorbereitungen aktiv. Seit wann starten Sie jetzt so richtig durch?

Grebner: Nachdem klar war, dass Minister Heubisch und damit das Wissenschaftsministerium auch hinter der Sache steht, hat die FHWS begonnen, ein Projektteam zu installieren, das sich ausschließlich mit der Umsetzung und Implementierung englischsprachiger Studiengänge beschäftigt. Seit Januar 2014 arbeiten zwei Mitarbeiter ausschließlich in diesem Bereich. Wir werden das Team mit internen Mitteln auf vier Personen aufstocken. Darüber hinaus haben wir mit der Vorstellung des FHWS i-Campus und des Twin-Programms in einem Strategiewettbewerb des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft als einzige Hochschule für angewandte Wissenschaften in Deutschland 250 000 Euro gewonnen. Wir werden die Mittel einsetzen, um die Sprach- sowie Kulturkompetenz der eigenen sowie ausländischen Studierenden zu entwickeln. Allerdings haben wir damit noch keine benötigten Kapazitäten für die zusätzliche Lehre geschaffen.

Aber die Professoren, die die englischsprachigen Studiengänge unterrichten sollen, sind schon da?

Grebner: Hier kommt der Fakultät Wirtschaftswissenschaften mit ihrem Dekan Uwe Sponholz eine zentrale Rolle zu. Die Fakultät bereitet sich seit vier Jahren auf Internationalisierung vor. Im Rahmen des Ausbaus haben wir insgesamt über 40 neue, junge Professoren eingestellt und da schon darauf geachtet, dass wir mit ihnen in den Bereich Internationalisierung gehen können. Die Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen hat viele Professoren mit langjähriger internationaler Erfahrung. Beim Besuch des neuen Wissenschaftsministers Spaenle am 20. Februar 2014 wurden uns zwei Professorenstellen für das Programm zugesagt.

Werden die zwei neuen Professoren-Stellen für den i-Campus aus dem Etat der Hochschule bezahlt?

Grebner: Nein, da bekommen wir Extra-Mittel von außen. Heuer kommen 100 Studenten, das stemmen wir noch mit Stammpersonal. Wir können aber jetzt schon die zusätzlichen zwei Professoren-Stellen einplanen. Wir sind übrigens flexibel. Wenn Logistik oder Wirtschaftsingenieurwesen stark wachsen, dann können wir über Lehraufträge mehr Lehrkapazitäten aus der Praxis einbeziehen oder Gastprofessoren aus dem Ausland einladen.

Gibt's auch Sprachkurse für die Mitarbeiter?

Grebner: Die Schulungen der Mitarbeiter laufen seit 2013. Das wird überraschend positiv angenommen, hat natürlich am Anfang auch zu Verwirrung geführt, weil wir nicht schnell genug den angemeldeten Bedarf decken konnten. Für die Mitarbeiter ist das schließlich nicht alltäglich, dass so viele englischsprachige Studenten hier sind, von denen viele vielleicht kein Deutsch können. Uns ist wichtig, dass jeder Mitarbeiter durch einen Grundkurs soweit geschult ist, dass er einen Studierenden freundlich empfangen und bei Bedarf zur richtigen Stelle schicken kann.

Machen Sie sich jetzt gezielt daran, Studenten im Ausland anzuwerben?

Grebner: Ja, wir haben erst zwei Stellen speziell für die Akquise in der Türkei und in Russland ausgeschrieben. Warum gerade Türkei? Wer dort studieren will, kann überwiegend englisch, ein Drittel der Unis in der Türkei sind englischsprachig. Die Türkei ist auch wirtschaftlich für unsere Region sehr interessant. Außerdem leben über vier Millionen türkischstämmige Menschen in Deutschland. Da gibt es einen Bezug, auch zu Schweinfurt. Das gilt ebenso für Russland. Wir suchen hier gezielt Mitarbeiter, mit türkischem oder russischem Hintergrund.

Ist geplant, dass mehr Fakultäten zum FHWS i-Campus gehören?

Grebner: Ja, absolut. Wir geben aber jeder Fakultät die Zeit, die sie braucht, um sich auf einen kompletten englischsprachigen Bachelor-Studiengang einzustellen. Die erste Fakultät, die einsteigt, ist Wirtschaftsingenieurwesen. Die Fakultät Angewandte Natur- und Geisteswissenschaften wollen 2017 einsteigen, die Fakultäten Informatik und Wirtschaftsinformatik sowie Maschinenbau können es sich zeitnah vorstellen, haben aber noch keinen Termin genannt.

Befürchten Sie einen stärkeren Konkurrenzkampf der Hochschulen in der Region?

Grebner: Mit sinkender Geburtenrate wird früher oder später ein Wettbewerb um Studierende in ganz Deutschland stattfinden. Die FHWS will hier mit ihrer Internationalisierungsstrategie frühzeitig ein Absinken der Studierendenzahlen vermeiden und im Gegenteil 25 Prozent ausländischer Studierender dazugewinnen. Damit wird die FHWS auch attraktiv für Studierende aus ganz Deutschland. Die Hochschulen im Osten sind heute teilweise schon nicht ausgelastet. Die westlichen, zumindest in Bayern, sind alle überlastet, weil sie zu viele Studierende haben. Damit Studenten im Osten studieren, werben deren Hochschulen im Westen. Schmalkalden macht zum Beispiel in Würzburg am Bahnhof Werbung. Wir haben für solche Maßnahmen gar keine Mittel. Die Situation ist paradox, aber sinnvoll. Es macht ja keinen Sinn, Hochschulen im Osten leer stehen zu lassen.

Was sagen eigentlich die Würzburger dazu, dass Schweinfurt mit dem i-Campus so groß rauskommt?

Grebner: Als das vergangenes Jahr in der Presse war, hat der Würzburger OB sofort angerufen. Ich habe ihm versichert, dass wir keine Fakultäten nach Schweinfurt abziehen wollen und können. Außerdem wird Würzburg in einer späteren Stufe auch profitieren, die Studenten werden voraussichtlich im Verhältnis 2:1 an beide Standorte verteilt werden. In Würzburg haben wir die MINT-Fächer Informatik, Wirtschaftsinformatik, e-Commerce, Bauingenieurwesen, Vermessungswesen, Kunststofftechnik. Die zwei Städte sind zwar organisatorisch schwierig, die FHWS sieht sich aber als eine Brücke für die Region. Aber die Würzburger waren verständlicherweise schon traurig, dass hier in Schweinfurt erst einmal mehr passiert.

Liegt das vielleicht auch an der Nähe zur Industrie in Schweinfurt?

Grebner: Ja, die kurzen Wege hier sind schon ein Vorteil. Aber Würzburg hat in der Umgebung ebenfalls hochinteressante Firmen, s. Oliver in Rottendorf steht mit seinen 1600 Mitarbeitern für Design und für Logistik. Brose als Automotive-Zulieferer und König und Bauer sind ebenfalls attraktive Arbeitgeber für unsere MINT–Absolventen. Hierzu kommen einige leistungsstarke Logistik-und IT-Unternehmen.

„„Für die Mitarbeiter ist das nicht alltäglich“
FH-Präsident Prof. Dr. Robert Grebner zu den laufenden Vorbereitungen
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