Schweinfurt

Dachbegrünung: Was sie bringt, wo sie Sinn macht und wer weiterhilft

Wer wissen will, ob sich sein Flachdach für eine Begrünung eignet, schaut auf die Internetseite der Stadt. Dort gibt es ein Solar- und ein Gründachpotenzialkataster.
Wenig spektakulär: Die Flachdachbegrünung mit anspruchslosen und dem Klima angepassten Pflanzen.
Foto: Gerd Landgraf | Wenig spektakulär: Die Flachdachbegrünung mit anspruchslosen und dem Klima angepassten Pflanzen.

Begrünte Dächer verbessern das Stadtklima. Sie entschärfen Hitzeinseln, filtern Luftschadstoffe wie den Feinstaub aus und halten Regenwasser zurück. Gründächer sind Lebensräume für Flora und Fauna und ein Beitrag gegen das Artensterben, insbesondere unter den Insekten. In welchen Bereichen der Stadt Schweinfurt das Grün auf Dächern am besten gedeiht, zeigt das  Gründachpotenzialkataster. Nach der Stärke des aufgeschütteten Grundmaterials liefert das von der Stadt auf ihrer Internetseite angebotene Programm zudem Angaben zur Rückhaltewirkung bei Regen, zur Feinstaubbindung und zur Einsparung von Kohlendioxid. Neben einer Kostenaufstellung werden Planzempfehlungen gegeben. Auch hat der Nutzer die Möglichkeit, ein Gründach in Kombination mit Photovoltaik zu planen. Und das hat echte Vorteile: Der Wirkungsgrad vieler Solar-Module ist von der Betriebstemperatur abhängig ist, weshalb auf Gründächern ein hoher Leistungsgrad zu erreichen ist.

Viel Potenzial bei Gewerbe und Industrie, aber auch auf privaten Häusern

Das Solardachpotenzialkataster (die Karte zeigt, wie geeignet ein Gebäude für die Installation einer Photovoltaik- oder Solarthermie-Anlage ist) und das Gründachkataster zählen zu den Klimaschutzmaßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept der Stadt (beschlossen 2017). Basierend auf Luftbildern wurden alle Gebäude in Schweinfurt unter Berücksichtigung der Verschattungen durch die benachbarte Bebauung, die Vegetation und das Gelände untersucht.

Jede Menge gut geeigneter Dächer hat das Fachbüro in den Industrie- und Gewerbegebieten südlich des Mains (Hafen-Ost und -West sowie Maintal) begutachtet, aber auch beidseitig der Ernst-Sachs-Straße (zwischen Hahnenhügelbrücke und Oberndorf) sowie auf dem Schaeffler-Gelände zwischen Hauptbahnhofstraße und Fritz-Drescher-Straße. Viel Potenzial ist ebenso bei den Schulen in der Geschwister-Scholl- und an der Ignaz-Schön-Straße ausgemacht.  Weitere Schwerpunkte: der Hainig, die Hochbauten an der Franz-Schubert-Straße, das Gewerbegebiet Heckenweg, die Haardt und die Bebauung am Deutschhof über dem Höllenbach. Ansonsten gibt es in jedem Stadtteil und selbst in der Altstadt dutzendweise geeignete Dächer.

In Schweinfurt so etwas wie Pioniere in Sachen Dachbegrünung

Freigeschaltet wurden Solar- und Gründachpotenzialkataster noch zum Jahresende 2017. Im Jahr 2018 notierte das Rathaus 369 Zugriffe, 2019 waren es bereits 1418. Umweltreferent Ja von Lackum betont im Gespräch mit der Redaktion, dass die Kataster nicht die Beratung eines Fachmanns ersetzen könnten, sondern nur eine erste Hilfestellung geben würden. Gerade bei der Dachbegrünung setze die Statik eines Gebäudes beim Aufbringen des Subtrats Grenzen.  

Wollen etwas tun im Kampf gegen den Klimawandel: Angela und Roland Merz.
Foto: Uwe Eichler | Wollen etwas tun im Kampf gegen den Klimawandel: Angela und Roland Merz.

Zumindest in Schweinfurt zählen Angela und Roland Merz zu den Pionieren bei der Begrünung eines Dachs. 1986 hatten sie ein Haus in der August-Deubert-Straße (Gartenstadt) gekauft. Weil undicht, war das Garagenflachdach zu sanieren. Erfahrungswerte habe es damals noch kaum gegeben, erinnert sich Roland Marz, der die undichte Dachpappe an Ort und Stelle beließ und darauf eine Teichfolie und anschließend eine Wurzelschutzfolie verlegte. Als Granulat besorgte er gereinigte Schlacke von einem der Schweinfurter Großbetriebe. Anschließend pflanzte ein Biologielehrer mit Untersützung seiner Klasse Sukkulenten (saftreiche Pflanzen, die an besondere Klima- und Bodenverhältnisse angepasst sind) in die acht Zentimeter hoch aufgebrachte Schlacke.

"Seither haben wir nichts mehr gemacht, nie nachgepflanzt und auch nicht gegossen", sagt Angela Merz. Die Garage sei bestens isoliert, ergänzt Roland Merz und: "Mit Nässe gab es keine Probleme mehr. Im Sommer ist es in der Garage wohltuend kühl, im Winter angenehm warm."

Welche Flächen sind wie gut für Dachbegrünung geeignet. Im Internet bietet die Stadt ein Kataster an, das bei dieser ersten Frage weiterhilft.
Foto: Screenshot/Stadt Schweinfurt | Welche Flächen sind wie gut für Dachbegrünung geeignet. Im Internet bietet die Stadt ein Kataster an, das bei dieser ersten Frage weiterhilft.

Bei der städtischen Stadt- und Wohnbau GmbH hat man mit der Dachbegrünung noch kaum Erfahrungen gesammelt. Verwirklicht wurde diese bislang nur am Wohnprojekt in der Heisenbergstraße 36 bis 46. Wegen der Nähe zum Feld seien die Flachdächer dort zu pflegen und von Sträuchern und jungen Bäumen zu befreien, deren Wurzeln ansonsten die Isolation zerstören würden, so Prokurist Michael Radler. Vertiefte Erkenntnisse im Umgang mit der Dachbegrünung werden allerdings nicht lange auf die SWG warten lassen. Bei ihren Neubauprojekten im Stadtteil Bellevue ist die Begrünung der Flachdächer vorgeschrieben. 

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Mit der neuen Begrünungssatzung, die die Stadt Schweinfurt im Sommer erlassen hat, ist eine Dachbegrünung für Neubauten ab einer Dachfläche von insgesamt zehn Quadratmetern sogar vorgeschrieben. Das sind vor allem Garagen und Carports. Gleichzeitig gibt es aber auch ein Förderprogramm der Stadt für grüne Dächer und Häuser.

Was eine Dachbegrünung in Sachen Regenwasser bringt

Nicht vorgeschrieben, aber empfohlen ist die Dachbegrünung den Dittelbrunnern. Dort hat das Rathaus errechnet, dass eine extensive Begrünung aller Flachdachgaragen in der Gemeinde ein Regenwasserrückhaltevolumen von etwa 3000 Kubikmeter erbringen würde. Profitieren würde von dem Grün neben den Vögeln und Insekten auch der Mensch, weil die Luft sauberer würde, Räume natürlich klimatisiert seien, die Umgebungstemperatur im Sommer sinke und die schädigende Wirkung der UV-Bestrahlung vermieden werde, heißt es in einer Bürgerinformation.

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