VASBÜHL

Die heitere Seite des Julian Walter

Noch längst kein Ruheständler: Julian Walter, Bildhauer aus Vasbühl, wird 75. Das Foto zeigt ihn bei seiner letzten großen Ausstellung in Schweinfurt mit dem Titel „Kopf und Kragen“.
Foto: Katharina Winterhalter | Noch längst kein Ruheständler: Julian Walter, Bildhauer aus Vasbühl, wird 75. Das Foto zeigt ihn bei seiner letzten großen Ausstellung in Schweinfurt mit dem Titel „Kopf und Kragen“.

Zeit und Lust, über sein Alter nachzudenken, hatte Julian Walter noch nie, und er hat auch nicht vor, daran etwas zu ändern. Auch nicht an diesem Sonntag, an dem er 75 Jahre alt wird. Der Bildhauer hat Besseres zu tun: Jeden Tag geht er in sein Atelier.

Nach einem größeren Auftrag 2009 – eine Brunnenanlage in Rottershausen im Landkreis Bad Kissingen – hat er sich wieder einmal eine auftragsfreie Auszeit genommen, um sich voller Lust am freien Spiel mit den Formen einem selbst gestellten Thema zu widmen: „liegend, lodernd“ ist der Titel einer Serie von Marmorplastiken, der sich nicht etwa auf Menschen bezieht, die im Liegen etwas tun, was sie zum Lodern bringt, sondern auf horizontale Bewegungen in der Natur, beispielsweise die Bewegung von Wellen.

Julian Walter gehört zur Familie der „Schreinersch“ in Vasbühl, einer Familie von Schreinern – wie schon der Hausname sagt –, in der seit vier Generationen immer wieder künstlerische Begabungen auftauchen. Wie eben Julian, sein Cousin Max, auch er Bildhauer, oder die beiden Söhne von Julian und Brigitte Walter. Stefan Johannes ist Komponist, Musiker und Arrangeur, Andreas Jazzmusiker. Der 1935 geborene Julian ging den für diese Zeit typischen Weg: Holzbildhauerlehre in Bischofsheim in der Rhön, Kunstschule Würzburg beim bekannten Richard Rother und schließlich Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Anschließend kehrte Julian Walter zurück in sein Heimatdorf, baute sich ein Atelier und arbeitet seit 1964 als freischaffender Bildhauer.

In diesen 46 Jahren sind unzählige Arbeiten entstanden, von denen viele im öffentlichen und im sakralen Raum stehen: große Brunnen, Gedenksteine, Altäre. Auch Altar und Ambo in der restaurierten Vasbühler Kirche hat er gestaltet. Daneben hat Walter immer frei gearbeitet und diese Skulpturen und Installationen bei Ausstellungen gezeigt, vor allem bei den Jahresausstellungen der Gruppe Schweinfurter Künstler, deren Mitglied er ist, die bis 2007 in der Halle Altes Rathaus stattfanden. 2001 beispielsweise nahm er mit Streitäxten, die auf einem Teppich von Körpern marschierten, direkten Bezug zum Krieg in Afghanistan. Die Bedrohung der Kreatur durch den Menschen sei sein Lebensthema, hatte er damals gesagt.

In den Jahren danach zeigten die Ausstellungen auch andere Seiten von Julian Walter: die schwächelnden Musenpferdchen waren witzig und ironisch, seine Variationen zum Thema Wolken ließen einen Blick auf seine romantische Seite zu. Mit den Jahren sei die Erkenntnis gewachsen, dass die heitere Seite einen Ausgleich zur stetigen und nicht veränderbaren Bedrohung schaffen müsse, sagt Walter heute.

2007 hatte er eine große Einzelausstellung in Schweinfurt, bei der deutlich wurde, dass er ein sorgfältiger Beobachter seiner Mitmenschen und seiner Umwelt ist. 22 Köpfe mit Kragen thronten in der Halle Altes Rathaus, unter ihnen die strenge „Eminenz“, das Englische Fräulein mit geklöppeltem Kragen oder drei Hinterbänkler.

Von Rückschau, von Retrospektive gar, könne keine Rede sein, betonte Kurator Erich Schneider, Leiter der Museen und Galerien damals. Ein längst nicht ausgeschöpfter Vorrat an Ideen stehe ihm vor Augen, dem er aus Lust an der Figur täglich neue Gestalt verleihe. Das gilt bis heute.

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