Waigolshausen

Ein Jahr im Amt: Waigolshausens Bürgermeister Christian Zeißner

Spagat zwischen Amt und Beruf: Das erste Amtsjahr war für den 43-Jährigen herausfordernd. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie.
Er fühlt sich wohl im Bürgermeisteramt:  Christian Zeißner vor dem Rathaus in Waigolshausen.
Foto: Anand Anders | Er fühlt sich wohl im Bürgermeisteramt:  Christian Zeißner vor dem Rathaus in Waigolshausen.

Der Start ins Amt hätte auch einfacher sein können. Die Corona-Pandemie traf wohl alle neu gewählten Bürgermeister im Frühjahr 2020 gleichermaßen, doch bei Christian Zeißner kamen im Lauf des ersten Amtsjahres noch andere Herausforderungen hinzu – Personalwechsel und Personalmangel. Normalerweise sind sieben Mitarbeiter im Rathaus in Waigolshausen beschäftigt, seit März ist das Verwaltungsteam nur zu fünft. Einwohnermeldeamt und Bauamt sind vakant, werden erst im Juni und Juli wieder neu besetzt. Das bedeutet mehr Arbeit für das gesamte Team, auch für den neuen Bürgermeister.

Der 43-Jährige ist ein Arbeitstier, sonst würde er mit diesen zusätzlichen Herausforderungen den Spagat als ehrenamtlicher Bürgermeister zwischen Rathaus und Beruf nicht schaffen. Drei Tage in der Woche ist er Lehrer an der Wilhelm-Sattler-Realschule in Schweinfurt und fünf Tage Bürgermeister im Rathaus. Denn auch an den Schultagen versucht er, da zu sein oder macht von zuhause aus Online-Termine für die Gemeinde.

Größtes laufendes Projekt ist die Sanierung der Kläranlage

"Dieses erste Jahr war schon herausfordernd", räumt Christian Zeißner denn auch ein. Denn neben Home-Schooling als Lehrer und Home-Office als Bürgermeister gab es auch noch das Home-Schooling seiner beiden Kinder im Grundschulalter. "Da war ich froh, wenn meine Frau von der Arbeit kam und ich ins Rathaus konnte", meint er schmunzelnd. 

Auch als ehrenamtlicher Bürgermeister versucht Christian Zeißner, täglich im Rathaus zu sein.
Foto: Anand Anders | Auch als ehrenamtlicher Bürgermeister versucht Christian Zeißner, täglich im Rathaus zu sein.

Und dort wartet täglich viel Arbeit. Größtes Projekt ist aktuell die Sanierung der Kläranlage in Hergolshausen, ein Streitobjekt seit Jahren. Sein Wahlversprechen war es, "mit größtmöglicher Transparenz" den Streit zu kitten. Er habe viele Gespräche geführt, alle Rechnungen offen gelegt. Sind die Kritiker nun verstummt? Christian Zeißner antwortet diplomatisch: "Wir bauen und kommen gut voran." Bis Oktober soll das 2,4-Millionen-Euro-Projekt abgeschlossen sein. Ende Juni werden dann die ersten Beitragsbescheide an die Bürger verschickt.

Viele Neulinge auch im Gemeinderatsgremium

Dass das Bürgermeisteramt nicht immer eine leichte Aufgabe ist, "bringt der Job mit sich", sagt Christian Zeißner. Aber das vielfältige Aufgabengebiet sei gerade auch das Spannende. Dabei musste er von Null anfangen, hatte keine Erfahrung als Gemeinderat, was er als Vorteil sieht, weil dies ihm einen unverstellten Blick auf die Gemeinde ermöglich habe. Auch im 14-köpfigen Ratsgremium sitzen viele Neue, und die haben viele neuen Ideen. Den bevorstehenden Haushaltsberatungen sieht der Bürgermeister daher mit Spannung entgegen: "Nicht alles ist möglich, wir werden den Rotstift ansetzen müssen."

In der 2700-Einwohner-Gemeinde laufen bereits kostenträchtige Projekte. Zum Beispiel die Dorferneuerung und Flurbereinigung in Hergolshausen oder die Erschließung des Neubaugebiets in Waigolshausen. Auch der Breitbandausbau steht auf der Agenda. Voraussichtlich im Frühjahr 2022 sollen die ersten von 550 Haushalte in Theilheim und Hergolshausen einen Glasfaseranschluss bekommen. Im Freizeitzentrum in Waigolshausen muss die Heizung erneuert werden. "Das kostet viel Geld und die Einnahmen fehlen." Denn aufgrund der Corona-Pandemie finden dort ja keine Veranstaltungen statt. Im Moment ist ein Schnelltestzentrum eingerichtet, das laut Zeißner sehr gut angenommen wird. 

Umstrukturierung der Verwaltung

Im Rathaus läuft unterdessen die Umstrukturierung der Verwaltung, die der junge Bürgermeister gleich nach Amtsantritt angestoßen hat, um die Aufgaben und Belastungen der einzelnen Abteilungen besser zu verteilen. Das Team sei motiviert und unterstütze ihn. Gerade in der Anfangszeit habe er viel nachfragen müssen. Christian Zeißner versucht aber auch, sich selbst viel zu erschließen, hat Bürgermeisterseminare besucht und nimmt an Online-Weiterbildungen teil. Sein Dienst endet deshalb nicht, wenn er das Rathaus verlässt. "Ich bin immer erreichbar." Sogar in Freistunden oder Pausen in der Schule wickelt er telefonisch Gemeindegeschäfte ab. 

Und Vorsitzender des TSV Theilheim ist er auch noch. Wegen Corona ist er da aber im Moment weniger gefordert. Apropos Sport: Wird der passionierte Mountainbiker seinem Vorgänger nacheifern und künftig auch am Bayerischen Bürgermeister-Triathlon teilnehmen? Dafür hat der neue Rathauschef keine Zeit: "Ich wüsste nicht, wann ich mir das noch aus dem Leib schneiden sollte." 

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