Schwebheim

Ein Leben für die Revolution

Mit Tanz Musik und Rezitation hielten die Künstler (von links) Peter Hub, Erik Weisenberger, Barbara Puppa Hennerfeind und Anke Horling die Erinnerung an die Persönlichkeit des Che Guevara wach.
Foto: Ursula Lux | Mit Tanz Musik und Rezitation hielten die Künstler (von links) Peter Hub, Erik Weisenberger, Barbara Puppa Hennerfeind und Anke Horling die Erinnerung an die Persönlichkeit des Che Guevara wach.

„Wenn es soweit sein wird, dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist, gedenkt unser mit Nachsicht.“ Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als Peter Hub diese Worte sprach. Und ja, diese Nachsicht braucht der gewalttätige Revolutionär Che Guevara ebenso wie der konsequent seine Ideale lebende Che Bewunderung verdient.

Peter Hub und den Musikern von Agua y Vino 3D gelang es ausgezeichnet, die widersprüchliche Persönlichkeit dieses Ursymbols jeder Revolution auf die Bühne zu bringen. In ihrem Programm „Che – ein Leben für die Revolution“ ließ der Rezitator das Leben des Sohnes argentinischer Großbürger Ernesto Rafael Guevara de la Serna, der später zum legendären Che wurde, Revue passieren. Allein die Zitate über und von dem Revolutionär zeigten bereits eine schillernde Persönlichkeit, die zur Auseinandersetzung mit ihm und seinen Idealen geradezu zwang..

Den Worten Leben eingehaucht aber haben, der Gitarrist Erik Weisenberger, die Geigerin Anke Horling und allen voran Barbara Puppa Hennerfeind. Flamenco tanzend, steppend mit Dreieckstuch, Fächer oder Stock, wirbelte sie über die Bühne und ließ Emotionen lebendig werden. Von Leidenschaft und Liebe erzählte ihr Ausdruckstanz ebenso wie von Hass und Gewalt, Sehnsucht und Verzweiflung.

Während Hub erzählt wie aus dem eher unpolitischen Medizinstudenten, der Wegbegleiter Fidel Castros und die Ikone der Revolution wurde, untermalten die Musiker mit Gitarren und Geigenklängen die Aussagen. Dabei griff Weisenberger auch zum selbstgebauten Instrument, das er aus einer Zigarrenkiste gefertigt hatte. Nicht nur tanzend und Gitarre spielend überzeugte Hennerfeind, beeindruckend auch, wenn sie ihre kraftvolle Stimme erhob und sang.

Es war das Zusammenspiel von Wort und Musik, Zitaten und Tanz, das den Zuschauern die widersprüchliche Persönlichkeit des Che Guevara nahebrachte. War der nun der Massenmörder, der tausende von Anhängern des Diktators Fulgencio Batista in Kuba hinrichten ließ? Oder war er der „Heilige“ Kämpfer für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, als der er heute vielfach verehrt wird. Nun er war wohl das, was er vor seiner Erschießung seinem Mörder anheim gab: „Zeigen sie Haltung und schießen sie gut, Sie töten einen Menschen.“

Peter Hub ließ nicht nur die Persönlichkeit Che Guevaras aufleuchten, des Revolutionärs, Guerillaführers, Arztes und Autors, der ein Leben lang an Asthma litt, und trotzdem rauchte. Des Mannes, der von seinen Weggenossen Unmenschliches verlangte, nicht ohne es selbst zu geben und der keinerlei Vergünstigungen für sich und seine Familie annahm. Hub erklärte auch die historischen Hintergründe und die soziale Wirklichkeit, in der der Revolutionär wirkte. Von der Entdeckung Kubas durch Kolumbus bis hin zur Besatzungsmacht USA, die noch heute mit dem Gefangenenlager Guantanamo in Kuba ein trauriges Kapitel Geschichte schreibt.

Das kunstvolle Zusammenspiel zwischen Text und Musik, Information und Emotion, von Ausdruckstanz und Gesang brachten den Zuschauern das Leben des „Comandante“ in allen Facetten seiner Widersprüchlichkeit nahe. Das Ensemble entließ ein begeistertes Publikum, dem sie wohl auch einiges zum Nachdenken mit auf den Weg gaben. Eine bessere Einweihung für die neu gestaltete Bühne des Bürgerhauses, hätte sich Schwebheim nicht wünschen können.

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