Schweinfurt

Ein Schweinfurter in Berlin

Neuer Look: Ron Spielman hat den Bart abrasiert und die Wollmütze abgenommen.
Foto: David Buchholz | Neuer Look: Ron Spielman hat den Bart abrasiert und die Wollmütze abgenommen.

Seit fast 20 Jahren schlägt sich Ron Spielman in Berlin als freischaffender Musiker durch. Spielman, geboren 1964 in Schweinfurt, ist auch hier in der Region dank seiner damaligen Band The Body And The Beat oder Solo-Alben wie „Skin & Wire“ oder „Solution“ bekannt.

Am 28. Mai sollte der virtuose Gitarrist, dessen Stimme oft mit der von Sting verglichen wird, in der Würzburger Posthalle mit seinem aktuellen Projekt „The Rehearsal Sessions“ gastieren, das Konzert findet wegen der Corona-Krise nicht statt. Ursprünglich wollte er nur ein paar neue Videos für seine Webseite aufnehmen, erzählt Spielman. „Die Idee war, einfach wie live zu spielen und zwar Stücke, die schon existieren.“

Leicht abgeändert, je sechs bis sieben Minuten lang, damit er Soli drüber spielen konnte. „Wichtig war mir dabei, dass wir improvisieren, dass daraus wunderbare Dinge entstehen, die man nicht kalkulieren kann.“ Das Ergebnis, aufgenommen im Proberaum und selbst abgemischt, legte er seinem Label Blackbird Music vor. „Die wollten die Tonspuren unbedingt veröffentlichen.“ Aber Spielman wollte keinen physischen Tonträger, weil es nur um alte, neu interpretierte Songs ging. Deshalb gibt es von „The Rehearsal Sessions“ nur eine digitale Veröffentlichung.

Das neue Album soll so kommerziell wie möglich werden

Parallel arbeitet Ron Spielman, sieben Jahre nach „Swimming In The Dark“, an einem neuen Album mit neuem, elektronischen Konzept. „Es wird auf keinen Fall ein Blues-, Funk-, Soul- oder Rockalbum. Eher Indietronic. Wir haben Ideen aufgenommen, und ich schneide mir dann einfach vier oder acht Takte heraus und darauf basiert dann der neue Song. Manche Tracks haben dann auch mal nur zwei Akkorde, den Rest erledigen viele Synthesizer.“

Für das Album will sich Ron Spielman erstmals einen Produzenten suchen. Bislang hat er seine Alben immer selbst produziert. Diesmal möchte er seine Musik in die Hände von jemandem legen, dessen Sound er gut findet und dem er vertraut. Denn diesmal will er so kommerziell wie möglich werden.

Neues Album auch mit Projekt Spielman In Bad Company

Auch das Projekt Spielman In Bad Company wird dieses Jahr ein neues Album veröffentlichen. Wahrscheinlich im Herbst. Und auch da wird es Veränderungen geben. Nicht mehr der verschrobene Bluesrock vom Debütalbum, sondern eher Ausflüge Richtung Dub, digitale Soundwände und schroffe Gitarren-Riffs. „Ich habe momentan so viele Ideen, dass ich jedes Jahr eine neue Produktion an den Start bringen möchte. Bevor ich diesen Planeten verlasse, möchte ich noch ein paar Sachen ausprobieren“, sagt Spielman.

Bisher hat der Musiker immer unabhängig gearbeitet. Hat sich für jedes Album die Musiker gesucht, die er brauchte, hat mit kleinen Labels kooperiert. Das hat mal mehr, mal weniger gut funktioniert. „Es gibt immer wieder mal zwei oder drei Monate, in denen ich kaum Konzerte gebe. Dann wird das Geld auch einmal knapp“, erzählt der Deutsch-Amerikaner.

„Dann muss ich eine Gitarre oder einen Amp verkaufen, um Dürrephasen zu überbrücken. Das ist erst vor ein paar Monaten passiert. Ich habe gelernt, damit umzugehen. Aber diese Ups und Downs gehören einfach zum Musikerleben dazu.“ Seit Ron Spielman mit der Jahrtausendwende von Schweinfurt nach Berlin gezogen ist, hat er jede Menge Projekte verwirklicht.

Sechs Jahre lang hat er im SAT1-Frühstücksfernsehen die Hausband geleitet und mit Leuten wie Bootsy Collins, Starkoch Jamie Oliver oder den Talenten der Castingshow „The Voice Of Germany“ gejammt. Er hat in der Band von Andreas Kümmert Gitarre gespielt oder für die US-Sängerin Shannon Callahan eine Band zusammengestellt und ihr Album produziert. Zusammen mit Till Brönner hat Ron Spielman für den Film „Was nützt die Liebe in Gedanken“ einen Song geschrieben. Derzeit spielt er einmal im Monat im Jazzclub Quasimodo im Stadtteil Charlottenburg mit der Quasimodo Club Band. Spielman singt auch in Synchronisierungen von Disney-Filmen „Oft bekomme ich gesagt: Das ist ja Wahnsinn, was du bis jetzt alles gemacht hast. Eigentlich müsstest du viel bekannter sein. Für mich hieß Erfolg in den vergangenen Jahren aber nicht finanzieller Reichtum, sondern, dass ich genau die Musik machen konnte, die ich wollte. Ein reines Instrumentalalbum, kauzigen Bluesrock oder jetzt eben das neue Konzept.“

Mit 55 Jahren muss Ron Spielman trotzdem schauen, wie er seine Miete bezahlt und seinen Kühlschrank füllt. So singt er in Synchronisierungen von Disney- oder Pixar-Filmen und hat vor einigen Jahren eine Ausbildung in der Alexander-Technik gemacht. Eine pädagogische Methode, die sich mit dem Erkennen und Ändern von Gewohnheiten beschäftigt. Regelmäßig gibt er Kurse für Musiker, die körperliche Probleme wie Sehnenscheidenentzündung haben, oder gibt Workshops zu Problemen wie Lampenfieber, Rückenproblemen oder Stimmversagen.

Wie überlebt man als freischaffender Musiker? „Du musst immer offen und interessiert bleiben“, sagt Ron. „Gleichzeitig musst du immer reflektieren, was du eigentlich willst. Das funktioniert am besten mit Leuten, die man gut findet. Man darf nie vergessen, wer man ist und was man will. Denn es geht schnell, dass man sich verliert oder verzettelt. Ich kenne viele Musiker, die zwar eine feste Anstellung haben, aber sehr frustriert sind.“

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