Gerolzhofen

Fake-News für den Briefkasten

Mit einem gedruckten Flugblatt versuchen nun Corona-Leugner und Impfgegner auch diejenigen Menschen zu erreichen, die nicht im Internet unterwegs sind.
Im Raum Gerolzhofen wurden jetzt auch die umstrittenen Flyer 'Retter Impfung?' verteilt.
Foto: Klaus Vogt | Im Raum Gerolzhofen wurden jetzt auch die umstrittenen Flyer "Retter Impfung?" verteilt.

Gemeinsam mit den Werbungsprospekten ist nun auch in der Region Gerolzhofen der Flyer "Retter Impfung?" des Vereins "Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie" (kurz: MWGFD) aus Passau verteilt worden. Der Flyer ist bundesweit auf Kritik von renommierten Wissenschaftlern gestoßen, weil der Corona verharmlost und Ängste vor einer Impfung schürt.

Dank Grafiken und Quellenangaben, etwa das Statistische Bundesamt oder das Robert-Koch-Institut, und nicht zuletzt der Tatsache, dass von der Rückseite die MWGDF-Verantwortlichen Sucharit Bhakdi und Stefan Homburg - beide mit Doktor- und Professorentitel - grüßen, wirkt das Faltblatt wissenschaftlich seriös. Verschwiegen wird, dass beide weder Virologe noch Epidemiologe sind. Der seit acht Jahren emeritierte Bhakdi hat als Mediziner im Bereich der Mikrobiologie (Atherosklerose, bakterielle Toxine, Malaria und Dengue) geforscht. Und Stefan Homburg ist Finanzwissenschaftler.

Sucharit Bhakdi und Stefan Homburg gehören zu denjenigen, die seit Monaten versuchen, die Corona-Pandemie herunterzuspielen. Gleichzeitig verweisen sie auf mögliche Spätfolgen der Corona-Impfung und erinnern an den Contergan-Skandal mit den Missbildungen von Neugeborenen - obwohl Contergan überhaupt nichts mit Impfen zu tun hatte, sondern ein Schlaf- und Beruhigungsmittel war, das bei werdenden Müttern gleichzeitig gegen Schwangerschaftsübelkeit helfen sollte.

Außerdem wird behauptet, dass Corona "praktisch keine Einflüsse" auf die Todesfallstatistiken habe. Dies ist nachweislich falsch. Bereits im Verlauf des Jahres 2020 waren Phasen mit erkennbarer Übersterblichkeit zu beobachten. Im April lagen die Todeszahlen leicht über dem Durchschnitt der Vorjahre, und im Dezember zeigte sich wieder eine deutliche Übersterblichkeit. Jetzt für Januar 2021 spricht das Statistische Bundesamt von einer Übersterblichkeit von 18 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Januare von 2017 bis 2020. Die Daten passen zeitlich gut zu den beiden Corona-Infektionswellen.

Der von den Corona-Rebellen gegründete Verein hat inzwischen vom Finanzamt seine Gemeinnützigkeit entzogen bekommen. Spenden an die im Flyer abgedruckte Bankverbindung können nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden.

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