Schweinfurt

Familienportrait der besonderen Art

Als einer von weltweit 205 Teilnehmern wurde Daniel Asadi Faezi für die Berlinale Talents ausgewählt. Sein 80-minütiger Abschlussfilm an der Filmhochschule München stellt ein Familienporträt der besonderen Art dar.
Foto: Lili Pongratz | Als einer von weltweit 205 Teilnehmern wurde Daniel Asadi Faezi für die Berlinale Talents ausgewählt. Sein 80-minütiger Abschlussfilm an der Filmhochschule München stellt ein Familienporträt der besonderen Art dar.

„Dreams“, englisch für „Träume“, war das Motto des so genannten Berlinale Talents-Programms Anfang März, an dem auch der Schweinfurter Dokumentarfilmer Daniel Asadi Faezi als einer von weltweit nur 205 ausgewählten Teilnehmern dabei war. Träume, die hat der 28 Jahre alte Regisseur, der am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium sein Abitur machte und kürzlich sein Studium an der deutschen Filmhochschule in München abschloss, eine Menge. Und die Filmwelt steht ihm mittlerweile offen, sie zu verwirklichen.

Gerade die Berlinale Talents bot dem Dokumentarfilmer, der mit seinen Werken bereits bei zahlreichen internationalen Festivals vertreten war, nie aber seine Wurzeln in der Wälzlagerstadt vergessen hat und im KuK und in der Disharmonie des öfteren schon seine Filme zeigte, eine große Chance. Bei den Talents-Workshops geht es darum, sich zu vernetzen, mit den Großen der Szene weltweit in Kontakt zu kommen, sei es Regisseure, Produzenten oder Studios und neue Projekte vorzustellen. Coronabedingt lief das in diesem Jahr alles online, was für Asadi aber kein Problem darstellte, „denn es kommt auf das Networking an.“

Bei den Berlinale Talents dabei gewesen zu sein, ist in der Filmbranche gerade für junge Regisseure eine echte Auszeichnung und ein guter Start ins selbstständige Film-Leben, das wie alles im Bereich der Kultur im Moment stark eingeschränkt ist. „Man bewirbt sich mit seiner Vita, muss auch mit zwei Filmen schon bei Festivals erfolgreich gewesen sein und wird als Regisseur als Ganzes gesehen“, erklärt Daniel Asadi Faezi das Auswahlverfahren. Dass er unter 3000 Bewerbungen weltweit nun zum Zug kam, spricht für ihn und seine Art, Dokumentarfilme zu drehen. Auch in Zukunft wird der Schweinfurter von dem Netzwerk profitieren, da man, wurde man einmal ausgewählt bei Deutschlands wichtigstem Film-Festival, auch weiterhin die Möglichkeit bekommt, exklusiv an den Project Labs als Workshops teilzunehmen, um Menschen zu finden, die einen bei einem konkreten Projekt unterstützen.

Abschlussfilm ist fertig gestellt

Ideen für neue Projekte hat Asadi eine ganze Menge, nachdem er nun sein Studium an der Filmhochschule erfolgreich beendet hat. Im Moment arbeitet er bei einer Produktionsfirma in Teilzeit mit, um neben seinem Metier Regie noch mehr über das Thema Produktion zu lernen, also alle juristischen und wirtschaftlichen Fragen rund um eine Filmproduktion im Hintergrund des eigentlichen Filmdrehs.

Man tritt dem jungen Regisseur nicht zu nahe, wenn man seinen Abschlussfilm einen „typischen Daniel Asadi Faezi“ nennt. Der 80 Minuten lange Film, der erste in dieser Länge des Regisseurs, dreht sich um eine ganz besondere Familiengeschichte.

Daniel Asadi Faezis Vater ist im Iran geboren und aufgewachsen, er kam kurz vor der Revolution Ende der 1970er Jahre in seinem Heimatland nach Deutschland, durfte hier studieren und arbeitet in Schweinfurt. Sein Bruder blieb zunächst im Iran, flüchtete erst einige Jahre später. Aus der Zeit gibt es einen regen Briefwechsel der beiden Brüder und dem Sohn und Neffen gelang es, seinen Vater und seinen Onkel zu überreden, diesen Schatz mit der Nachwelt zu teilen, sich zu treffen, diese Briefe einander vorzulesen und darüber zu sprechen.

„Ich möchte den Film auf der Leinwand präsentieren und nicht auf einem Laptop-Bildschirm. Es braucht den Raum Kino zum Diskutieren.“
Daniel Asadi Faezi über seinen Abschlussfilm an der Filmhochschule.

„Es geht um ein Portrait der Familie, das Thema Migration, das Leben in der Diaspora weit weg von zu Hause“, erklärt Daniel Asadi Faezi. Das Besondere: Die beiden Brüder lesen sich die Briefe in einem ganz einfachen Setting vor einer eigens gebauten Leinwand vor, auf der der Regisseur auch Material einspielt, das er aus seinen zahlreichen Aufenthalten im Iran und vielen Dokumentarfilmen, die er dort schon drehte, noch hatte. Das Thema Film und Iran ist gerade im Zusammenhang mit der Berlinale ein sehr politisches, dessen ist sich der Regisseur bewusst. „Natürlich will ich auch wieder in den Iran reisen, aber in dem Film spielt zwar ein politischer Zeitraum eine Rolle, es geht aber um die Familie und die Sehnsucht nach der Heimat.“

Abgedreht hat Daniel Asadi Faezi seinen Film im übrigen eine Woche vor dem ersten Corona-Lockdown vor einem Jahr, danach ging es ans Schneiden der Endfassung, was auch während der Pandemie möglich war, da das meist alleine im Schneideraum passiert. Im Moment reicht er den Film bei den wichtigen Festivals ein und hofft darauf, ihn auch bald in einem Kino zeigen zu dürfen: „Ich möchte ihn auf der Leinwand präsentieren und nicht auf einem kleinen Laptop-Bildschirm“, so Asadi Faezi, „denn Film braucht den Raum Kino zum Diskutieren.“

Bereits mit 18 Jahren war Daniel Asadi Faezi zum Freiwilligendienst im indischen Kolkata und machte dort seinen ersten Dokumentarfilm. Er lebte und arbeitete in Teheran, Lahore, Berlin und München. Die bekanntesten Filme des Kulturpreisträgers der Stadt Schweinfurt sind „Kids of Teheran“, „The Absence of Apricots“ oder „Hahnenkämpfer“.

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