Schweinfurt

Friederike-Schäfer-Heim: Warum man keinen Neubau stemmen kann

Drei Jahre wurde um das Projekt gestritten, diskutiert, geplant – dann war ein Neubau plötzlich vom Tisch. Zu teuer für eine Stiftung, die 2021 mit hohem Defizit plant.
Das Friederike-Schäfer-Heim soll nun doch saniert werden. Wie, das wird derzeit noch erarbeitet.
Foto: Katja Beringer | Das Friederike-Schäfer-Heim soll nun doch saniert werden. Wie, das wird derzeit noch erarbeitet.

Die Hospitalstiftung ist die älteste Stiftung der Stadt Schweinfurt. Zum Stiftungsvermögen gehören nicht nur liquide Mittel, sondern auch Grundstücke, bebaute wie unbebaute, Ackerland, Wald, ein Weinberg, einige Altenwohnungen, zwei Altenwohnheime (an denn Brennöfen/Elsa-Brändström-Straße) und das Friederike-Schäfer-Heim. Drei Jahre hatte man um die Zukunft des Heims gestritten und schließlich einen Neubau am Martin-Luther-Platz ins Auge gefasst. Im September diesen Jahres dann die Überraschung: der auf rund 19 Millionen Euro geschätzte Neubau war vom Tisch, die Generalsanierung wurde dem Haupt- und Finanzausschuss von der Stadtverwaltung plötzlich als der einzig machbare Weg präsentiert. Dahinter steckt vor allem eines: die Finanzierung eines Neubaus am Martin-Luther-Platz ist für die Hospitalstiftung finanziell nicht zu stemmen.

In einer nichtöffentlichen Sitzung hatte Finanzreferentin Anna Barbara Keck den Stadträten Einblick in die Finanzen der Stiftung gegeben, die lange geprüft und bilanziert worden waren. Auf Anfrage bekam auch die Redaktion jetzt diese Zahlen. Nach der letzten geprüfte Bilanz (Stand 31. Dezember 2018) hat die Stiftung ein Eigenkapital von 42,3 Millionen Euro; dazu Fremdkapital in Höhe von 4,2 Millionen. Macht eine Bilanzsumme  von 46,5 Millionen. Geld, über das man so einfach aber nicht verfügen kann. Wie sieht es mit den liquiden Mitteln aus? Zum 31. Dezember 2019 beliefen die sich auf 11,1 Millionen Euro. Im kommenden Jahr werden sie auf 10,4 Millionen Euro sinken.

Der Grund: für 2021 geplante Unterhaltsmaßnahmen, die mit über 500 000 Euro angesetzt sind. Sie sollen hauptsächlich in Altenwohnungen und das Altenwohnheim an den Brennöfen fließen. Für das Friederike-Schäfer-Heim seien keine größeren Maßnahmen geplant, so Keck auf Nachfrage. Stattdessen arbeite man an einem Konzept für die stückweise Generalsanierung des Heims, nachdem ein "Neubau aus finanziellen Gründen nicht möglich ist", wie die Finanzreferentin in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses erklärt hatte. Im Dezember oder Januar will die Verwaltung dem Stadtrat die neuen Pläne vorstellen.

"Außer Spesen nichts gewesen."
Frank Firsching, Die Linke, zu den inzwischen verworfenen Neubauplänen

Zwei Jahre hätte die "Irrung Martin-Luther-Platz" dem Projekt gekostet, bemerkte Frank Firsching (Die Linke) dazu. Der Ausgang des Ganzen war in seinen Augen "absehbar" – "außer Spesen nichts gewesen". Was ihn beschäftige, sei nun die Frage, ob man trotzdem die von der Heimaufsicht geforderten Fristen einhalten könne. Schließlich sei das bei der damals schnell geforderten Entscheidung für den Neubau am Martin-Luther-Platz mit ein Grund gewesen. Handlungsbedarf bestehe nach wie vor, erklärte Keck, weshalb man die Planung auch vorantreiben müsse. Die Fristen, die laut Sozialreferent Jürgen Montag Ende der 2020er Jahre ablaufen, könnten aber auch verlängert werden, wie sein Referentenkollege Jan von Lackum ergänzte.

Lesen Sie auch:

Die Hostpitalstiftung ist eine von insgesamt elf Stiftungen, die die Stadt Schweinfurt verwaltet. Und zwar direkt. Anders als andere Stiftungen gibt es hier keinen Stiftungsrat. Das Rathaus mit Oberbürgermeister Sebastian Remelé an der Spitze verwaltet gemeinsam mit dem Stadtrat die Hospitalstiftung. Zum Stiftungsvermögen gehört nicht nur Kapital – aktuell sind das etwas über 10 Millionen Euro –, sondern auch Grundstücke, bebaute wie unbebaute, Ackerland, Wald, ein Weinberg, zwei Altenwohnheime (an denn Brennöfen/Elsa-Brändström-Straße) und das Friederike-Schäfer-Heim. An Ordentlichen Erträgen will die Stiftung laut Wirtschaftsplan in 2021 rund 2,36 Millionen Euro einfahren; dem gegenüber stehen Aufwendungen von 2,87 Millionen Euro - rund 300 000 Euro mehr als noch im Vorjahr.  Das Defizit der Stiftung wird sich laut Keck um rund 327 000 Euro auf etwa 512 000 Euro erhöhen.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Schweinfurt und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Schweinfurt
Katja Beringer
Anna Barbara Keck
Bilanzsummen
Bürgermeister und Oberbürgermeister
Die Linke
Eigenkapital
Frank Firsching
Fremdkapital
Grundstücke
Kommunalverwaltungen
Millionen Euro
Sebastian Remelé
Stadt Schweinfurt
Stadträte und Gemeinderäte
Städte
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!