Schweinfurt

Heavy Metal auf dem Main-Dampfer

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Foto: Michael Bauer

Wenn Engel reisen . . . Schwarze Engel. Gut 150 Heavy-Metal-Fans auf einem schneeweißen Ausflugsdampfer und die Sonne lacht dazu. Gewitter, Schauer, Kälte haben die Wetterexperten prophezeit, stattdessen blauer Himmel und angenehme Temperaturen bei der zweiten „Metal Mee'niac“, der etwas anderen Main-Kreuzfahrt des Schweinfurter Rockverbands. Der feiert seinen 15. Geburtstag, natürlich standesgemäß mit neun Bands und knallhartem Rock – erst auf dem Schiff, abends dann im Stattbahnhof.

„Es macht Spaß mit den Jungs“, lacht Ralf Wietelorz. Weiße Hose, weißes Hemd und weiße Mütze – ja, er sticht raus aus der schwarz gewandeten Meute, der Kapitän. Er hatte schon 2013 das Steuer in der Hand, als der rockige Dampfer-Ausflug Premiere feierte. „Das ist überhaupt nicht meine Musik“, sagt Wiertelorz. „Aber jederzeit wieder. Alles friedlich, alles gut. Die Wasserpolizei hat sich umsonst die Mühe gemacht.“ Die schaut anfangs vorbei, bekommt aber nichts zu tun. Unter Deck, wo die Bands ohrenbetäubend laut losrocken, wird schon mal von Mord und Totschlag, von Tod und Teufel gesungen – harte Schale, weicher Kern. Denn Musiker, Fans und auch die Organisatoren kommen im Gespräch deutlich sensibler daher, als es die manchmal martialischen Texte vorgaukeln.

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Das Event ist der Headliner

Michael Lorz muss eh schmunzeln, wenn er immer noch gelegentlich mit Vorurteilen konfrontiert wird. Dass er, Michael Guerra und all die Anderen aus dem Veranstalter-Team des Rockverbands, im Vorfeld noch einmal daraus hingewiesen haben, dass Nazi-Kram an Bord nichts zu suchen habe, „war das nur, um ausdrücklich dieses Statement abzugeben. Probleme gibt's in dieser Richtung sowieso nie in unserer Szene“, so Lorz. Der 35-Jährige, selbst Metal-Musiker, freut sich, an Deck jede Menge bekannte Gesichter zu sehen. Leute, die vor drei Jahren schon dabei waren. Da war die „Metal Mee'niac“ aus einem Gag geboren. „Wir wollen das aber nicht als jährliche Veranstaltung machen“, betont Lorz. „Es soll ein Highlight bleiben, zu besonderen Anlässen, wie jetzt zu unserem Jubiläum. Deswegen setzen wir auch auf die Gruppen aus der Umgebung. Wir mussten Bands aus Österreich oder Norddeutschland absagen. Es geht auch nicht um große Namen auf der Bühne. Das Event ist der Headliner.“

So sehen es auch die Fans. Klar, schauen die meisten unten vorbei, feiern die Musik. Die kommt roh daher, ob Death Metal oder Grindcore, tiefe Growls, auch mal Kreischen, kaum mal Klargesang. Da wird in den ersten Reihen „geheadbangt“ was das Zeug hält, da fliegen die langen Haare. Aber: Im Vordergrund steht der gemeinsame Ausflug, Fachsimpeln droben unter freiem Himmel. Ja, Bierchen werden auch reichlich geleert. „Da verkaufen wir schon mehr als bei drei normalen Touristenfahrten zusammen“, grinst Kapitän Wiertelorz.

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Foto: Michael Bauer

Ein Fläschchen in der Hand, lehnen auch die Musiker nach dem Auftritt lässig an der Reling. Wie Sascha Fragner und Philip Keil. Bassist Keil ist mit seinen 27 Jahren der Oldie bei „Intestinal Damage“ und ist stolz auf den Fanclub der Band: „Die mit den Schwimmflügeln an den Armen waren wegen uns da.“ Ein paar mehr Zuhörer haben die Kitzinger gerade eben schon gehabt. „Auf einem Schiff können die Leute ja auch nicht davonlaufen“, sagt Sänger Fragner. „Wir haben uns auf diese Geschichte richtig gefreut und die Erwartungen wurden erfüllt: eine klasse Sache, super Stimmung.“

Die Schweinfurter liegen mit ihrer metallischen Dampferfahrt ja im Trend. Metal-Kreuzfahrten sind angesagt und immer schnell ausverkauft, ob in der Nordsee, im Mittelmeer oder gar in der Karibik. Abgeschaut haben sich das die beinharten Rocker – sie werden's kaum hören wollen – von den Schlagerstars. Die, nicht selten irgendwo im Vorruhestand, dümpeln ja schon seit Jahrzehnten gern über die Gewässer. Musik und Urlaub, das funktioniert. Na, ja, davon sind die dreieinhalb Stunden auf dem Main zwischen Schweinfurt und Ottendorf zwar ein bisschen entfernt; Ausflugsstimmung hat's an Bord aber allemal. Kommt ein anderes Schiff vorbei, wird fröhlich die „Pommesgabel“, das Handzeichen mit den zwei abgespreizten Fingern, in die Höhe gestreckt. Party, während unten die unter-/oberfränkischen Rabauken von „Goregonzola“ recht extremen Metal rausknallen.

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Foto: Michael Bauer

Ne Nummer „ernster“ geht's dann am Abend im Stattbahnhof zu. Die Hallenrunde wird von einem besonderen Auftritt eröffnet: „Brainless“ sind eine Schweinfurter Rock-Legende und spielen erstmals seit 15 Jahren wieder – und tun das, als hätten sie nie eine Pause eingelegt. Das weitere Abendprogramm mit „Dead Man's Face“, „Serpant Smile“ und „Terrible Old Man“ wird geschickt um das EM-Halbfinale der Deutschen gegen Italien gebastelt, die Fußball-Fans können im kleinen Saal immer mal gucken, wie's steht. Und nach dem Sieg von Jogis Jungs geht nach Mitternacht der letzten Band ihre Herzensangelegenheit noch etwas leichter von der Hand: Denn die „Road Crew“ spielt einen reinen Motörhead-Set zu Ehren der verstorbenen Rocklegende Lemmy. Und Lorz verspricht schon mal: „Das war nicht die letzte Metal Mee'niac.“

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Foto: Michael Bauer
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