Stammheim

Insektenhotel: Wellness für Wildbienen und Hummeln

Walter Wieland aus Stammheim erklärt, was ein Fünf-Sterne-Insektenhotel ausmacht. Seine selbst gebauten Nisthilfen sind ein kleiner Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.
Seit vielen Jahren schlägt das Herz von Walter Wieland aus Stammheim für Wildbienen und Hummeln und deren Lebensraum. Er hat sich inzwischen einen großen Wissensschatz über die kleinen Bestäuber erarbeitet und baut in der heimischen Werkstatt mit viel Hingabe und handwerklichem Geschick immer wieder neue Insektenhotels.
Foto: Dominik Dorsch | Seit vielen Jahren schlägt das Herz von Walter Wieland aus Stammheim für Wildbienen und Hummeln und deren Lebensraum.

Während Beherbergungsbetriebe pandemiebedingt für lange Zeit keine Gäste aufnehmen durften, hatten Insektenhotels dagegen durchgehend geöffnet. Je nach Zielgruppe gibt es auch hier die unterschiedlichsten Baustile und Einrichtungsarten.

Ins Thema eingearbeitet

Dass das Vorkommen von Insekten vor allem im Vergleich zur Zeit vor 20 bis 30 Jahren heute so rapide abgenommen hatte, ließ Walter Wieland aus Stammheim keine Ruhe. Als Rentner nutzte er schließlich seine neu gewonnene Freizeit, sich in das Thema einzuarbeiten und auch selbst aktiv etwas gegen das fortschreitende Artensterben zu tun. So hat er inzwischen über einige Jahre fleißig gewerkelt, gebohrt, gesägt, beobachtet und sich fortgebildet. Zu seinem Geburtstag hatte sich der handwerklich versierte Rentner eine Ständerbohrmaschine gewünscht, um jetzt noch akkurater Löcher und Höhlen für die Insekten in ausgewählte, gut abgelagerte Hartholzstücke bohren zu können.

Bereits Ende Februar sollten die Insektenhotels aufgestellt beziehungsweise nach der Nutzung aus dem Vorjahr etwas überholt worden sein, da die ersten Bienen je nach Wetterlage bereits Anfang März fliegen und Nistplätze suchen. Die verschlossenen Löcher sind bereits mit Brutzellen belegt.
Foto: Dominik Dorsch | Bereits Ende Februar sollten die Insektenhotels aufgestellt beziehungsweise nach der Nutzung aus dem Vorjahr etwas überholt worden sein, da die ersten Bienen je nach Wetterlage bereits Anfang März fliegen und ...

"Billig-Hotels" oft mangelhaft

Insektenhotels würden von diversen Handelsketten inzwischen zu sehr günstigen Preisen angeboten, die Einrichtung dieser "Hotels" sei aber gerade für Wildbienen oft mangelhaft und ungeeignet zusammengestellt, analysiert Walter Wieland. Auch muss er bei seinen Touren durch die Region immer wieder feststellen, dass viele Kästen der Marke Eigenbau zwar mit viel Liebe gebaut wurden, aber leider aus den falschen Materialien bestehen und so nach einigen Jahren in einem ungepflegten Zustand sind. "Für Vorbeikommende ist es ein trauriger Anblick, wenn dort kein Leben zu sehen ist", meint der engagierte Bienenfreund.

Letztlich komme es bei den Insektenhotels vor allem auf die Details an und natürlich auf die Beschaffenheit der Umgebung, erklärt Walter Wieland. Essentiell sei auch eine ausreichende Verpflegung der Insekten außerhalb des Hotels mit einem bereits im Frühjahr vorhandenen Nektar- und Pollenreichtum an, fügt er an.

Mit diesem Modell macht Walter Wieland das Innenleben der Nisthöhlen zu Schulungszwecken sichtbar. Gut zu erkennen sind die Brutzellen mit den Larven der Wildbienen. Die männlichen Larven befinden sich dabei weiter vorne, da sie zuerst schlüpfen.
Foto: Dominik Dorsch | Mit diesem Modell macht Walter Wieland das Innenleben der Nisthöhlen zu Schulungszwecken sichtbar. Gut zu erkennen sind die Brutzellen mit den Larven der Wildbienen.

Schutz aus Draht ist wichtig

Zum Schutz vor Fressfeinden, so der Experte, sei es dringend geboten, das Insektenhotel mit einem grobmaschigen Draht zu schützen. Dieser sollte mindestens fünf Zentimeter von den Hölzern und Röhrchen entfernt angebracht werden. Regelmäßig beobachte Wieland, dass die Brutzellen in den Nisthilfen zum Beispiel von Spechten mit ihren langen Schnäbeln fast zur Hälfte leergeräumt werden, wenn kein ausreichender Schutz vorhanden ist.

Der richtige Standort eines Insektenhotels, wie hier inmitten eines naturnahen Blühstreifens mit einem reichen Nektar- und Pollenaufkommen, ist besonders wichtig, damit sich Wildbienen und Hummeln wohlfühlen.
Foto: Dominik Dorsch | Der richtige Standort eines Insektenhotels, wie hier inmitten eines naturnahen Blühstreifens mit einem reichen Nektar- und Pollenaufkommen, ist besonders wichtig, damit sich Wildbienen und Hummeln wohlfühlen.

"Von Menschenhand gebaute Nisthilfen sind sicher eine gute Sache", sagt auch die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Schweinfurt, Brigitte Goss. Die Röhren würden hauptsächlich von den Osmia-Mauerbienen genutzt, die wichtige Bestäuber der heimischen Obstgehölze sind, so die Expertin, die regelmäßig im Fernsehen für das Magazin "MDR-Garten" Zuschauer und Leser mit Tipps und Tricks rund um die Arbeit im heimischen Grün versorgt.

Im Garten seines Anwesens in Stammheim hat Walter Wieland verschiedene Probehölzer und -röhren platziert, um herauszufinden, welche Nisthilfen von den unterschiedlichen Bienen- und Hummelarten am besten angenommen werden. 
Foto: Dominik Dorsch | Im Garten seines Anwesens in Stammheim hat Walter Wieland verschiedene Probehölzer und -röhren platziert, um herauszufinden, welche Nisthilfen von den unterschiedlichen Bienen- und Hummelarten am besten angenommen ...

Alte Stickel eignen sich gut

Ausrangierte Weinbergsstickel aus Akazien- und Rubinienholz eignen sich hervorragend zum Bau, erzählt Wieland, der stets einige Probehölzer und -höhlen aufgebaut hat, um immer weiter neue Erfahrungswerte zu sammeln und so die Lieblingshölzer für die Wildbienen und Hummeln herauszufinden. Nicht sinnvoll seien dagegen Materialien wie Tannenzapfen, Stroh oder scharfkantige Ziegelsteine, berichtet der Stammheimer. Schlecht ist auch, wenn die Nisthöhlen dem Regen ausgesetzt sind und dann schimmeln. Auch zu kurze Röhren oder zu raue Hölzer gefallen den Insekten nicht.

Ein ganz besonders sehenswertes Insektenhotel in Bocksbeutelform steht seit einigen Tagen auf der Wiese hinter dem Hof des Bocksbeutelweinguts Scheller in der Nähe des Radweges entlang der Kreisstraße SW 1 in Stammheim am Main. Das Gehäuse hat Gerhard Scheller gearbeitet, die Ausstattung übernahm Walter Wieland.
Foto: Dominik Dorsch | Ein ganz besonders sehenswertes Insektenhotel in Bocksbeutelform steht seit einigen Tagen auf der Wiese hinter dem Hof des Bocksbeutelweinguts Scheller in der Nähe des Radweges entlang der Kreisstraße SW 1 in ...

Den Schwerpunkt seines Wirkens rund um die kleinen Bestäuber, betont Walter Wieland, liege aber auf der Impulsgebung. Er wolle bei möglichst vielen Menschen das Bewusstsein für eine insektenfreundliche Garten- und Landschaftsgestaltung wecken. Insektenhotels könnten hier ein starkes Symbol zum Erhalt der Artenvielfalt sein.

Hotel in Bocksbeutelform

Ein Vorzeigeprojekt ist in Stammheim in der Nähe des Radweges entlang der Kreisstraße zu bestaunen. Das Insektenhotel wurde hier auf dem Grundstück des Bocksbeutelweingutes Scheller direkt in einem Blühstreifen platziert. Dazu wurde passenderweise die Form eines Bocksbeutels nachgebildet, was Ausdruck der Identität des Weingutes ist, das bereits seit vielen Jahren einen Schwerpunkt im Bereich Ökologie setze, betont Winzer Michael Scheller. Das Innenleben des Bocksbeutel-Insektenhotels wurde von Walter Wieland fachmännisch ausgestattet, die äußere Form hatte Schellers Vater Gerhard zuvor ausgearbeitet.

Das Insektenhotel des Obst- und Gartenbauvereins Stammheim war eines der ersten, die Walter Wieland neu eingerichtet hat. Er nimmt dort regelmäßig Kontrollen vor, tauscht einzelne Bestandteile zu gegebener Zeit aus und bereitet die Nisthilfen nach dem Auszug der Wildbienen und Hummeln wieder für die neue Saison auf.
Foto: Dominik Dorsch | Das Insektenhotel des Obst- und Gartenbauvereins Stammheim war eines der ersten, die Walter Wieland neu eingerichtet hat.

Seine über die Jahre gesammelten Erfahrungen beim Bau von Insektenhotels aller Art will Walter Wieland auch gerne weitergeben: Obst- und Gartenbauvereine in der Region berät und unterstützt er bereits, wenn es darum geht, bestehende Nisthilfen zu renovieren, zu warten oder neue einzurichten. Aber auch andere Organisationen oder Privatpersonen, die sich für die Thematik interessieren und Unterstützung suchen, könnten gerne auf ihn zukommen, betont er. Denn die Nachfrage bei den Insekten ist offensichtlich riesig. Werden die unter Beachtung der Vorgaben gebauten Hotels in der richtigen Lage eröffnet, haben sie definitiv Fünf-Sterne-Qualität. Echte Wellness also vor allem für Wildbienen und Hummeln. Nicht verwunderlich ist, dass die Plätze in Wielands Hotels im Frühjahr stets schnell belegt sind.

Die meisten Wildbienen leben als so genannte Einsiedlerbienen. Nach der Paarung sucht das Weibchen einen geeigneten Nistplatz. Dort werden mehrere Brutzellen mit jeweils einem Ei und einem Vorrat an Futter angelegt. Mit einem Gemisch aus Lehm und Sand verschließen sie danach den Zugang nach außen zum Schutz vor äußeren Einflüssen und natürlichen Feinden.
Foto: Dominik Dorsch | Die meisten Wildbienen leben als so genannte Einsiedlerbienen. Nach der Paarung sucht das Weibchen einen geeigneten Nistplatz. Dort werden mehrere Brutzellen mit jeweils einem Ei und einem Vorrat an Futter angelegt.

Nisthilfen einfach selber bauen und anlegen

Wer sich selbst ein Insektenhotel bauen will, kann die Sommerzeit zur Suche von geeigneten trockenen Hölzern nutzen. Mit ausreichend Abstand, damit keine Risse im Holz entstehen, sollten dann drei bis zwölf Zentimeter tiefe Bohrungen auf der Längsseite des Holzes (d. h. senkrecht zur Faserrichtung und nicht in die Baumscheibe, da sonst Risse entstehen, Feuchtigkeit eindringt und Schimmel und Pilze auftreten) mit unterschiedlichstem Durchmesser (zwei bis neun Millimeter) gebohrt werden. Wichtig ist auch, dass das Holz an der Oberfläche und die Löcher innen so glatt wie möglich sind, damit sich die Kleintiere nicht verletzen.
In einem stabilen Gehäuse, das an der Hinterseite verschlossen ist, werden die Hölzer und Röhren nun angeordnet und etwas fixiert. Vorne ist mit mindestens fünf Zentimetern Abstand zu den Löchern ein Netz oder Draht anzubringen, sodass Vögel die Larven nicht herausziehen können. Idealerweise ist das fertige Insektenhotel daher schon im Februar im Garten oder der Natur zu platzieren, wind- und regengeschützt und ausgerichtet in Süd-/Südost-Richtung. Je nach Wetterlage fliegen die ersten Wildbienen schon ab Anfang März.
Nachdem aber auch eine ganze Reihe an Wildbienenarten ihre Nester am Boden anlegen, kann auch eine trockene und warme Erdfläche im Garten mit etwas Sand schon als geeignete Nistmöglichkeit dienen. Die Bücher und Videos des sehr erfahrenen Wildbienenfreundes David Werner empfiehlt auch das Team der Umweltstation Reichelshof bei Sennfeld diesbezüglich allen Interessierten zum Eigenstudium.
Quelle: dd
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