Gerolzhofen

Klinik am Steigerwald macht wegen Coronakrise Betten frei

In der Coronakrise wird vermutlich demnächst jedes freie Krankenhausbett gebraucht. Auch die Klinik am Steigerwald bereitet sich vor. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Patrick Kling.
Patrick Kling, Geschäftsführer der privaten Klinik am Steigerwald oberhalb von Gerolzhofen, bereitet sich gemeinsam mit den verschiedenen Teams des Krankenhauses auf die Aufnahme von Patienten im Zuge der Coronakrise vor.
Foto: Bettina Meinnert | Patrick Kling, Geschäftsführer der privaten Klinik am Steigerwald oberhalb von Gerolzhofen, bereitet sich gemeinsam mit den verschiedenen Teams des Krankenhauses auf die Aufnahme von Patienten im Zuge der Coronakrise ...

Auch in Unterfranken steigt die Zahl der Corona-Infektionen weiter an. Mit einer starken Zunahme an Covid-19-Patienten wird in zwei bis drei Wochen gerechnet. Dann wird jedes freie Krankenhausbett dringend benötigt. Die Staatsregierung hat nun auch private Krankenhäuser angewiesen, umgehend in ihren Häusern für freie Betten-Kapazitäten zu sorgen. Dies trifft auch für die Klinik am Steigerwald zu, die sich auf traditionelle chinesische Medizin spezialisiert hat. Ein Gespräch mit deren Geschäftsführer Patrick Kling.

Frage: Die Staatsregierung hat die Krankenhäuser im Freistaat angewiesen, alle möglichen Kapazitäten von Krankenhausbetten für den erwarteten Anstieg von Corona-Patienten zur Verfügung zu stellen. Gilt dies auch für die Klinik am Steigerwald?

Patrick Kling: In der Allgemeinverfügung der Bayerischen Staatsregierung werden Krankenhäuser mit unterschiedlichem Status benannt, in denen alle planbaren und aufschiebbaren Behandlungen sofort verschoben und bereits begonnene Krankenhausbehandlungen nach medizinischer Vertretbarkeit sofort abgebrochen werden müssen. Unter den benannten Krankenhäusern befinden sich auch Privatkrankenhäuser mit einer Konzession nach Gewerbeordnung. Insofern gilt die Allgemeinverfügung auch für die Klinik am Steigerwald.

Wie wird diese Verordnung bei Ihnen gehandhabt?

Kling: Da sich die Klinik am Steigerwald auf die Behandlung von schweren chronischen Erkrankungen spezialisiert hat, fallen praktisch alle Behandlungen unter die Definition „verschiebbar“. Wir haben daher noch am selben Tag reagiert und nehmen seit Freitag, 20. März, keine neuen Patienten mehr auf. Patienten, die zu diesem Zeitpunkt bereits stationär aufgenommen waren, werden seit diesem Zeitpunkt sukzessive nach medizinischer Möglichkeit entlassen. Dies versetzt uns in die Möglichkeit, bei Bedarf von jetzt auf gleich parat zu stehen, um bei der Bewältigung der Krise mitzuhelfen – in welcher Form auch immer.

Die Klinik behandelt als privates Krankenhaus vorwiegend mit den Möglichkeiten der Chinesischen Medizin und biologischen Heilverfahren. Gibt es bei Ihnen überhaupt eine Ausstattung für Intensiv-Patienten oder zumindest Beatmungstechnik?

Kling: Die Schwerpunkte der Indikationen in unserem Haus liegen im Bereich der chronischen Erkrankungen – hauptsächlich bei chronischen Entzündungserkrankungen, Schmerzerkrankungen, insbesondere aber im Bereich neurologischer und psychosomatischer Krankheitsbilder. Die Patienten kommen in der Regel in einem Krankheitsstadium zu uns, die keine intensivmedizinische Interventionen erfordern – falls doch, arbeiten wir hier eng mit den umliegenden Krankenhäusern zusammen. Aus diesem Grund gibt es in unserem Haus keine klassischen Intensivbetten und auch keine Beatmungsgeräte. Seit vergangener Woche stehen wir in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt Schweinfurt. In mehreren Gesprächsrunden haben wir miteinander erörtert, welche Patienten unter welchen Voraussetzungen in der Klinik am Steigerwald aufgenommen werden können. 

Wer könnte denn bei Ihnen aufgenommen werden?

Aufgrund der fehlenden intensivmedizinischen Ausrüstung können bei uns Patienten aufgenommen werden, die zwar im Krankenhaus behandelt werden müssen, aber nicht intensivpflichtig sind. Auch eine Aufnahme von Patienten ist denkbar, die bereits eine intensivmedizinische Behandlung hinter sich haben, aber noch nicht nach Hause entlassen werden können. Eine weitere mögliche Unterstützung liegt darin, andere – also keine COVID-19-Patienten - zu behandeln. Andere Erkrankungen machen ja keine Pause. Es ist also ebenfalls denkbar, dass die Klinik am Steigerwald in der Form hilft, um andere Krankenhäuser an dieser Stelle zu entlasten.

Ist die Klinik am Steigerwald gut auf die Situation vorbereitet?

Neben den Kontakten mit dem Gesundheitsamt Schweinfurt haben in den letzten zehn Tagen zahlreiche Gesprächsrunden hausintern mit allen Abteilungen und Fachrichtungen unseres Hauses stattgefunden. Darin haben wir die interne Organisationsstruktur an die zu erwartenden Bedürfnisse angepasst. Es wurden alle nötigen und möglichen räumlichen Voraussetzungen geschaffen, um vorbereitet zu sein. Wir haben unsere Mitarbeiter aus den relevanten Abteilungen Pflege, Ärzteteam, sowie Hauswirtschaft und Reinigungsteam bereits extern schulen lassen. Kurz gesagt: Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten. Wir haben alles in unserer Macht stehende getan, um im Falle eines Falles den bestmöglichen Job machen zu können.

Wenn Sie jetzt in der Klinik Betten freihalten müssen, fehlen dafür dann aber die Einnahmen...

Ein großer Wermutstropfen ist die bislang fehlende Finanzierung unseres Hauses. Einerseits können wir seit der Allgemeinverfügung keine weiteren Erlöse generieren, andererseits müssen wir unsere komplette Kapazität und personelle Infrastruktur aufrecht halten. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung im Krankenhausfinanzierungsgesetz geregelt, wie die Refinanzierung vonstatten geht. Leider wurden in dieser Maßnahme zur Krankenhausfinanzierung auf Bundesebene die Krankenhäuser mit Konzession nach Gewerbeordnung nicht berücksichtigt. Das heißt, die Finanzierung und damit der Fortbestand der Klinik am Steigerwald steht aktuell in den Sternen. Wir sind allerdings guten Mutes - und vertrauen dabei auf die Bayerische Staatsregierung, die hier sicher eine gute Lösung finden wird.

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