Bergrheinfeld

Linke: „Suedlink“ dient nur dem Profit

In Grafenrheinfeld soll die geplante Gleichstromtrasse „Suedlink“ an das vorhandene Netz angedockt werden. Der Thüringer Linken-Abgeordnete Ralph Lenkert hält den Bau aber für unnötig – technisch wie wirtschaftlich.
Foto: Josef Schäfer | In Grafenrheinfeld soll die geplante Gleichstromtrasse „Suedlink“ an das vorhandene Netz angedockt werden.

Bringt man die Haltung des Bundestagsabgeordneten Ralph Lenkert (Linke) auf den Punkt, dann wird die geplante Stromverbindung „Suedlink“, die von Norddeutschland nach Grafenrheinfeld führen soll, nur auf das Profitinteresse von Unternehmen gebaut. Sprich des Netzbetreibers Tennet. Technisch, so Lenkert, sei die Trasse – ebenso wie viele andere auch – unnötig. Die Kapazitäten in Deutschland seien ausreichend.

Der 51-Jährige aus Jena sitzt seit 2009 im Bundestag und kämpft seit Jahren vor allem gegen die Trassen „Suedlink“ und „Suedostlink“, die unter anderem durch Thüringen nach Bayern führen. Der studierte Maschinenbautechniker präsentierte in Bergrheinfeld eine Vielzahl an Diagrammen und Schaubildern, die seine Argumente unterfüttern sollten, weswegen man derlei Stromautobahnen nicht brauche. Überzeugungsarbeit musste er bei den etwa 30 Gästen nicht leisten und traf auch nicht auf fundamentalen Widerspruch. Die überwiegende Mehrzahl gehörte den regionalen Gruppen und Initiativen an, die sich gegen den „Suedlink“ wenden.

Nord-Süd-Transport unnötig

Lenkert wehrte sich gegen die These, dass die Energiewende nur mit dem Bau zusätzlicher Stromtrassen – vor allem von Norden nach Süden – gelingen werde. Er rechnete vor, dass es bereits jetzt Transportkapazitäten von 23 Gigawatt gebe; heute würden etwa sechs Gigawatt benötigt. 2025, wenn die letzten deutschen Atomkraftwerke längst vom Netz sein werden, seien es 13 Gigawatt – stets gemessen in der Spitze. Zudem sei es gar nicht nötig, den Strom von der Küste ins südliche Binnenland zu bringen. Zahlen belegten laut Klenkert, dass es in Norddeutschland gar keinen Überschuss an Windenergie gebe. Vielmehr hätten dortige Kraftwerke, die zum Beispiel mit Kohle oder Gas betrieben würden, Direktverträge mit Kunden in den Süden. Und diese Vertragsbedingungen lösten Ausnahmegenehmigungen aus, dass diese Kraftwerke bei hohem Anteil von Ökostrom im Netz nicht heruntergefahren werden müssen, sondern stattdessen Wind- und Solaranlagen.

Biomasse soll Versorgung sichern

Auch die Versorgungssicherheit, so erläuterte Lenkert weiter, sei ohne die nationalen Stromtrassen gesichert. Um eine so genannte „Dunkelflaute“ über 28 Tage zu überbrücken, wenn Wind- und Solarstorm nicht lieferbar sind, setzt der Jenaer Abgeordnete unter anderem auf Biomasse. Die Anlagen würden derzeit immer kontinuierlich laufen. Lenkert plädiert dafür, sie als eine Art mittelbare Reservekraftwerke einzusetzen, um das dort entstehende Gas ins Gasnetz einzuspeichern, um Gaskraftwerke zu beliefern. Zudem setzt er auf Kraft-Wärme-Kopplung und mit Holz betriebene Reservekraftwerke.

Ralph Lenkert beschäftigte sich vor allem mit den wirtschaftlichen und politischen Hintergründen der „Suedlink“-Planung. Den Netzbetreibern werde neun Prozent Rendite bei Neuinvestitionen garantiert: „Das wird nicht gesagt.“ Darin sieht Lenkert eine hohe Motivation für Unternehmen, Stromtrassen herstellen zu wollen. Und weil der „Suedlink“-Bau gesetzlich vorgeschrieben ist, hat der Investor Anrecht auf Entschädigung, sollte das Projekt doch nicht verwirklicht werden. Das kritisiert Lenkert zwar, hält es aber für hinnehmbar, wenn der „Suedlink“-Bau scheitern sollte.

35 Euro zahlt jeder Verbraucher

Die Kosten des gesamten Stromnetzausbau beziffert Lenkert auf 33 Milliarden Euro. Finanziert von den Stromkunden via Netzentgelten, die die Elektrizitätsunternehmen auf die Kunden umlegen. Das mache pro Verbraucher 35 Euro aus, rechnete er vor. Die Linken, so Lenkert, forderten daher, dass auch Stromhändler, die die Energie an der Börse handeln, auch die Transportkosten bezahlten müssten. Denn sie seien derzeit außen vor. Große Unternehmen könnten somit billiger Strom erzeugen als kleinere, regionale Unternehmen. Letzteren nehme man den Standortvorteil, kaum Transportkosten zu haben, weil sie beim gehandelten Strompreis keine Rolle spielen. Vielmehr sprach sich Lenkert dafür aus, regionale Stromnetze miteinander zu verbinden. Erste technische Lösungen gebe es bereits.

Ein weiteres Ärgernis in Lenkerts Augen: Viele produzierende Großunternehmen, etwa aus der Autoindustrie, müssten deutlich weniger Netzentgelte zahlen als etwa mittelständische Firmen oder Handwerker.

Unterstützung für Bürgerinitiativen

Lenkert bestärkte die Bürgerinitiativen, sich weiter gegen den „Suedlink“-Bau zu engagieren. Er taxierte die Chance, das Projekt zu verhindern auf 40 Prozent. Aber je mehr Zeit ins Land gehe, umso mehr würden sich diese Zahl erhöhen. Letztlich müsse es ein politisches Ziel sein, Mehrheiten im Bundestag zu finden, den „Suedlink“ aus dem Netzentwicklungsplan herauszunehmen. Jener müsse nämlich vom Gesetzgeber alle vier Jahre neu beschlossen werden.

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