Schweinfurt

Raum Schweinfurt bleibt Corona-Hotspot: Was nun?

In Stadt und Landkreis Schweinfurt liegen die Inzidenzwerte nun bei 112. Oberbürgermeister Remelé, Landrat Töpper und Gesundheitsamt versuchen, die Lage einzuordnen.
Oberbürgermeister Sebastian Remelé in einem Gespräch auf dem Schweinfurter Marktplatz.
Foto: Martina Müller | Oberbürgermeister Sebastian Remelé in einem Gespräch auf dem Schweinfurter Marktplatz.

Das tägliche Zahlenspiel geht weiter. Wie das Robert Koch-Institut am Mittwochmorgen mitteilte, sind die Zahlen der Corona-Neuinfektionen im Raum Schweinfurt weiter gestiegen. Die Region bleibt damit Spitzenreiter in Unterfranken. Demnach liegt der Inzidenz-Wert, also die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100 000 Einwohner, in der Stadt Schweinfurt bei 112,3, im Landkreis bei 112,6.

Damit haben sich im Vergleich zum Vortag weitere 34 Personen (Landkreis 25, Stadt 9) mit dem Coronavirus infiziert. Trotz verschärfter Hygienemaßnahmen scheint die Entwicklung derzeit nicht zu stoppen. Hinzu kommt, dass die Anker-Einrichtung in Geldersheim wegen eines Corona-Falles erneut unter Quarantäne steht. Wie geht es nun weiter in der Region?

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"Die Situation im Landkreis Schweinfurt ist weiter angespannt, was ein Blick auf das Infektionsgeschehen zeigt", sagt Landrat Florian Töpper auf Nachfrage der Redaktion. Als im Landkreis am 13. Oktober erstmals der Signalwert von 50 überschritten worden war, habe das Landratsamt in Abstimmung mit der bayerischen Staatsregierung umgehend verschärfte Corona-Maßnahmen veranlasst. Diese sollten dazu beitragen, die Zahl der Neuinfektionen möglichst schnell wieder zu senken, erklärt Töpper.

Nun komme es darauf an, "dass wir als Bürger die Lage ernst nehmen und Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen oder Maskenpflicht nicht als Gängelung der Regierung empfinden, sondern als sinnvolle Mittel betrachten, die einer drohenden exponentiellen Ausbreitung des Corona-Virus entgegengestellt werden können".

Wie konnte es zu dem Anstieg kommen?

Wie genau es zur schnellen Ausbreitung kommen konnte, vermag derzeit niemand beantworten zu können. "Das Infektionsgeschehen ist diffus. Anders als zu Beginn der Pandemie im März, lässt sich das Virus nicht mehr so leicht eingrenzen", sagt Töpper. Anfangs sei Corona häufig in Senioren- und Pflegeheimen festgestellt worden, heute gebe es keine eindeutigen Infektionsherde mehr, "sondern ganz verschiedene Quellen". Das liege auch an der gestiegenen Zahl der Tests, die jetzt einer breiten Bevölkerung ermöglicht würden.

Landrat Florian Töpper.
Foto: Anand Anders | Landrat Florian Töpper.

"Wir prüfen tagesaktuell, ob die geltenden Maßnahmen ausreichen oder an eine veränderte Situation angepasst werden müssen", versichert der Landrat. Man stehe im Austausch mit der Regierung von Unterfranken, um gegebenenfalls über notwendige Maßnahmen zu entscheiden. Ziel der strengen Regelungen sei es, einen Lockdown zu vermeiden. Dafür essentiell: "die konsequente Einhaltung der bekannten AHA-Regeln: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske", so Töpper.

Nachverfolgung: Hohe Belastung für Gesundheitsamt

Auf die Frage, ob das Gesundheitsamt mit der Kontaktnachverfolgung überfordert sei, antwortet Töpper: "Die zuständigen Stellen sind natürlich nicht überfordert, sondern überlastet." Ein positiv Getesteter ergebe bis zu 40 Kontaktpersonen der Kategorie 1. Dies mache den enormen Aufwand für das Gesundheitsamt deutlich. Die Kontaktpersonen müssten alle ermittelt und angerufen werden, um weitere Maßnahmen einleiten zu können. Das gelinge den Mitarbeitern "trotz des hohen Drucks und der hohen Arbeitsbelastung sehr gut".

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Kommissarischer Leiter des Gesundheitsamtes, Matthias Gerhrig.
Foto: Nicolas Bettinger | Kommissarischer Leiter des Gesundheitsamtes, Matthias Gerhrig.

Matthias Gehrig, kommissarischer Leiter des Gesundheitsamtes, erklärt, dass sich die Fallzahlen über das gesamte Gebiet von Stadt und Landkreis Schweinfurt verteilten. Auch wenn die Sieben-Tage-Inzidenzen den Signalwert von 50 weit überschritten haben, seien in den einzelnen Gemeinden "keine geballten Coronafälle festzustellen", so Gehrig. Derzeit befänden sich Klassen aus insgesamt acht Schulen in Quarantäne. Zusätzlich seien zwei Krippegruppen und eine Regelgruppe eines Kindergartens betroffen.

Gesundheitsamt schließt Ufra als Ausbruchsherd aus

Auf der Suche nach einem Auslöser der steigenden Fallzahlen im Raum Schweinfurt kommt immer wieder die Frage nach der Verbauchermesse "Ufra" auf. "Die Frage, warum die Ufra als mitverantwortliche Ursache ausgeschlossen werden kann, ist damit zu beantworten, dass kein einziger Infizierter aus Stadt oder Landkreis Schweinfurt die Ufra besucht hat und sich daher auch dort nicht angesteckt haben kann", erklärt Gehrig. Eine Kontaktverfolgung für UFRA-Besucher würde das Gesundheitsamt Schweinfurt nur dann durchführen, wenn ein Infizierter aus Stadt oder Landkreis Schweinfurt die Messe besucht hätte.

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Auch Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé schließt die Ufra als Infektionsherd aus. "Ich konnte mich dort mehrfach selbst vom sehr ausgefeilten Hygienekonzept überzeugen." Darüberhinaus seien die ohnehin begrenzt ermöglichten Besucherzahlen deutlich unterschritten worden. Er empfiehlt der Bevölkerung nun, Ruhe zu bewahren und sich an die "simplen und wenigen Regeln" zu halten. 

OB rechnet mit "Wellenbewegungen durch den Winter"

Was den Verlauf der Zahlen angeht, rechne Remelé mit "Wellenbewegungen durch den Winter". Er sei zuversichtlich, dass man die Zahl der Neuinfektionen bald wieder in den Griff bekomme. Schließlich sei dies in Schweinfurt in den vergangenen Monaten über einen längeren Zeitraum gut gelungen. Nun machten aber meist private Zusammenkünfte das Hauptproblem aus. "Da müssen wir uns disziplinieren und die sozialen Kontakte auf ein Minimum reduzieren, da nehme ich mich nicht aus", so der Oberbürgermeister. Solange die Zahlen aber nicht "explodieren", würden zunächst keine weiteren Verschärfungen der Maßnahmen ergriffen werden.

"Dass die Nervenkostüme derzeit nicht robuster werden, kann ich gut nachvollziehen."
Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé

Er nehme nun vermehrt Beschwerden der Menschen wahr und habe dafür auch Verständnis. "Dass die Nervenkostüme derzeit nicht robuster werden, kann ich gut nachvollziehen", so Remelé. Die "Gereiztheit der Bevölkerung" habe zwei Ursprünge. Den einen gingen die Schutzmaßnahmen nicht weit genug, andere hielten diese für überzogen. Um die Situation dennoch aushalten zu können, rät er den Menschen, "weiter raus zu gehen, weiterhin in die Natur zu gehen". Unnötige Zusammenkünfte sollten dabei aber vermieden werden.

Wie steht es um die medizinische Versorgung in Schweinfurt?

Was die medizinische Versorgung angeht, habe man die Lage im Griff, versichert Remelé. Dies bestätigt auch Jürgen Winter, Geschäftsführer des Leopoldinakrankenhauses. Derzeit habe man eine niedrige zweistellige Zahl an Patienten mit Covid-19, keiner müsse ans Beatmunsgerät. Dies liege vor allem daran, dass überwiegend Menschen im Alter zwischen 19 und 50 Jahren betroffen seien. Demnach herrsche Normalbetrieb, extra Betten wie im März halte man aktuell nicht frei, so Winter.

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Ähnliches gilt für das Krankenhaus St. Josef, wo (Stand 20. Oktober) sechs Patienten mit einem Corona-Befund behandelt werden. Zwar habe man dort eine Isolierstation eingerichtet, die Lage sei jedoch "noch immer ruhig", erklärte Miriam Christof, Sprecherin der Kongregation der Schwestern des Erlösers, Träger des Josefskrankenhauses. Man habe die Situation im Griff, auch die Beatmunskapazitäten seien gewährleistet. Auf Quarantäne-Fälle sei man ohnehin, etwa durch bekannte Influenza-Fälle, gut vorbereitet.

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