Grafenrheinfeld

Schon 2005 kam AKW-Müll auf die Deponie Rothmühle

Es gibt eine Kontroverse darüber, dass Schutt und Müll aus dem Rückbau des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld auf der Kreismülldeponie landen. Das Procedere reicht weit zurück.
Für Kontroversen sorgt der Umstand, dass Abfall aus dem AKW Grafenrheinfeld auf der Kreisdeponie Rothmühle landet. Die erste Lieferung kam schon 2005.
Foto: Gerd Landgraf | Für Kontroversen sorgt der Umstand, dass Abfall aus dem AKW Grafenrheinfeld auf der Kreisdeponie Rothmühle landet. Die erste Lieferung kam schon 2005.

So genannter "frei gemessener" Abfall aus dem Rückbau des Atomkraftwerks (AKW) Grafenrheinfeld wird auf der Kreismülldeponie Rothmühle bei Geldersheim eingelagert. Das hat für Diskussionen gesorgt. "Frei gemessen" bedeutet: Das Material stand in Kontakt mit radioaktiven Stoffen. Letztere werden mechanisch entfernt, bis der Abfall einen Strahlungswert von zehn Mikrosievert oder weniger aufweist. Dann wird er behandelt wie üblicher Bauschutt oder Hausmüll. Gerade dieses Konzept stößt bei Atomkraftkritikern auf Ablehnung.

Der Landkreis hat stets darauf hingewiesen, dass er zur Annahme des Mülls gesetzlich verpflichtet sei. Doch schon lange bevor überhaupt der Rückbau des 2015 abgeschalteten AKW ins Auge gefasst worden ist, ist so genannter "spezifisch freigegebener" Abfall (das ist die behördliche Formulierung für Müll, der deponiert werden muss) auf der Rothmühle eingelagert worden: 2,3 Tonnen im Jahr 2005, wie das Landratsamt auf Anfrage dieser Redaktion mitteilt. Es habe sich um Mineralfaserabfälle gehandelt, die "nach Vorgaben der entsprechenden Rechtslage" entsorgt worden seien.

Amt: Kein Müll aus anderen Standorten

Zuerst hatte das atomkritische Magazin "Ausgestrahlt" über Einlagerungen auf der Rothmühle berichtet. Es berief sich auf eine Tabelle des Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), wonach zwischen 2011 und 2016 "frei gemessene" Materialien "aus bayerischen AKW, überwiegend vom AKW Grafenrheinfeld" dorthin transportiert worden seien. Der BBU berief sich auf ein Schreiben des bayerischen Umweltministeriums. Der Darstellung widerspricht das Landratsamt: Die eingelagerte Menge aus dem Jahr 2005 stammte demnach ausschließlich aus Grafenrheinfeld. Darüber hinaus seien im besagten Zeitraum keine weiteren "spezifisch freigegebenen" Abfälle eingelagert worden, auch nicht von anderen bayerischen Kraftwerken.

Auf der Rothmühle lagern 22 Tonnen

Im Sommer 2020 ist bekannt geworden, dass auch 2018 mehr als drei Tonnen Bauschutt aus dem AKW auf der Rothmühle deponiert worden sind, was eine heftige Debatte zwischen dem Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft und Landrat Florian Töpper (SPD) ausgelöst hat. Inzwischen befinden sich auf der Deponie 22,7 Tonnen Müll aus dem AKW. Die jüngste Anlieferung stammt dem Landratsamt zufolge vom 24. Februar. Es teilte auf Anfrage der Redaktion mit, dass man die Lieferungen nicht spezifisch auf Strahlung untersuche; eine Begehung des Ablagerungsorts am 10. Februar mit Messgeräten habe keine Auffälligkeiten gezeigt.

Brennbarer und "frei gemessener" Müll aus dem AKW soll auch im Schweinfurter Müllheizkraftwerk GKS entsorgt werden. Bis zum Jahr 2032 erwartet der Betreiber etwa 500 Tonnen. Bislang hat es laut einem GKS-Sprecher noch keine Anlieferungen gegeben. Wann die erste erfolgen soll, stehe noch nicht fest. Bis zum Jahreswechsel waren die Abfälle in Schwandorf verbrannt worden. Der dortige Zweckverband nimmt aber keinen Müll mehr aus dem AKW Grafenrheinfeld an. 

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