Schweinfurt

Schweinfurts freie Kultur macht sich Sorgen um die Zukunft

Nachdem die städtische Kulturkonferenz abgesagt wurde, veranstaltete die SPD nun eine online. Welche Forderungen erhoben wurden und wie man die Corona-Pandemie nutzen möchte.
Den Nagel auf den Kopf getroffen hat das Kino KuK mit diesem Hinweis, warum man im November wegen des deutschlandweiten Lockdowns keine Filme zeigen darf.
Foto: Oliver Schikora | Den Nagel auf den Kopf getroffen hat das Kino KuK mit diesem Hinweis, warum man im November wegen des deutschlandweiten Lockdowns keine Filme zeigen darf.

Es ist vielleicht eine Schallplatte, die einen Hänger zu haben scheint: Der Kultur geht es in der Corona-Pandemie besonders schlecht. Den Veranstaltern, den Künstlern, den Technikern. Gerade jetzt im November, inmitten des zweiten Lockdowns in Deutschland in diesem Jahr, hat in der Kunst- und Kulturszene niemand das Gefühl, dass es sich um einen "Lockdown light" handelt, wie das euphemistisch formuliert wurde, da die Schulen und Kindergärten weiterhin geöffnet sind und die meisten Geschäfte.

Kulturamtsleiter Christian Federolf-Kreppel hatte ursprünglich für Ende Oktober eine Kulturkonferenz angesetzt. Da die Inzidenz in Schweinfurt zu dem Zeitpunkt über 200 war, wurde die Konferenz ins nächste Jahr verschoben. Die Schweinfurter Sozialdemokraten sahen dennoch Redebedarf und beriefen eine online abgehaltene Kulturkonferenz ein.

An der nahmen zwar keine Vertreter der Stadt und nur eine der großen städtischen Institutionen teil, dennoch war es ein fruchtbarer Austausch, den SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Hofmann initiiert hatte. Im Kern ging es um die Frage, wie man die Corona-Pandemie nutzen könnte, um die alten ritualisierten Debatten im Stadtrat über die Finanzierung der freien Kulturträger der Stadt zukunftsgerichtet zu führen.

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"Wir brauchen einen Eisbrecher durch die Bedenkenträgerei", formulierte Ralf Hofmann und meinte damit, dass sich am Status Quo in den vergangenen gut 25 Jahren kaum etwas geändert habe. Die im aufwändig vor zwei Jahren erstellten Kulturprofil der Stadt geschilderten Sorgen der Kulturschaffenden gibt es nach wie vor, angegangen wurden sie nicht. Und auch, wenn man durchaus bei Projekten wohlwollend von Seiten der Stadt begrüßt werde, fehle es insgesamt an Nachhaltigkeit, konstatierte Ralf Hofmann.

Der Abrams Club war das ehemalige Offizierskasino der US-Armee. Er gehört der Stadt und steht leer. Wäre das Gebäude eine Möglichkeit, dort ein Kunst- und Kulturhaus mit Proberäumen einzurichten? Ein Vorschlag aus der SPD-Kulturkonferenz, der bisher aber noch nie diskutiert wurde.
Foto: Oliver Schikora | Der Abrams Club war das ehemalige Offizierskasino der US-Armee. Er gehört der Stadt und steht leer. Wäre das Gebäude eine Möglichkeit, dort ein Kunst- und Kulturhaus mit Proberäumen einzurichten?

Eine Sicht, die die Teilnehmer der Konferenz, darunter auch viele freie Künstler und Musiker, die sonst nicht bei der Kulturkonferenz sind, teilen. Herunterbrechen lässt es sich auf zwei Kernforderungen aus dem Kulturprofil: Die Stadt braucht eine Kulturamtsleitung, die sich nur darum kümmert, einen Ansprechpartner und Koordinator. Dass Theaterchef Christian Federolf-Kreppel sich als Kulturamtsleiter bemüht, gestand ihm jeder zu. Gleichwohl ist auch klar, dass eine Kulturamtsleitung alleine ein Vollzeitjob ist. Das zweite Thema sind Räumlichkeiten zum Proben vom Chor bis zur Band sowie Auftrittsmöglichkeiten.

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Gerade beim Thema Räume gab es interessante Ideen, die unter anderem der künstlerische Leiter der Dancefloor Destruction Crew, Marcel Geißler, einbrachte. Er könnte sich auf einem leeren Grundstück eine Art künstlerisches Container-Dorf vorstellen, wo jedem, der möchte, die Chance gegeben wird, sich zu verwirklichen und man als Band auch proben könnte, ohne jemanden zu stören. In Coburg wurde zum Beispiel auf einer Konversionsfläche ein leer stehendes Gebäude für Kunst und Kultur zur Verfügung gestellt.

"Wir brauchen einen Eisbrecher durch die Bedenkenträgerei."
SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Hofmann fordert, dass der Stellenwert der freien Kulturträger höher bewertet werden muss.

Die DDC-Factory, in einer früheren Turnhalle der US-Armee im Kessler Field, ist ein von den Teilnehmern viel gelobtes Beispiel, wie sich Künstler aller möglichen Genres entfalten können. Sie ist aber privatwirtschaftlich orientiert, kann das eigentlich Geforderte für Schweinfurt nicht leisten. Marcel Geißler freute sich über das Lob, verwies aber auch darauf, wie wichtig die Gespräche mit der Stadt und das Konzept der DDC, die mit ihren Shows weltweit Beachtung findet, waren. Es sei auch immer wichtig, Profis mit Nachwuchs-Künstlern zusammenkommen zu lassen und zuzulassen, dass man sich kennen lernt und respektiert, damit sich Neues entfalten kann.

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Beim Thema "Kulturgebäude" gab es interessante Vorschläge, nachdem sich das geplante Kulturforum mit Stadtmuseum am Martin-Luther-Platz in eine andere Richtung entwickelt. Den von der US-Armee als Offizierskasino genutzten Abrams-Club an der Niederwerrner Straße, die alte Military-Police-Station gegenüber den Stadtwerken, frühere Mannschaftsgebäude in der Ledward Kaserne oder das alte Zollamt wären vorstellbare, aber bisher noch nie dafür diskutierte Varianten.

Natürlich war auch die Finanzierung der freien Kulturträger in der Stadt ein Thema, bei dem Ralf Hofmann betonte, es gehe nicht darum, das Theater oder die Museen gegen die freien Kulturträger auszuspielen, "alle haben ihren eigenen Stellenwert". Durch die Vorgabe, 20 Prozent der Ausgaben im städtischen Haushalt wo möglich zu kürzen, sank die Fördersumme für die freie Kultur von 134 400 Euro im Jahr 2019 auf 112 300 für das Jahr 2021, was 1,6 Prozent des gesamten Kulturhaushaltes entspricht. Erheblich gekürzt wurden auch die Ansätze für die städtischen Häuser.

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