Sömmersdorf

Sömmersdorfer Passionsspiele sind nun Immaterielles Kulturerbe

Riesig war die Freude auch beim neuen Vereinsvorstand. Der Titel würdigt gelebte und generationenübergreifende Traditionspflege.
Stets gut besucht: Die Passionsspiele in Sömmersdorf.
Foto: Anand Anders | Stets gut besucht: Die Passionsspiele in Sömmersdorf.

Die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf sind jetzt Immaterielles Kulturerbe nach dem UNESCO-Übereinkommen. Der Freistaat Bayern nahm sie neu in seine Liste des Kulturerbes auf, gemeinsam mit zwölf weiteren bayerischen Bräuchen und Traditionen.

Eine Mail des bayerischen Heimat- und Finanzministers Albert Füracker erreichte den Verein mit der überraschenden Nachricht. Darin führt er zum einen die Tradition der Sömmersdorfer Passionsspiele an, die nach der ersten Aufführung im Heiligen Jahr 1933 seit den 1950er-Jahren alle fünf Jahre als Laienschauspiel mit professioneller Regie stattfinden.

Außerdem werden zwischen den Passionsspieljahren weitere Theaterstücke inszeniert. Dabei werde ein ungewöhnlich großer Teil der Bevölkerung mit einbezogen, schreibt Füracker. "Die Spielpraxis hat sich mittlerweile zu einer für alle Ortsbewohner offenen Kulturform entwickelt, in der über die Passionsgeschichte hinaus auch aktuelle gesellschaftliche Themen verhandelt werden."

Gutachten eines unabhängigen Expertengremiums

Grundlage der Entscheidung war laut Ministerium das Gutachten eines unabhängigen Expertengremiums, das alle in Bayern eingereichten Anträge auf Basis der Kriterien des UNESCO-Übereinkommens anhand einheitlicher Maßstäbe fachgerecht bewertet hat.

Wie der frühere Vereinsvorsitzende Robert König auf Nachfrage der Redaktion sagte, hatte der Vereinsvorstand im vergangenen Herbst eine Bewerbung geschrieben. "Das war ziemlich aufwändig." Als zwei nötige Unterstützer wurden der Würzburger Bischof Franz Jung und Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck gewonnen. "Dieser Titel ist natürlich für unsere Außendarstellung wertvoll", freut sich König.

Riesig war die Freude auch beim neuen Vereinsvorstand. "Ich konnte es erst nicht glauben und dachte an einen Aprilscherz", bekennt Norbert Mergenthal, einer der drei Vorsitzenden. "Es ist eine Anerkennung und Wertschätzung und macht uns auch ein kleines bisschen stolz." Der Sömmersdorfer sieht den Titel "Immaterielles Kulturerbe" auch als eine Verpflichtung, die Tradition der Passionsspiele zu erhalten und weiterzugeben. "Das Besondere bei uns ist, dass alle Generationen, vom Kleinkind bis zum Senior, beteiligt sind." Man achte darauf, dass bei den Kindern und Jugendlichen schon früh "etwas eingepflanzt wird, dass wir sie im Herzen erreichen".

Die feierliche Übergabe der Aufnahmeurkunde wird im Rahmen eines Festaktes zu späterer Zeit erfolgen, so Minister Füracker.

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