Üchtelhausen

Verliert Üchtelhausen seinen Charakter?

Nahversorger, Ärztehaus und Wertstoffhof – Üchtelhausen soll all das mit dem geplanten Gewerbegebiet "Zeller Berg" bekommen. Nicht jedem Einwohner schmeckt das.

Gisbert Niklaus nutzte die Diskussionsrunde der Bürgerversammlung im Pfarrheim in Üchtelhausen, um seinem Unmut Luft zu verschaffen. Der Wertstoffhof sei unsinnig und es bestehe dafür kein Bedarf, behauptete der Bürger. Die angedachte altersgerechte Wohnform hält er zudem "außerhalb vom Dorf für vollkommenen Unsinn". Niklaus meinte drastisch: "Üchtelhausen hat einen Charakter – und zwar einen guten. Jetzt wollen wir uns die Stadt hier oben hinstellen, mit einer Müllkippe vornedran."

Bürgermeister Johannes Grebner widersprach den Ausführungen bestimmt. Den Wertstoffhof, der vom Landkreis betrieben werden würde, hält er für einen "absoluten Zugewinn" für alle Einwohner der Gemeinde. Den Standort des Gewerbegebiets verteidigt Grebner, auch wenn er zugibt, dass die Lage einen Kompromiss darstellt. "Aber ein tragbarer – für alle Gemeindeteile." Ein Seniorenheim mitten im Ort "wäre natürlich schön", sagt der Bürgermeister, weist aber auf die fehlende Infrastruktur im Ortskern hin.

Am "Zeller Berg" könnten die Senioren und Seniorinnen ihre Besorgungen, die sie noch selbstständig erledigen können, erledigen und hätten außerdem barrierefreien Zugang zum öffentlichen Nahverkehr. Grebner weiter: "Es geht nicht darum aus Üchtelhausen eine Stadt zu machen. Es geht darum, uns weiter zu entwickeln und unseren täglichen Bedarf zu decken." Dafür erhielt er große Zustimmung im Saal.

"Um attraktiv zu sein, muss man sich entwickeln."
Norbert Nicklaus, Bürger Üchtelhausens

Marlies Reibel wollte vom Bürgermeister wissen, ob der angedachte Betreiber für einen Nahversorger noch Interesse habe, nach der Veränderungen in der Straßenplanung. Eine Entscheidung wurde eigentlich für den April erwartet. Grebner erklärte, dass die Verhandlungen immer noch laufen. "Es geht aber nicht darum, dass er abspringt. Ganz im Gegenteil." Der Betreiber des Nahversorgers möchte womöglich sogar das Grundstück erwerben. Das würde das Risiko, dass in einigen Jahren, wenn Pachtverträge auslaufen, eine Bauruine droht, verhindern, erklärt Grebner.

Bürger Norbert Nicklaus verteidigte die Pläne am "Zeller Berg" und verwies darauf, dass für die Entwicklungsschritte im Jahr 2017 "in endlosen Abenden gemeinsam ein Gemeindeentwicklungskonzept gemacht wurde" und, dass eine Mehrheit auch dafür war, "dass sich da oben was entwickelt". Er moniert, dass Üchtelhausen eine Gemeinde sei, die seit Jahrzehnten stehen bleibt. "Um attraktiv zu sein, muss man sich entwickeln." Die anderen Gemeinden würden es vorleben. "Es muss nicht immer alles zerredet werden. Lasst es uns anpacken!", so der Appell des Bürgers, für den er eine breite Zustimmung erhielt.

Zur Sprache kam auch das "Dauerthema" Radweg zwischen Üchtelhausen und Schweinfurt. Heinrich Neugebauer, der das Thema schon viele Jahrzehnte mitverfolgt, wirft ein, dass bei einem Bau eines Radweg durch das Höllental kein einziger Baum gefällt werden müsste, entlang der Kreisstraße könnten es dagegen hunderte sein, die beseitigt werden müssten beim Bau eines Radweges. "Es ist ein leidiges Thema, deswegen nehme ich mich diesem auch immer wieder an", sagte Bürgermeister Grebner in seiner Reaktion auf einen Radweg nach Schweinfurt. Von der Stadt Schweinfurt wurde ihm ein Vororttermin dazu in Aussicht gestellt. Stattgefunden hat dieser indes noch nicht.

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