Gerolzhofen

Vogts Glosse: vom Lebensmittel-Tourismus

Während wegen des Coronavirus viele Grenzen geschlossen sind und die Menschen nicht zum Badeurlaub im warmen Süden dürfen, läuft ein anderer Tourismus ungehindert weiter.
Klaus Vogt.
Foto: Anne Bauerfeld | Klaus Vogt.

In früheren Jahren, als die verseuchte chinesische Fledermaus-Suppe noch nicht die ganze Welt stillgelegt hatte, haben spätestens jetzt viele Menschen in den bunten Katalogen der Reiseveranstalter geblättert, um sich über die schönsten Urlaubsziele für die schönste Zeit des Jahres zu informieren. Heuer aber werden die Traumstrände in fernen Ländern wohl nur Träumereien bleiben, denn so gut wie alle Passagierflugzeuge bleiben am Boden und unser Außenminister-Darsteller im Auswärtigen Amt in Berlin hat die Reisewarnungen für das Ausland um weitere Wochen verlängert.

Wenn man heuer schon keinen Urlaubskatalog zur Hand hat, lohnt sich wenigstens ein Blick in den neuen Werbeprospekt des Discounters Aldi Süd. Wer dort durch das Lebensmittelangebot mit den Herkunftsländern von Fleisch, Obst und Gemüse blättert, denn muss unweigerlich das Fernweh ergreifen. Die Grillsteaks kommen beispielsweise aus Uruguay, die Pfirsiche aus Spanien und Italien, die Nektarinen aus Spanien, die „Mini-Romarispentomaten“ (was ist das?) stammen aus Belgien und den Niederlanden.

Bio-Karotten haben die Reise aus den Niederlanden, aus Spanien, Portugal oder Israel hinter sich. Die losen Sonnentomaten wurden in Tunesien rot, während die Datteltomaten aus Tunesien, Marokko, Belgien und Holland angeliefert werden. Avocados kommen aus Spanien, Marokko, Israel, Peru, Chile, Kolumbien, Mexiko, aus der Dominikanischen Republik, aus Kenia, Südafrika, Simbabwe, Tansania oder Brasilien. Kleine „Junior-Bananen“ wurden in Kolumbien oder in der Dominikanischen Republik geerntet.

Die Heidelbeeren sind aus Marokko, Portugal und Spanien gebürtig und die Schlangengurken wurden in Österreich (!) und den Niederlanden großgezogen. Einzig die kleinen Radieschen, die kommen aus Deutschland. Immerhin.

Wer von den Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts angesichts dieses globalen Fleisch-, Obst- und Gemüse-Tourismus die Hoffnung jetzt doch noch nicht ganz aufgegeben hat, in diesem Sommer an irgendeinem Gewässer sich öffentlich im Bikini zu zeigen, denen empfiehlt Aldi auf der vorletzten Seite seines Prospekts zum Aktionspreis eine Packung mit „Bandes de cire froide“, sprich Kaltwachs-Streifen.

Da fällt mir nur noch eines ein: Autsch.

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