Gerolzhofen

Welchen Nutzen hat eine "Coworking Space" für Gerolzhofen?

Eine "Coworking Space" oder doch lieber ein Gründerhaus? Oder beides zusammen? Der Stadtrat war sich nicht im Klaren darüber, was die Vorteile sind. Man vertagte sich.
In Deutschland gibt es inzwischen hunderte Coworking Spaces. Im Bild Michael Stingl und Felix Böhm, Gründer der Coworking Space Nürnberg. Dort mieten sich Freiberufler und Selbstständige in Gemeinschaftsbüros ein.
Foto: Daniel Karmann | In Deutschland gibt es inzwischen hunderte Coworking Spaces. Im Bild Michael Stingl und Felix Böhm, Gründer der Coworking Space Nürnberg. Dort mieten sich Freiberufler und Selbstständige in Gemeinschaftsbüros ein.

In der jüngsten Sitzung des Stadtrats sollte Bürgermeister Thorsten Wozniak per Beschluss ermächtigt werden, im Namen der Stadt bei der Regierung von Unterfranken einen Förderantrag für eine Machbarkeitsstudie "Coworking in Gerolzhofen" zu stellen. Und in nichtöffentlicher Sitzung sollte dann schon die Vergabe des Gutachtens an ein externes Fachbüro erfolgen. Dazu kam es allerdings nicht.

Stadtteilmanager Daniel Hausmann stellte zunächst einmal das grundsätzliche Konzept einer "Coworking Space" vor. Hinter diesem hip klingenden Namen verbirgt sich nichts anderes als ein Raum oder ein Gebäude, in dem mehrere Personen (aus unterschiedlichen Firmen) gemeinsam arbeiten und sich dabei die vorhandene Büro-Infrastruktur teilen. Dabei sollen, so kann man es im Internet nachlesen, alle Parteien in diesem "kollaborativen" Umfeld die gemeinsamen Grundwerte von Coworking teilen: Gemeinschaft, Zusammenarbeit, Nachhaltigkeit und Zugänglichkeit sowie Offenheit.

Eine "Coworking Space" sei so etwas wie ein Korallenriff, wo die unterschiedlichsten Nutzer voneinander profitieren, sagte Hausmann. Gedacht sei es beispielsweise für Firmengründer, die mit ihren Ideen ihre Garage oder ihren Keller verlassen wollen, aber auch für Berufspendler, die hier ein komplett eingerichtetes Büro vorfinden und somit nicht zwingend in die Firma fahren müssen. Bevor man in die konkrete Planung einsteigt, soll eine Studie erst das vorhandene Potenzial ermitteln – und zwar durch eine allgemeine Umfrage und die Befragung örtlicher Unternehmen und Experten.

"Neue Keimzelle für Unternehmen"

Für die CSU-Fraktion sagte deren Vorsitzender Arnulf Koch, man wünsche sich schon "seit Ewigkeiten", spätestens seit dem damaligen Wahlprogramm des CSU-Bürgermeisterkandidaten Wozniak im Jahr 2012, ein Gründerhaus für Gerolzhofen. Ziel dieser Einrichtung soll es sein, als "neue Keimzelle für Unternehmen" dann auch neue Arbeitsplätze für Gerolzhofen zu schaffen. Die Zielrichtung des jetzt geplanten Potenzial-Gutachtens für eine Coworking-Space gehe aber offenbar leider in eine andere Richtung, bedauerte Koch.

Eine Coworking-Space, wo Menschen quasi wie in einem Homeoffice an ein paar Tagen in der Woche arbeiten können, statt nach Würzburg oder in den Großraum Nürnberg pendeln zu müssen (ein so genannter "Pendler-Hafen"), habe keinerlei Wachstumsperspektive. "Das hat mit einer langfristigen Ansiedlungspolitik nichts tun", kritisierte Koch. "Wir können nicht mit Geld der Stadt etwas schaffen, von dem dann nur Firmen aus Nürnberg oder Würzburg etwas haben."

"Stadt geht ins Risiko"

Koch kritisierte auch die ins Auge gefasste Taktik beim weiteren Vorgehen. Denn wie Daniel Hausmann erklärte, wolle man erst von externen Experten den möglichen Bedarf für eine Coworking-Space oder ein Gründerhaus eruieren lassen, ehe man sich Gedanken über eine Umsetzung mache. Dies habe, so der CSU-Fraktionsvorsitzende, in den Workshops  des Stadtrats und beim Wirtschaftsarbeitskreis noch ganz anders geklungen. Da sei man der Meinung gewesen, "dass die Stadt ins Risiko geht". Denn das Angebot schaffe erst die Nachfrage.

Iff fordert "Phase Null"

Unterstützung fand Arnulf Koch bei Günter Iff (Freie Wähler) und Erich Servatius (SPD). Man habe in den Workshops in der Tat etwas anderes erarbeitet, sagte Iff. Um die Potenzialanalyse "in die richtige Richtung zu bringen", sei es wichtig, erst in einer "Phase Null" deren Ziele klar festzulegen. Dabei sei es ratsam, auch die Lenkungsgruppe "Soziale Stadt" und die Steuerungsgruppe einzubinden. Auch zweiter Bürgermeister Servatius betonte, man sollte, bevor die Potenzialanalyse in Auftrag gegeben wird, "erst deren Ziele genau festlegen". 

Bürgermeister Thorsten Wozniak hingegen warb für die "Coworking Space". So eine Einrichtung sei wichtig für den Wirtschaftsstandort Gerolzhofen und attraktiv für Menschen in einer lebenswerten Kleinstadt. Man sollte nicht "zu vorgefertigt in die Analyse reingehen" und nicht bestimmte Möglichkeiten von vorneherein ausschließen. Es sei doch besser, erst einmal grundsätzlich zu recherchieren, was überhaupt möglich ist, als nur ein reines Gründerhaus auf Biegen und Brechen durchzubringen.

Einstimmige Vertagung

Thomas Vizl (Geo-net) schlug vor, sich noch etwas mehr Zeit zu nehmen, "um eine breite Mehrheit im Stadtrat zu bekommen". Am Ende einer – laut Bürgermeister Wozniak – "lebhaften und befruchtenden Diskussion" stellte der Rathauschef dann selbst den Antrag auf Vertagung des Themas. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

Inzwischen hat am Mittwoch nochmals eine interne Besprechung stattgefunden, informierte Bürgermeister Wozniak auf Anfrage dieser Redaktion. Man wolle bei dem Thema noch einmal "einen Schritt zurückgehen". Geplant ist nun, dass es im Juni bei einem Online-Workshop für den Stadtrat erst noch einen Impulsvortrag eines Experten zum Thema Coworking geben soll, ehe das Thema dann nochmals in eine Stadtratssitzung kommt. 

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