Schweinfurt

Zukunft für Schweinfurts Kultur: Wie die Theaterschließung überbrückt wird

Das Theater wird erst 2024 nach der Sanierung wieder geöffnet. Welche Chancen das für Disharmonie, KulturPackt und Co. bietet und wie man von Würzburg profitiert.
Hoffen auf baldige Öffnung und eine Perspektive: Der Lockdown seit 2. November setzt allen Kulturschaffenden in Schweinfurt zu, im Bild das Kino KuK.
Foto: Anand Anders | Hoffen auf baldige Öffnung und eine Perspektive: Der Lockdown seit 2. November setzt allen Kulturschaffenden in Schweinfurt zu, im Bild das Kino KuK.

Wird die freie Kultur und ihr Angebot in Schweinfurt von der städtischen Kulturverwaltung geschätzt? Wird es vermisst während des Corona-Lockdowns? Gibt es Angebote zur Hilfe?

Eine Frage der Perspektive, doch es gibt Anlass zu hoffen, dass die im vergangenen Jahr spürbar schlechter werdende Stimmung zwischen dem Kulturamt und den freien Kulturträgern wie Disharmonie, KulturPackt oder Stattbahnhof besser wird.

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Die Schweinfurter SPD hatte kürzlich zur zweiten Kulturkonferenz online aufgerufen, um sich auszutauschen und auch Wege für ein gemeinsames Miteinander zu finden. Denn diese Wege zu finden, ist gerade jetzt wichtig, da das Theater aus Gründen des Brandschutzes nach dem Ende des Lockdowns zunächst nicht geöffnet wird.

Ab 2022 soll das 1966 eröffnete Theater für 42 Millionen Euro generalsaniert werden, für die Saison 2024/25 ist die Wiedereröffnung geplant. Um den über 6000 Abonnenten und dem interessierten Publikum eine Alternative während der Schließung zu bieten, arbeitet Kulturamtsleiter Christian Federolf-Kreppel im Moment an einem Ersatzprogramm. Über erste Ideen dazu könnte in der Kulturausschusssitzung Mitte März berichtet werden.

Das Schweinfurter Theater wird aus Brandschutzgründen nach dem Lockdown nicht geöffnet. Es soll ab 2022 saniert werden, die Stadt plant ein Ersatzprogramm.
Foto: Josef Lamber | Das Schweinfurter Theater wird aus Brandschutzgründen nach dem Lockdown nicht geöffnet. Es soll ab 2022 saniert werden, die Stadt plant ein Ersatzprogramm.

Bei diesem Ersatzprogramm spielt laut Kulturamt natürlich die freie Kultur eine wichtige Rolle, vor allem Disharmonie, KulturPackt und die Dancefloor Destruction Crew. Dass es Treffen gab und diese auch konstruktiv verliefen, bestätigte sich bei der SPD-Kulturkonferenz.

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Sind Stadthalle, Konferenzzentrum oder Kulturhalle geeignet?

Christian Federolf-Kreppel ist darüber hinaus mit seinem technischen Team dabei, die möglichen Spielstätten in der Stadt zu besuchen, um anhand einer Checkliste zu klären, ob und wenn ja welche Produktionen möglich sind. Eine Ersatzspielstätte wird aus Kostengründen nicht gebaut, doch natürlich sind die Stadthalle oder das Konferenzzentrum, aber auch die Kulturhalle in Grafenrheinfeld gute Optionen. Konkret gearbeitet wird im Moment an einem "Kultursommer 2021", für die folgenden Jahre soll es dann weitere ganzjährige Angebote geben, die aber noch nicht spruchreif sind.

Bevor das Theater 1966 gebaut wurde, war die Stadthalle die Heimstatt für die Gastspiele und könnte es wegen der derzeitigen Schließung und Sanierung des Theaters bis 2024 teilweise wieder werden.
Foto: Nicolas Bettinger | Bevor das Theater 1966 gebaut wurde, war die Stadthalle die Heimstatt für die Gastspiele und könnte es wegen der derzeitigen Schließung und Sanierung des Theaters bis 2024 teilweise wieder werden.

SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Hofmann, der mit seiner Firma L19 als Veranstalter des Honky-Tonk-Festivals und des Stadtfestes gut vernetzt ist in der Kulturszene, brachte die Grundstimmung der Akteure auf den Punkt: "Wir müssen aus unseren Gräben herauskommen, trotz mancher persönlicher Befindlichkeiten."

Eine Chance für die freie Kultur, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen

Die Schließung sei zwar bitter, doch auch eine Chance für die Kulturszene in der Stadt, sich zu entwickeln und weiter zu kommen, vor allem in der Wahrnehmung des Publikums in ganz Unterfranken. "Jetzt", so Hofmann, "liegt es an uns, und es ist positiv, dass man auch von Seiten der Stadt die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit sieht."

Das wurde auch von den Konferenz-Teilnehmern so gesehen, die aber auch anmerkten, dass es in den nächsten Schritten wichtig sei, den Kreis sehr weit zu öffnen, um möglichst vielen Kultur-Akteuren eine Chance zu geben, sich zu beteiligen. Auch Andrea Schärringer, die musikalisch-pädagogische Leiterin der Musikschule, begreift die Zeit der Theaterschließung "als Chance, den Fokus auf die freie Kultur zu drehen."

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A propos Chance. Die könnte auch in einem Dachverband der freien Kulturträger liegen. Ein wichtiger Teil der Kulturkonferenz war die Vorstellung dieses in Würzburg vor über 30 Jahren schon als ersten derartigen Zusammenschluss in Deutschland etablierten Verbandes, den die dritte Vorsitzende Antje Molz vorstellte.

Dachverband freier Kulturträger in Würzburg seit 31 Jahren

Molz schilderte die Entwicklung, als sich Anfang der 1990er-Jahre die freien Theater Würzburgs in einem Verband zusammenschlossen und fortan mit einer Stimme sprachen. Natürlich war es ein langer, oftmals schwieriger Weg, alle Interessen zu vereinen, doch heute sind alle maßgeblichen Kultur-Vereine und Verbände sowie 70 Einzelpersonen Mitglied, vertreten werden rund 1000 Kulturschaffende in der Region Würzburg.

"Jetzt liegt es an uns, und es ist positiv, dass man auch von Seiten der Stadt die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit sieht."
SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Hofmann über die Zusammenarbeit der freien Kulturträger mit der Stadtverwaltung während der Theaterschließung.

Das zeigt Wirkung, denn zum einen gibt es in Würzburg innerhalb des Stadtrates und der Kulturverwaltung "ein entsprechendes kulturelles Klima", so Molz. Zum anderen wird man ernst genommen und gefragt, ganz besonders während der Corona-Pandemie. Da stach der Würzburger Kulturamtsleiter laut Molz durch überdurchschnittliches Engagement hervor, organisierte von sich aus runde Tische, fragte immer wieder nach, ob und wie die Stadt helfen könnte und initiierte verschiedene Projekte.

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Dass die Stadt Würzburg ihren Kulturträgern keine Zuschüsse strich, sondern darüber hinaus in der Coronakrise monetäre Unterstützung gewährte, war aber durchaus ein Grund zum Stirnrunzeln: In Schweinfurt gab es eine Kürzung der freiwilligen Leistungen um 20 Prozent für 2021, was die freien Träger wie die städtischen Institutionen traf.

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