Rottendorf

Barrierefreier Bahnhof: Lange Bemühungen haben Erfolg

Bei der Eröffnung des barrierefrei ausgebauten Bahnhofs: (von links) Rottendorfs Bürgermeister Roland Schmitt, der Leiter des Bahnhofsmanagements Würzburg Elmar Hirsch und Planer Raimond Betz.
Foto: DB Station & Service AG RB Süd | Bei der Eröffnung des barrierefrei ausgebauten Bahnhofs: (von links) Rottendorfs Bürgermeister Roland Schmitt, der Leiter des Bahnhofsmanagements Würzburg Elmar Hirsch und Planer Raimond Betz.

Die Zeiten, in denen Reisende ihre Koffer mit aller Kraft in die Höhe wuchten mussten, um anschließend mit einem beherzten Schritt die weit klaffende Spalte zwischen Bahnsteig und Waggon zu überwinden, sind vorbei. Zumindest am Rottendorfer Bahnhof, einer wichtigen Drehscheibe für den Nahverkehr kurz vor Würzburg. Seit kurzem sind die sechs Bahnsteige barrierefrei ausgebaut und das Zusteigen ist ohne größere Schwierigkeiten möglich. Damit sind jahrelange Bemühungen der Gemeinde und der Bürger zum Erfolg gelangt. Was in normalen Zeiten mit einem Festakt gefeiert worden wäre, erfolgte Ende des vergangenen Jahres coronabedingt ohne größere öffentliche Beachtung.

Jahrzehntelanger Kampf für einen modernen Bahnhof

Es sei der "Durchbruch" gewesen, als es gelang, dem damaligen Ministerpräsident Horst Seehofer Anfang 2014 bei einem Wahlkampfauftritt in Rottendorf eine Zusage zu entlocken, erinnert sich Bürgermeister Roland Schmitt. "Entscheidend war, dass wir dann am Ball geblieben sind." Der Durchstich ins Gewerbegebiet hatte 30 Jahre gedauert, so viele Jahre sollten nicht noch einmal vergehen. Es folgten wiederholte Nachfrage und Gespräche mit allen Bundes- und Landtagsabgeordneten, die sich ebenso für den Ausbau einsetzte wie Innenstaatssekretär Gerhard Eck, der die Verhandlungen mit der Bahn führte. Sechs Jahre später war es so weit und im Mai konnten die Bauarbeiten beginnen.

Das Ende der insgesamt 14 Millionen Euro teuren Bauarbeiten blieb denn auch nicht unbemerkt bei den Fahrgästen. Mit dem Ausbau sind nun alle sechs Bahnsteige barrierefrei zugänglich. Die Bahnsteige wurden von 38 Zentimeter auf 76 Zentimeter angehoben und auf 210 Meter verlängert. Drei Aufzüge ermöglichen es ohne Treppensteigen in die Unterführung zu gelangen. Wo nötig, wurden die Treppenaufgänge seitlich so versetzt, dass auch Rollstuhlfahrer vorbei kommen. Außerdem gibt es ein auf dem Boden angebrachtes Leitsystem, um Sehbehinderten den Weg zu zeigen. Auch die Unterführung ist nun durchgängig ebenerdig. Elektrische Anzeigetafel zeigen an, wann der nächste Zug eintrifft.

Volle Bahnsteige am Feierabend

Lange warten muss man nicht: Kurz hinter dem Bahnhof gabelt sich die wichtige Bahnstrecke in zwei Hauptstrecken und führt entweder nach Schweinfurt und Bamberg oder nach Kitzingen und Nürnberg. Regionalzüge halten in regelmäßigem Abstand. Mit um die 2000 Ein- und Aussteiger ist Rottendorf der meist genutzte Bahnhof im Landkreis. "Vor allem wenn die Betriebe Feierabend haben, sind die Bahnsteige voll mit Menschen", weiß Schmitt. Im Rottendorfer Gewerbegebiet, bei s.Oliver, Edeka, der Frankonia oder einer der vielen kleineren Unternehmen, haben um die 4000 Menschen eine sozialversicherungspflichtige Arbeit gefunden.

Bürgermeister Roland Schmitt betätigt den Knopf. Mit drei Aufzügen kommt man jetzt in die Unterführung.
Foto: Christian Ammon | Bürgermeister Roland Schmitt betätigt den Knopf. Mit drei Aufzügen kommt man jetzt in die Unterführung.

Deswegen sei auch der Durchstich, den die Gemeinde schon 2011 auf eigene Kosten durchgeführt hatte, so wichtig gewesen. Davor hatten viele über die auch von ICE befahrenen Gleise abgekürzt, um ihren Zug zu bekommen. "Zu beobachten, wie täglich Reisende die Gleise sechs und sieben als Abkürzung in das Gewerbegebiet nahmen, war unerträglich", erzählt Peter Patalong, der Sprecher einer Arbeitsgruppe der Agenda 21, die sich dafür energisch eingesetzt hatte. Im Laufe der Jahre habe sich ein "richtiger Trampelpfad" entwickelt. Auch der barrierefreie Ausbau war stets ein Thema der Bürger.

Ein Schritt in die Zukunft

Für Schmitt bedeutete der barrierefreie Ausbau einen wichtigen, zukunftsweisenden Schritt, um die Stadt und das Umland besser anzubinden. Sieben Minuten reichen und der Fahrgast steht in Würzburg am Hauptbahnhof. Zwei kostenfreie Pendlerparkplätze und die Einbindung Rottendorfs in die Tarifkernzone der Stadt laden zum Pendeln ein. Bis auf überschaubare Kosten für einen Zugang zum Pendlerparkplatz und Fahrradständer ist die Gemeinde finanziell außen vor geblieben. Bezahlt wurde der Ausbau mit Geld vom Bund, Land und der Bahn.

Für den barrierefreien Umbau der Unterführung war Ingenieurskunst gefragt. Vorgefertigte Bauteile der Bahn konnten hier nicht zum Einsatz kommen.
Foto: DB Station & Service AG RB Süd | Für den barrierefreien Umbau der Unterführung war Ingenieurskunst gefragt. Vorgefertigte Bauteile der Bahn konnten hier nicht zum Einsatz kommen.

Nun ist die Gemeinde an der Reihe: Sie hat das Bahnhofsgebäude erworben und soll nach einer aufwendigen Entwidmung des Gebäudes saniert und originalgetreu wieder hergestellt werden. Hier sollen bis Herbst 2022 ein Warteraum und kulturell genutzte Räume entstehen. Als besonderer Blickfänger am Ortseingang soll eine großformatige Abbildung einer Dampflok der 1880er Jahre, die auf den Namen "Rottendorf" getauft war, ein Geschenk von König Max von Bayern, angebracht werden.

Bayern barrierefrei 2023

Dieses Ziel für einen behindertengerechten Umbau des öffentlichen Raums hatte Horst Seehofer 2013 bei seinem Amtsantritt als Ministerpräsident ausgegeben. Es zeichnet sich jedoch ab, dass der barrierefreie Ausbau aller Bahnhöfe länger dauern wird.
Etwa 80 Prozent der Reisenden in Fern- und Nahverkehr in Bayern und damit täglich über eine Million Menschen erreichen die Bahnsteige heute barrierefrei. Im Landkreis Würzburg sind jedoch noch immer nur sechs von 15 Bahnhöfen barrierefrei ausgebaut.
Quelle: ca
Eine Rampe verbindet die Bahngleise mit dem Pendlerparkplatz der Gemeinde
Foto: Ammon | Eine Rampe verbindet die Bahngleise mit dem Pendlerparkplatz der Gemeinde
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