Würzburg

DAHW-Mitbegründerin Irene Kober feiert 95.Geburtstag

Sie ist die einzige noch lebende Mitbegründerin der Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW). An diesem Sonntag ist Irene Kober 95 Jahre alt geworden.
Zur Würdigung seines Lebenswerkes benennt die Stadt Würzburg 2017 eine Fußgängerbrücke nach Hermann Kober († 1998). Oberbürgermeister Christian Schuchardt überreicht das Straßenschild an seine Witwe Irene Kober und die damalige DAHW-Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg.
Foto: Daniel Peter | Zur Würdigung seines Lebenswerkes benennt die Stadt Würzburg 2017 eine Fußgängerbrücke nach Hermann Kober († 1998).

Beim Kaffeekränzchen zu ihrem 31. Geburtstag gründete Irene Kober gemeinsam mit ihrem Ehemann Hermann und fünf weiteren Freunden in Zell am Main den gemeinnützigen Verein DAHW. Damals noch unter dem Namen "Deutsches Aussätzigenhilfswerks". Heute ist die weltweit tätige Organisation als DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe bekannt.

Irene Kober wurde am 17. Januar 1926 in Berlin geboren. Als sie fünf Jahre alt ist, erfolgt der Umzug der Familie nach Breslau, im letzten Kriegsjahr 1945 flieht die Familie nach Dresden, wo sie die Bomben-Angriffe auf die Stadt miterlebt. Nach dem Ende des Krieges holt sie in Berlin das Abitur nach, legt in Zehlendorf ihr Staatsexamen als Krankenpflegerin ab und absolviert eine Ausbildung zur OP-Schwester. An das ersehnte Studium zur Kinderärztin ist aufgrund von Geldmangel nicht mehr zu denken, heißt es in einer Pressemitteilung des DAHW anlässlich des 95.Geburtstag von Irene Kober.

In Karlstadt lernt sie den Redakteur Hermann Kober kennen

Ihre Eltern ziehen zwischenzeitlich ins unterfränkische Karlstadt, wo Kobers Vater sich mit einem eigenen Geschäft selbständig macht. Die Tochter Irene hilft ab und zu im Büro mit und lernt Hermann Kober, seinerzeit Redakteur beim Würzburger Fränkischen Volksblatt, kennen und lieben. Am 29. September 1952 heiratet das Paar und bezieht bald darauf ihr Haus in Zell am Main. Der späteren Geburtsstätte der heutigen DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe.

Als Hermann Kober 1956 von seinem Kollegen Franz Graf Magnis erfährt, dass in Äthiopien die "biblische Krankheit" Lepra weit verbreitet ist und zahllose Betroffene unsägliches Leid erfahren, will er spontan helfen. Er veröffentlicht eine Reportage über den französischen Lepra-Arzt Dr. Antoine Féron, der in Bisidimo/Äthiopien mit dem Fahrrad in weit entlegene Regionen fährt, um von Lepra betroffene Menschen zu behandeln – und bittet um Spenden. Mit überwältigender Resonanz: "Es wusste damals doch kein Mensch, dass es noch so viel Lepra gibt", erinnert sich Irene Kober in einem Interview mit dieser Redaktion zum Welt-Lepra-Tag 2012.

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In kürzester Zeit gehen 10 000 Mark an Unterstützung auf einem Privatkonto ein, sodass die Gründung eines Vereins erforderlich wird. "Die sieben Leute dafür, Freunde und Journalisten, hatten wir schnell gefunden", erzählt Irene Kober in dem Interview. Sie alle fanden sich am 17. Januar 1957 bei den Kobers in Zell am Main ein, um den Geburtstag der Hausdame zu feiern, und die Satzung für das Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk, kurz DAHW, zu finalisieren. Am Tag darauf erfolgt die Registrierung im Vereinsregister.

Die Nachricht, dass es in Deutschland einen Verein gibt, der bei der Behandlung von Lepra-Patienten unterstützt, verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Von überall gehen verzweifelte Hilferufe im Hause Kober ein. Nur wenige Jahre später ist das DAHW nicht nur in Äthiopien, sondern auch in Brasilien, Thailand, Indien, Pakistan und auf den Osterinseln im Einsatz, um die unvorstellbare Not von Betroffenen zu lindern, die infolge der Lepra mit schwersten Behinderungen und massiver Ausgrenzung leben, heißt es in der Pressemitteilung des DAHW.

Irene Kober beim Festakt zum 60-jährigen Bestehen der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) im Jahr 2017.
Foto: Daniel Peter | Irene Kober beim Festakt zum 60-jährigen Bestehen der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) im Jahr 2017.

"Schnell ist das wirkliche weltweite Ausmaß der Lepra deutlich geworden", so Irene Kober im Interview mit dieser Redaktion. "Wir gingen damals von rund 15 Millionen Leprakranken aus." In langen, arbeitsreichen Nächten werden unzählige, ergreifende Berichte gelesen, Bitt- und Dankesbriefe geschrieben und Spendenquittungen ausgestellt.

Als das provisorische Büro, das die Kobers in den heimischen vier Wänden in Zell am Main aufgebaut haben, zu klein wird, bezieht der Verein ein angemietetes Zimmer in der Würzburger Innenstadt und stellt eine Sekretärin ein. Irene Kober arbeitet als stellvertretende Schatzmeisterin und hält Vorträge in Schulen und Gemeinden. "Noch heute erfüllt mich mit Freude, dass die Voraussicht der Verantwortlichen zur Gründung eines europäischen Netzwerkes der Leprahilfswerke geführt hat, welches sich später in ein weltweites – die heute noch existierende ILEP – Netzwerk weiterentwickelt hat", schreibt Kober in einem Grußwort in der Festschrift zum 60-jährigen Jubiläum der DAHW. "Die Beteiligung der DAHW an der Forschung war und ist für mich ein Leuchtturm der Arbeit. Die DAHW war an der Entwicklung der Therapie zur Leprabekämpfung aktiv beteiligt." 

2007 erhält Irene Kober das Bundesverdienstkreuz

Für ihren Einsatz für Millionen von Lepra-Patienten und ausgegrenzten Menschen in der Welt erhält Irene Kober 2007 das Bundesverdienstkreuz. Der DAHW ist sie bis heute eng verbunden und aktives Vereinsmitglied. "Wir schätzen Frau Kober als herzenswarme und doch kritische Stimme, als eine Frau der klaren Worte, wenn es um das Leid von Menschen in Not geht", wird DAHW-Geschäftsführer Burkard Kömm in der Pressemitteilung anlässlich des 95.Geburtstags des letzten noch lebenden Gründungsmitglied der Organisation zitiert.

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