Würzburg

Der Altmeister der Geldpolitik

Der Wirtschaftsweise Otmar Issing wird 85 Jahre alt.
Foto: Issing | Der Wirtschaftsweise Otmar Issing wird 85 Jahre alt.

Er ist einer der bekanntesten Würzburger Wissenschaftler der Neuzeit und hat sich als Wirtschaftsweiser große Beachtung und Anerkennung in Europa und der ganzen Welt verschafft. Als Chefökonom und Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank hat er die geldpolitische Strategie der EZB wesentlich mitbestimmt. Nun feiert Professor Dr. Otmar Issing, der "Altmeister der europäischen Geldpolitik", wie er einmal genannt wurde, an diesem Samstag seinen 85. Geburtstag.

Ein solches Alter mag man dem berühmten Volkswirtschaftler, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, gar nicht abnehmen. Noch immer ist er als wissenschaftlicher Autor zu Themen des Finanzpolitik vielfältig tätig. In seinem Leben hat er 25 Bücher veröffentlicht, darunter zwei Standardwerke zur Geldpolitik. Das Verzeichnis seiner Schriften umfasst rund 40 Seiten, wie er sagt. Auch körperlich ist der Ökonom noch topfit, was er regelmäßig auf dem Tennisplatz von Weiß-Blau zeigt. Da hat er wohl etwas aus seiner Jugend mitgenommen. Damals war er ein erfolgreicher Sprinter und als Senior mehrfacher bayerischer Meister.

Aufgewachsen in einer Gastwirtsfamilie

Geboren wurde Otmar Issing in Würzburg. Seine Eltern betrieben die Gaststätte Erzherzog Karl. Am 16. März 1945 wurde die Familie ausgebombt und nach Zell evakuiert. 1950 kamen sie zurück nach Würzburg und betrieben bis 1952 die Gaststätte am Marienplatz, danach Issings Gaststätte im Inneren Graben. Dort hat Otmar viel Zeit hinter der Theke und beim Bedienen zubringen müssen, hat aber offensichtlich nebenbei fleißig gelernt.

Nach dem Abitur 1954 am Riemenschneider-Gymnasium studierte er zunächst an der Universität Würzburg Altphilologie und wechselte ein Jahr später zur Volkswirtschaftslehre, die sein Leben prägen sollte. Nach Auslandssemestern in London und Paris legte er 1960 an der Uni Würzburg das Examen als Diplom-Volkswirt ab. Von 1960 bis 1966 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Würzburg. 1961 schloss er seine Dissertation über Monetäre Probleme der Konjunkturpolitik in der Europäischen Wirtschaftsunion  ab. Mit der Arbeit  "Leitwährung und internationale Wirtschaftsordnung" erlangte er die Lehrbefugnis für Volkswirtschaftslehre.

Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre

1967 wurde er Direktor des Instituts für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an die Universität Erlangen-Nürnberg, 1973 übernahm er den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, Geld und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Würzburg. Lehre und Forschung führten ihn unter anderem an die Philipps-Universität Marburg, die University of Michigan und zum Internationalen Währungsfonds in Washington. Von 1988 bis 1990 war er Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und wurde dann als Chefvolkswirt ins Direktorium der Deutschen Bundesbank berufen.

Von 2007 bis 2018 war er für die US-amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs tätig. Seit Juni 2006 und noch immer ist er Präsident des Center for Financial Studies (CFS) an der Universität Frankfurt. Im Oktober 2008 übernahm Issing den Vorsitz einer Expertengruppe, die im Auftrag der Bundesregierung Vorschläge für eine Reform der internationalen Finanzmärkte erarbeiten sollte.

Er war Mitglied der G20 Eminent Persons Group und der High Level Group der Europäischen Kommission.

Otmar Issings Leben ist geschmückt mit zahlreichen auch internationalen Auszeichnungen. 1991 wurde er zum Honorarprofessor an der Universität Würzburg ernannt, mehrere Universitäten Europas erteilten ihm die Ehrenpromotion. 2006 erhielt er das Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und wurde als Großoffizier des Verdienstordens des Großherzogtums Luxemburg ausgezeichnet. 2016 wurde Issing zum Ehrensenator der Universität Würzburg ernannt.

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