Röttingen

Der Burgflügel ist nur eines von vielen Investitionsprojekten

Die Stadt Röttingen will in den kommenden Jahren kräftig bauen und sanieren. Nicht immer freiwillig, wie die Bürgerversammlung zeigte.
Ein 'Stadtbalkon' aus Stahl ist in den modernen Ostflügel der Burg Brattenstein integriert. Er wird öffentlich zugänglich, sobald die Restarbeiten an der Burg abgeschlossen sind. 
Foto: Gerhard Meißner | Ein "Stadtbalkon" aus Stahl ist in den modernen Ostflügel der Burg Brattenstein integriert. Er wird öffentlich zugänglich, sobald die Restarbeiten an der Burg abgeschlossen sind. 

Inzwischen hat der stählerne Stadtbalkon an der Burg Brattenstein, der nach Abschluss der Bauarbeiten auch öffentlich zugänglich ist, die gewünschte rostbraune Farbe angenommen. Die moderne Konstruktion ist der Versuch des Schweinfurter Architekturbüros Schlicht-Lamprecht-Schröder, die Lücke in der mittelalterlichen Burganlage, die der Einsturz des Ostflügels im Jahr 1971 gerissen hatte, auf architektonisch ansprechende Weise zu schließen. Dass dieser Versuch gelungen ist, beweist die Nominierung für den Landespreis des Bundes Deutscher Architekten, der Anfang April in München vergeben wird. Der Stadtbalkon rangiert nach dem Vorentscheid unter den besten drei Wettbewerbsbeiträgen in der Kategorie "Bauen im Bestand".

Für die Stadt Röttingen ist der rund 2,2 Millionen Euro teure Wiederaufbau des Burgflügels nur ein Investitionsobjekt unter vielen, über die Bürgermeister Martin Umscheid in der jüngsten Bürgerversammlung informierte. Zu den Gesamtkosten hat die Stadt 1,2 Millionen Euro aus Mitteln der Städtebauförderung erhalten und 150 000 Euro aus der Bayerischen Landesstiftung. Die laufenden Maßnahmen eingerechnet, seien es inzwischen rund 12 Millionen Euro, die in den zurückliegenden beiden Jahrzehnten aus staatlichen Fördertöpfen an die Tauber geflossen sind, erklärte Umscheid.  

Günstige Wohnungen statt Leerstand

Zu den jüngsten Projekten zählen auch zwei alte Wohnhäuser im Ortskern. Die Stadt hat sie vor Jahren schon erworben und jetzt im Rahmen eines Sonderprogramms für die Umwandlung von Leerständen in günstige Wohnungen sanieren lassen. Im denkmalgeschützten, sogenannten Schwarzmann-Haus, entstanden drei geräumige Familienwohnungen, in der Taubergasse 1 drei kleinere Wohneinheiten. Zu den Gesamtkosten von 2,4 Millionen Euro steuerte der Staat ungefähr drei Viertel bei, unter der Voraussetzung, dass die Wohnungen sieben Jahre lang für höchstens 4,50 Euro pro Quadratmeter an anerkannte Geflüchtete oder Bedürftige vermietet werden. Im April sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.

Um die Beseitigung eines Leerstands geht es auch wenige Meter weiter, wo anstelle eines maroden Gehöfts drei moderne Einfamilienhäuser entstehen sollen. Das kleine "Baugebiet im Altort" hat Modellcharakter und wird entsprechend unterstützt. Unklar ist allerdings, wer die Häuser bauen und vermarkten soll. Bürgermeister Umscheid favorisiert einen privaten Investor. Wenn sich der nicht findet, muss möglicherweise die für solche Zwecke gegründete Stadtbau GmbH einspringen. Die Ausschreibung für den Abbruch des Altbestands läuft gerade.

Alte Schule Röttingen: Die Vorbereitungen für den Umbau laufen.
Foto: Gerhard Meißner | Alte Schule Röttingen: Die Vorbereitungen für den Umbau laufen.

Auch für den Umbau der Alten Schule zu einem Kulturhaus laufen die Vorbereitungen. Für die berechneten Kosten von 1,4 Millionen Euro erwartet man kräftige Zuschüsse aus der Städtebauförderung. Die ursprünglich geplante Sanierung des Dachs für rund 300 000 Euro hätte die Stadt alleine zahlen müssen. Stattdessen wird nun die Bücherei um einen Lesesaal erweitert. Außerdem entsteht ein Multifunktionsraum und Ausstellungsfläche, auf der sich zum Beispiel seltene Bestände aus dem Stadtarchiv präsentieren lassen. Ein neue Aufzug schafft barrierefreien Zugang und eine zusätzliche Fluchttreppe hinter dem Gebäude Sicherheit im Fall eines Brandes.

Mehr Kopfzerbrechen bereitet den Stadtvätern die Zukunft der Grundschule. Seit Schließung der Teilhauptschule werden dort nur noch die Grundschüler aus dem Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG) - Röttingen, Bieberehren, Tauberrettersheim und Riedenheim - unterrichtet. Der Anfang der 1980er Jahre bezogene Bau muss dringend saniert werden. Dabei, so Umscheid, wurde der VG auferlegt, auch die Kosten eines Neubaus zu überprüfen.

"Der Neubau könnte günstiger sein, aber das wissen wir noch nicht", so der Bürgermeister. Herausfinden sollen es die drei Planungsbüros aus Stuttgart und Bamberg, die bei dem europaweiten Ausschreibung in die engere Wahl gekommen sind. Ein finanzieller Kraftakt werde die Schulsanierung für Röttingen und die drei kleiner Mitgliedsgemeinden allemal. Erste Kostenschätzungen übersteigen die Zehn-Millionen-Grenze deutlich.

Sollen saniert werden: die Tauber- und die Mühlbachbrücke.
Foto: Gerhard Meißner | Sollen saniert werden: die Tauber- und die Mühlbachbrücke.

Die bevorstehende Sanierung von Tauber- und Mühlbachbrücke ist mit rund 530 000 Euro deutlich günstiger, hat aber kaum weniger Tragweite für Röttingen. Frost und Streusalz haben den Übergängen bereits arg zugesetzt. Weil es keinen Behelfsübergang gibt, sollen die beiden Brücken jeweils unter Verkehr bei halbseitiger Sperrung instandgesetzt werden. Das zieht allerdings die Bauzeit in die Länge. Heuer soll dazu die Ausschreibung laufen, nächstes Jahr die Ausführung. Man habe sich für einen langen zeitlichen Vorlauf entschieden, um angesichts der angespannten Auftragslage auf dem Bau überhaupt eine Firma zu finden, die den Auftrag zu angemessenen Preisen erledigt, sagte Umscheid.

Verschärft die Brücke das Hochwasserrisiko?

Ein Anwohner in der am stärksten von Hochwassern betroffenen Untergasse ist nicht glücklich mit dem gewählten Weg. Man hätte die Sanierung auch dazu nutzen können, die Brücke 20 Zentimeter höher zu bauen und das Ufer der Tauber aufzuweiten, um dadurch das Hochwasserrisiko zu verringern, schlug er in der Bürgerversammlung vor. Grundsätzlich gab ihm Umscheid recht. Hochwasserschutz müsse aber in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. So könnten beispielsweise vor der Stadt Überschwemmungsflächen geschaffen werden, um den Anstieg der Tauber zu bremsen. Dazu seien aber erst eingehende Untersuchungen durch das Wasserwirtschaftsamt erforderlich. Umscheid versprach, am Thema dran zu bleiben.

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