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Die mögen's kalt: Salate und Kräuter, die man jetzt anbauen kann

Die Gartensaison ist zu Ende? Von wegen! Es gibt einige Gemüse, die sogar im Winter noch auf dem Balkon oder im Beet geerntet werden können. Acht Tipps vom Profi.
Gottfried Röll von der Bayrischen Gartenakademie in Veitshöchheim hat einige Tipps, wie man auch im Winter gärtnern kann. 
Foto: Thomas Obermeier | Gottfried Röll von der Bayrischen Gartenakademie in Veitshöchheim hat einige Tipps, wie man auch im Winter gärtnern kann. 

In den Wintermonaten gönnen sich die meisten Hobbygärtner eine Auszeit. Das muss nicht sein. Es gibt eine Vielzahl an Gemüsearten, Salaten und Kräutern, die sich von November bis März prima im Freien oder besser noch im Gewächshaus anbauen lassen: zarte Asia-Salate, Spinat, Rauke oder Mungbohnensprossen auf der Fensterbank. "Wer jetzt Feldsalat an einem guten Standort sät und etwas Geduld hat, der kann an Heiligabend seinen eigenen Salat servieren", sagt Gottfried Röll, Gartentechniker bei der Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim.

Frisches Gemüse kommt im Winter zur passenden Zeit: Gerade in den dunklen, kalten Monaten ist der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen besonders hoch. "Mit Feldsalat, Gartenrauke oder Postelein wird der Organismus gut versorgt. Noch dazu stammen die Salate aus dem eigenen Garten, so dass weite Transportwege wegfallen", sagt Röll, der zwei Mal in der Woche am Gartentelefon der Bayerischen Gartenakademie Hobbygärtner berät. Der Anbau von saisonalem Wintergemüse sei dank des Klimawandels inzwischen auch in unseren Breiten möglich: "Man kann sagen, dass die milderen Temperaturen dem Wintergemüseanbau deutliche Vorteile bringen."

Wintergärtnern hat viele Vorteile

Noch ein Vorteil beim Gärtnern im Winter: Bei niedrigen Temperaturen muss nur selten gegossen werden. "Je nach Bodenverhältnissen alle vier bis sechs Wochen", sagt Gottfried Röll. Sein Rat: während sonniger Vormittagsstunden gießen, damit die Pflanzen wieder vollständig abtrocknen können. Auch vor vielen lästigen Schädlingen hat man im Winter Ruhe, das Gemüse bleibt von Schnecken- und Blattlausinvasionen verschont. Die Schädlinge des Winters sind oft etwas größer: Hasen oder Rehe. "Dagegen hilft der Gartenzaun oder eine Vliesabdeckung."

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Es kann nicht nur im Winter gärtnern, wer einen großen Garten mit Beeten oder ein Gewächshaus  hat. "Der kleinste Garten ist ein Topf", sagt der Gartentechniker. Auch auf dem Balkon könne man im Winter unter einer Vliesabdeckung mit etwas Glück einige leckere und gesunde Salate kultivieren.

Und welche genau? Hier kommen acht Pflanzen, die es auch kalt mögen.

1. Perfekt für Anfänger: Asia-Salate 

Die hauptsächlich aus Japan und China stammenden Asia-Salate gehören zu den Blatt- oder Senfkohl-Arten und -Sorten. Bis vor wenigen Jahren waren sie bei uns kaum bekannt. "Allen gemeinsam ist der mehr oder weniger hohe Gehalt an pikanten Senfölen, eine hohe Kältetoleranz und die lange Erntezeit", sagt Gartenberater Röll. "Blatt und Stiel schmecken sehr würzig." Die gängigsten Sorten heißen Mizuna, Blattsenf oder Baby-Leaf. "Anfängern würde ich genau diese Gruppe an Wintersalaten empfehlen. Sie wachsen schnell und sind gesund, können den ganzen Winter angebaut und sogar mehrmals geschnitten oder abgezupft werden."

Üblich ist die Reihensaat mit einem Reihenabstand von 15 bis 25 Zentimetern. Ein Vlies schützt die Asia-Salate in kalten Nächten, lässt tagsüber aber genügend Licht und Luft an die Pflanzen. Im unbeheizten Frühbeet, Folientunnel oder Gewächshaus sät man bis Ende November alle 14 Tage neu aus und erntet je nach Witterungsverlauf bis ins Frühjahr.

Auch im Winter können Hobbygärtner zum Beispiel Pflücksalat ziehen und ernten. Ein Gewächshaus oder ein Frühbeetkasten schützen vor Kälte und Nässe.
Foto: Andrea Warnecke | Auch im Winter können Hobbygärtner zum Beispiel Pflücksalat ziehen und ernten. Ein Gewächshaus oder ein Frühbeetkasten schützen vor Kälte und Nässe.

2. Für Balkonbesitzer: Pflücksalate

Auch Pflücksalate wie Eichblatt oder Lollo-Sorten eignen sich für die Winterernte. Sie sollten ebenso wie die Asia-Salate ein Dach über dem Kopf haben – weniger wegen der Kälte als vielmehr, um sie vor unkontrollierten Niederschlägen zu schützen, rät der Gartenexperte. Pflücksalate gedeihen gut im Hochbeet und sogar im mobilen Beet auf dem Balkon. Man erntet die einzelne Blätter, die Pflanze selbst bleibt im Beet und treibt so immer wieder frisch aus. "Das Nachwachsen dauert im Winter nur etwas länger als in den warmen Monaten."

Am besten sei es, den Pflücksalat direkt ins Beet zu säen oder Jungpflanzen zu kaufen, sagt Röll. Während man im Sommer bangt, dass der Salat zu schießen beginnt, ist im Winter eher das Erfrieren ein Problem. Aus diesem Grund rät der Gartenexperte, den Wintersalat mit einem Gärtnervlies abzuecken und so vor frostigen Nächten zu schützen. Vlies gibt es in ganz unterschiedlichen Stärken,  Röll empfiehlt zwischen 30 bis 85 Gramm pro Quadratmeter.

Rucola, auch bekannt als Gartenrauke, ist mit Kohl verwandt. Die Salatsorte eignet sich wegen ihres scharfen, würzigen Geschmackes vor allem für die mediterrane Küche.
Foto: Martin Gerten | Rucola, auch bekannt als Gartenrauke, ist mit Kohl verwandt. Die Salatsorte eignet sich wegen ihres scharfen, würzigen Geschmackes vor allem für die mediterrane Küche.

3. Für Ungeduldige: Gartenrauke oder Rucola

Rucola ist mit Kohl verwandt und wächst im Winter sogar im Haus. "Am einfachsten ist es, die Salatrauke jetzt in Töpfen oder Schalen zu ziehen", sagt der Gartenfachman. Diese werden mit Kompost oder Blumenerde gefüllt, und es wird nicht zu eng ausgesät. Etwa 20 Samen reichen für einen mittleren Topf. Das Saatgut wird mit einem halben Zentimeter Erde abgedeckt, angegossen und auf die warme Fensterbank gestellt.

Nach wenigen Tagen zeigen sich schon die Keimlinge. "Ein warmer und sonniger Standort sind ideal", sagt Röll. Nach drei bis vier Wochen sind die zungenförmigen Blätter groß genug, um in der Küche verwendet zu werden. "Die Blätter werden vor der Blüte geerntet." Nimmt man alle zwei Wochen eine Folgesaat vor, lassen sich die würzigen Blätter den ganzen Winter über genießen. Schon einige Blätter verleihen jedem Rohkostsalat einen scharfen, würzigen Geschmack. 

Spinat gedeiht am besten, wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden.
Foto: Main-Post Archiv | Spinat gedeiht am besten, wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden.

4. Für Popeys: Winterspinat

Generell mag Spinat es, wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden. Wer Spinat säen möchte, muss kein Profi sein: "Spinat ist ein pflegeleichtes Gemüse, das man fast die ganze Saison über anbauen kann." Die Samen keimen auch bei niedrigen Bodentemperaturen. Rölls Rat: Die Keimlinge auch im Gewächshaus trotzdem mit Vlies abzudecken. Wird der Spinat in Reihen angebaut, sollte der Abstand zwischen den Reihen 20 Zentimeter betragen - und zwischen den einzelnen Pflanzen sollte etwa zehn bis 20 Zentimeter Platz sein.

An den Boden stellt Spinat keine besonderen Ansprüche, sofern er regelmäßig feucht gehalten wird. Röll rät im Winter allgemein mit dem Gießen eher zurückhaltend zu sein. Spinat hat einen mittleren Nährstoffbedarf, so dass er gut dort steht, wo im Vorjahr Mist oder Kompost aufgebracht worden ist. 

Feldsalat gilt vor allem aufgrund seines hohen Gehalts an Eisen und Vitamin C als gesund.
Foto: LWG | Feldsalat gilt vor allem aufgrund seines hohen Gehalts an Eisen und Vitamin C als gesund.

5. Für Vitamin-Esser: Feldsalat

Er ist gesund, unkompliziert im Anbau und kann auch im Winter geerntet werden: Feldsalat, auch als Rapunzel bekannt. Meist wird er im Beet ausgesät, man kann ihn aber ebenso gut in einem Balkonkasten kultivieren. Er benötigt einen sonnigen Standort und stellt keine besonderen Bedingungen an die Gartenerde. "Eine Düngung ist in der Regel nicht nötig, Feldsalat kommt mit wenig Nährstoffen aus", sagt Gartenfachmann Röll. Wichtig sei jedoch, dass die Erde unkrautfrei ist.

Beim Kauf von Saatgut sollte man die zur Jahreszeit passende Sorte wählen. Für die späte Aussaat sind frostunempfindliche Sorten wie "Vit" empfehlenswert, sie können bis März des Folgejahres geerntet werden. Das Saatgut kommt etwa einen halben bis einen Zentimeter tief in die Erde, der Abstand sollte mindestens zehn Zentimeter betragen. Genaue Angaben stehen auf der Tüte des Saatguts. "Wird Feldsalat zu dicht ausgesät, bleiben die Pflanzen oft recht klein und die Blätter im unteren Bereich werden gelblich", sagt Röll. Nach dem Säen die Erde andrücken und gießen.

6. Für Verspätete: Winterpostelein

Winter-Portulak, Postelein oder Gewöhnliches Tellerkraut: Es gibt zahlreiche Namen für den gesunden Salat. "Die Aussaat erfolgt im Herbst, die Ernte bei guten Bedingungen den ganzen Winter über", sagt Röll. Postelein stellt wenig Ansprüche an Boden und Standort. Dieser sollte lediglich möglichst im Halbschatten liegen. Die Erde muss wie bei Feldsalat nicht gedüngt werden, sollte aber nicht austrocknen. Vor der Aussaat Unkraut entfernen und die Erde etwas auflockern.

Zum Keimen benötigt Winter-Portulak Temperaturen unter zwölf Grad. Die Aussaat erfolgt deshalb je nach Witterung ab September und ist bis Februar möglich. Sinken die Temperaturen unter vier Grad, stellt die Pflanze ihr Wachstum ein. Wird sie im Freiland ausgesät, gibt es die Ernte deshalb häufig erst im Frühjahr. Bei strengen Frösten sollte die einjährige Pflanze sicherheitshalber etwa mit einem Vlies geschützt werden. Stabilere Temperaturen herrschen im Gewächshaus und in Hochbeeten, die mit einem durchsichtigen Deckel oder Vlies geschützt werden können. Auch im Balkonkasten kann es gelingen, dass der Salat den ganzen Winter über wächst.

Kresse wächst innerhalb von wenigen Tagen heran – und kann für Salate oder als Beilage zum Butterbrot geerntet werden. 
Foto: Robert Günther, dpa | Kresse wächst innerhalb von wenigen Tagen heran – und kann für Salate oder als Beilage zum Butterbrot geerntet werden. 

7. Für Ungeduldige: Kresse

Für täglich frische Vitamine sorgen junge Kressepflänzchen. "Die Anzucht von Kresse ist denkbar einfach", sagt der Mitarbeiter der Bayerischen Gartenakademie. Der etwas scharfe Geschmack komme von den enthaltenen Senfölen. Im Gegensatz zu Keimsprossen werden bei Grünsprossen keine Wurzeln verwendet, man schneidet mit einer Schere nur das Grüne ab. Die kleinen braunen Samen keimen im Dunkeln und auch bei vollem Tageslicht. Deshalb ist auch die Anzucht zuhause sehr einfach. Warme Temperaturen wie in der Küche begünstigen die schnelle Entwicklung.

Für Kresse benötigt man nur frisches, gut keimfähiges Saatgut, eine am Boden flache und nicht zu hohe Schale und etwas Küchenkrepp. Die Behältnisse erhalten eine zugeschnittene Doppellage aus Küchenpapier. Sie wird befeuchtet und mit Kressesamen bestreut. Bis die Kresse gewurzelt hat, vorsichtig befeuchten! "Sonst schwimmen die Keimlinge davon", sagt Röll. Sind sie größer, halten sie sich gegenseitig fest. Nach einer Woche guter Pflege ist es soweit: Ernetezeit. 

8. Für Profis: Mungobohnensprossen

Sprossen stecken voller Vitamine und Mineralstoffe und gedeihen auch auf der Fensterbank. Im alten China war durch die Sprossen die Hochseeschifffahrt möglich, dadurch konnte man dem Vitamin-C-Mangel und Skorbut vorbeugen. Schon seit über 3000 Jahren züchten die Chinesen Keimlinge. "Bei uns es das erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgekommen", sagt Röll.

Mungobohnen müssen etwa zwölf Stunden in sauberem Wasser einweichen. Dann in einem Sieb mit frischem sauberen Wasser spülen, in eine Schale geben und mit einem sauberen Tuch abdecken.  Das ganze drei Mal am Tag, immer mit frischem Wasser.

Man kann die eingeweichten Bohnen auch in einen Sprossenturm geben und dort Spülen. Im Sprossenturm haben die einzelnen Etagen Abläufe, so dass kein Wasser stehen bleibt. Die Sprossen kann man hier also gleich drin stehen lassen. Nach vier bis sechs Tagen bei Zimmertemperatur sind die Mungobohnensprossen fertig. Im deutschsprachigen Raum werden sie häufig fälschlicherweise als Sojasprossen bezeichnet. Man kann sie frisch auf einem Brot oder im Salat essen, blanchieren oder klassisch als Wok-Gemüse nehmen.

Tipps vom Gartentelefon: Sie haben Fragen rund um den Garten oder den Gemüseanbau daheim? Die Experten der Bayerischen Gartenakademie sind montags und donnerstags jeweils von 10 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 16 Uhr unter der "Grünen Hotline" erreichbar: Tel. (09 31) 98 01-147. Garten-Infos und aktuelle Tipps findet man auch jederzeit unter www.lwg.bayern.de

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