Würzburg

Digitales Start-up in Würzburg: Tinder für Gewerbetreibende

Auch in Würzburg entstehen digitale Start-ups: Web-Hilfe für Menschen mit Behinderungen, Online-Fundbüro oder Tinder für Einzelhändler. Wie diese Ideen gefördert werden.
Zum Auftakt des Würzburg Accelerator Programms haben sich die vier Gründerteams mit ihren Coaches im Zentrum für Digitale Innovationen in der Rottendorfer Straße getroffen.
Foto: Johannes Kiefer | Zum Auftakt des Würzburg Accelerator Programms haben sich die vier Gründerteams mit ihren Coaches im Zentrum für Digitale Innovationen in der Rottendorfer Straße getroffen.

Barrierefrei im Web surfen, das Tablet ohne Hände bedienen, ein Online-Fundbüro und Tinder für Gewerbetreibende. Das sind die Geschäftsideen der vier Gründerteams des "Würzburg Accelerator Track" (Beschleunigungsspur) Förderprogramms.

Mitmachen kann jeder, der eine Geschäftsidee für ein digitales Start-up hat. Das Zentrum für Digitale Innovationen Mainfranken (ZDI) will mit dem Programm die Entwicklung digitaler Innovationen in der Region fördern und wird dafür vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, dem Landkreis und der Stadt Würzburg sowie von knapp 30 Unternehmen aus der Region gefördert.

Für die Auswahl der Geschäftsideen waren Kriterien, wie die Zusammensetzung des Teams oder die Reife der Idee ausschlaggebend. Von den neun Bewerbungen, wurden vier Teams ausgewählt. Unter den Bewerbern war keine Frau. 

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Sechs Monate lang werden die vier Teams nun von Coaches begleitet und mit Workshops und Innovationsmethoden unterstützt, um ihre Idee marktreif zu machen. Um welche Produkte geht es?

Sehschwäche ausgleichen

Oliver Greiner und Eric Braun (v. links) wollen mit 'Eye-Able' das Internet barrierefreier machen.
Foto: Johannes Kiefer | Oliver Greiner und Eric Braun (v. links) wollen mit "Eye-Able" das Internet barrierefreier machen.

"Wir wollen das Internet barrierefrei machen", sagt Oliver Greiner, einer im Team "Eye-Able". Das vierköpfige Team hat ein Erweiterung für Webseiten und Geräte entwickelt, mit der man die Visualisierung von Webseiten individuell einstellen kann. "Man kann zum Beispiel die Schrift auf der Webseite vergrößern oder die Kontraste einstellen", erklärt Greiner. Menschen mit einer Farb-, Sehschwäche oder Fotosensibilität könnte damit die Nutzung erleichtert werden.

Die Idee hatte der 23-Jährigen während eines Praktikums bei einem Online-Shop, wo vor allem ältere Kunden Probleme mit der Webseite hatten. Das Internet barrierefrei zu machen, ist dem Gründer auch ein persönliches Anliegen: "Einer meiner besten Freunde ist fast blind. Ich habe ihm schon in der Schule vorgelesen, was auf der Tafel stand. Heute hat er noch immer Probleme Webseiten zu bedienen. Das war ein Triggerpunkt für mich, zu sagen, ich will jetzt eine Lösung schaffen, das ist mein Bereich".

"Einer meiner besten Freunde ist fast blind"
Gründer Oliver Greiner
Ein Tablet steuern, ohne die Hände zu benutzen. Das ist die Idee von Tobias Moritz (links) und Janik Ehrhardt.
Foto: Johannes Kiefer | Ein Tablet steuern, ohne die Hände zu benutzen. Das ist die Idee von Tobias Moritz (links) und Janik Ehrhardt.

Ähnlich wie "Eye-Able", wollen auch die Gründer von "Handic-App" Menschen mit Behinderungen den Zugang zum Internet erleichtern. Sie spezialisieren sich auf die Steuerung von Tablets mit Augen- oder Kopfbewegungen, ähnlich wie der verstorbene Astrophysiker Stephen Hawking seinen Sprachcomputer bediente. "Die Idee ist, dass Menschen mit physischen Einschränkungen, wie Querschnittslähmung oder Nervenkrankheiten  das Tablet ohne Hände steuern können", erklärt der 24-jährige Tobias Moritz. 

Zwei Mathematik-Studenten wollen mit "Handic-App" den Menschen "ein Stück Selbstbestimmung" geben, damit sie "auch ohne Hilfe von Pflegekräften einen Anruf starten oder ein E-Book lesen können". Egal ob Telefonieren, Surfen, Musik abspielen oder den Notruf wählen, diese Funktionen sollen durch minimale Bewegungen, wie Blinzeln steuerbar sein.

Mit ihrer Idee haben die Freunde Tobias Moritz und Janik Erhardt bereits den Wettbewerb für soziale Start-ups, die "Social Innovators Challenge" der Julius-Maximilian-Universität Würzburg gewonnen. 

CleverBack: Digitales Fundbüro

Nicolas Bartschat von 'CleverBack' will Finder und Eigentümer vernetzen.
Foto: Johannes Kiefer | Nicolas Bartschat von "CleverBack" will Finder und Eigentümer vernetzen.

Anders als die anderen drei Gründerteams, arbeitet der Würzburger Nicolas Bartschat im Alleingang an "CleverBack", einem Online-Portal, mit der Eigentümern verlorene Dinge wieder finden können. Die Idee kam dem Produktmanager im eigenen Freundeskreis: "Ein Freund hat seinen Schlüssel verloren und sucht ihn bis heute noch".

Auf "CleverBack" werden Wertgegenstände, wie Smartphone, Laptop oder Schlüssel registriert. "Im Falle eines Verlustes kann der Finder das Gerät dort aufrufen und seine Kontaktdaten hinterlegen, damit der Eigentümer ihn kontaktieren kann", erklärt Bartschat. Potenzial für seine Idee sieht der Gründer vor allem an Flughäfen: "Alleine in Europa sind vor Corona an den sieben größten Flughäfen wöchentlich 3300 Laptops verloren gegangen. Das sind natürlich enorme Schäden. 'CleverBack' kann bei der Schadensbegrenzung helfen."

Zwei Brüder erfinden Tinder für Gewerbetreibende 

Die Brüder Tillman und Tobias Toepfer (von links) wollen mit der Online-Plattform 'teilbar' Händler und Gewerbetreibenden zusammen bringen.
Foto: Johannes Kiefer | Die Brüder Tillman und Tobias Toepfer (von links) wollen mit der Online-Plattform "teilbar" Händler und Gewerbetreibenden zusammen bringen.

Die Brüder Tillman und Tobias Toepfer aus Unterdürrbach wollen mit ihrer Plattform "teilbar"  Gewerbetreibende und Anbieter von Immobilien zusammen bringen. Auf ihrer Online-Plattform können einerseits Einzelhändler und Gewerbetreibende und andererseits Anbieter von Immobilien, wie Eigentümer oder Makler, ein eigenes Profil erstellen. "'Teilbar' verbindet aber auch unterschiedliche Gewerbetreibende oder Händler, damit sie gemeinsam eine Immobilie nutzen. Was spricht denn dagegen, dass ein Schmuck- und ein Schuhhändler gemeinsam einen Laden betreiben? Wir matchen beide und bringen sie in die Immobilie rein," sagt Tobias Toepfer

Ähnlich wie bei der Dating-App "Tinder" bringt "teilbar" die Einzelhändler aufgrund gemeinsamer Präferenzen in ihrem Profil zusammen. Für Töpfer liegt der Vorteil auf der Hand: "Hauptkostenpunkt im Handel sind die hohen Mietpreise. Wer sich eine Immobilie teilt, bei dem sinken die Mietkosten. Dadurch kann man sein Geschäft auch in umsatzschwachen Zeiten, wie Corona, besser betreiben."

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Aktuell sind die Teams in der Vor-Gründungsphase. In den kommenden Monaten heißt es für die jungen Männer: Produkt verbessern, an potenziellen Kunden testen und in einem "Battle" öffentlich präsentieren. Dazu stehen ihnen Experten, wie Innovationscoach Max Lehnert, zur Seite. In einem ersten Workshop erklärt er, was die Design-Thinking-Methode überhaupt ist: "Ein iterative Prozess, bei dem man immer wieder zum Kunden rausgeht, testet, Feedback bekommt, um ein immer besseres Produkt zu entwickeln."

Weil das aufwändig ist, arbeiten die Gründer mit Master-Studierenden des Studiengangs "Innovation im Mittelstand", der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, zusammen. "Früher war es so, dass sich Forscher zuhause im Keller eingesperrt und so lange programmiert haben, bis das Produkt steht. Dann sind sie damit raus gegangen und haben sich gewundert, warum es keiner kauft", nennt Mario Kossner vom ZDI den Vorteil. 

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