Würzburg

Kommentar: Keine Gründerinnen in Mainfranken

Der "Würzburg Accelerator Track" ist ein Förderprogramm für Gründer. Coaching, Brainstorming, Zoom-Meetings, alles modern und hoch innovativ. Was fehlt sind die Frauen.
Das Förderprogramm 'Würzburg Accelerator Track' unterstützt junge Menschen bei der Umsetzung der eigenen Geschäftsidee. 
Foto: Johannes Kiefer | Das Förderprogramm "Würzburg Accelerator Track" unterstützt junge Menschen bei der Umsetzung der eigenen Geschäftsidee. 

Ein Gründerzentrum das von Männern geleitet wird, ein Förderungsprogramm, das von Männern gecoached und beworben wird – welche Frau soll sich da angesprochen fühlen? Wie fortschrittlich kann eine Gründer-Förderung sein, wenn sie weder Expertinnen noch Gründerinnen hervorbringt? Die vier Gründerteams sind allesamt männlich und kommen aus der Start-up-Szene der Würzburger Universität und Hochschule oder sind selber im Bereich Produkt- oder Innovationsmanagement tätig.

Das Programm "Würzburg Accelerator Track" des Zentrums für Digitale Innovationen Mainfranken (ZDI) zeigt, dass gut gemeint, nicht immer auch gut gemacht ist. So ist unter den sieben Gründern keine einzige Frau. Noch nicht einmal beworben hat sich eine. Aus gesellschaftspolitischer Sicht ist das Förderprogramm für Gründer deshalb nicht innovativ, sondern konservativ. Es konserviert Strukturen, die vor allem Männern zu Gute kommen. 

Wie Machtstrukturen Männer privilegieren, lässt sich nur schwer belegen. Doch die Tatsache, dass unter den neun Bewerbern des Förderprogramms keine einzige Frau ist, zeigt, dass sich seine Macher nicht genug um Frauen bemüht haben. Anders beim kooperierenden Studienprojekt: Hier hat man darauf geachtet, dass in jeder Gruppe Frauen sind.

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Warum haben sich am Förderprogramm keine Frauen beworben? Erstens müssten junge Frauen in den Netzwerken und Studiengängen angesprochen werden, in denen sie aktiv sind. Vielleicht hätte sich zumindest eine Frau gemeldet, hätte man die Ausschreibung in sozial- und geisteswissenschaftlichen Studiengängen, in Frauen-Netzwerken oder über MultiplikatorInnen auf Social Media verteilt. Das wäre wirklich ein Zugehen auf die gewünschte Zielgruppe, also ganz im Sinne der Design-Thinking-Methode. 

Zweitens brauchen gerade manche junge Frauen auch eine Ermutigung, damit sie der eigenen Idee eine Chance geben. Diese haben Sprache und Inhalt der Ausschreibungen nicht vermittelt. Drittens fehlen Frauen in relevanten Positionen im Institut ZDI: Coaches, Institutsleiter, Innovationsmanager - alles Männer.

Von Männern zu lernen, sind Frauen gewohnt. Von Frauen zu lernen, ist inspirierend. Gerade für junge Frauen. Weibliche Repräsentation ist nicht nur wünschenswert, sondern notwendig. Sie sind die Identifikationsfiguren, die jungen Frauen vorleben, dass Erfolg auch für sie möglich ist. 

Wer männlich dominierte Strukturen wirklich ändern will und die Welt – auch in Mainfranken – ein Stück gerechter machen will, der sollte nicht nur darüber reden, sondern es auch tun. Vor allem wenn man dafür auf öffentliche Fördergelder zurückgreift. Nur zu monieren, wie schade es ist, dass sich keine Frau beworben hat, reicht heutzutage nicht mehr aus. Es ist schlichtweg eine Ausrede.

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