Würzburg

Ein Jahr Nautiland: Erfolgsgeschichte oder Reinfall?

Vor zwölf Monaten wurde das neue Hallenbad Nautiland in Würzburg eröffnet. Dann kam Corona. Bäderchef Robert Konrad blickt zurück auf ein Jahr voller Turbulenzen.
Vor einem Jahr hat das Nautiland in der Zellerau geöffnet. Doch der erste Geburtstag des Hallenbads ist für Bäderchef Robert Konrad kein Grund zu feiern.
Foto: Thomas Obermeier | Vor einem Jahr hat das Nautiland in der Zellerau geöffnet. Doch der erste Geburtstag des Hallenbads ist für Bäderchef Robert Konrad kein Grund zu feiern.

Das Nautiland in der Zellerau hat ein turbulentes erstes Jahr hinter sich. Am 23. November 2019 öffnete das neue Hallenbad, nur dreieinhalb Monate später musste es für mehrere Wochen schließen. Und das sollte nicht das einzige Mal bleiben. Auch für Robert Konrad, der am 1. Juli den Posten als Geschäftsführer der Würzburger Bäder GmbH übernommen hat, war es ein Jahr voller Herausforderungen. Im Interview erklärt der 63-jährige Bäderchef, mit welchen Problemen das Nautiland zu kämpfen hatte und warum er den zweiten Lockdown für sinnvoll hält.

Frage: Vor einem Jahr wurde das Nautiland eröffnet. Ausgerechnet jetzt darf das Schwimmbad nicht öffnen. Ist der Geburtstag trotzdem ein Grund zu feiern?

Robert Konrad: Nein, mit Sicherheit nicht. Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir unser Bad innerhalb des ersten Jahres ein zweites Mal schließen und unsere Mitarbeiter wieder in Kurzarbeit schicken müssen. Das ist schade – nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für unsere Badegäste. Insgesamt hatten wir von zwölf Monaten nur sieben geöffnet. Die Sauna war seit März komplett geschlossen, weil es hier einfach nicht möglich gewesen wäre, die Hygienevorschriften einzuhalten. Das haben wir uns natürlich anders vorgestellt. Auch aus wirtschaftlicher Sicht gibt es keinen Grund zu feiern.

Nachdem der erste Lockdown vorbei war, durften Schwimmbäder wieder öffnen. Wie lief es im Sommer im Nautiland?

Konrad: Wir haben Hinweise angebracht, auf den Abstand und die Maskenpflicht zu achten, und hatten weniger Schließfächer und Duschen geöffnet. Auch unsere Mitarbeiter haben wir speziell geschult. Außerdem haben wir ein Online-Buchungsverfahren eingeführt. Das kam nicht bei allen gut an, aber das musste sein. Wir hatten zum Glück nur ein einziges Mal einen infizierten Badegast. Da waren wir dann aber auch innerhalb von zehn Minuten in der Lage zu sagen, welche Besucher gleichzeitig da waren.

Hatten manche Besucher trotzdem Angst, sich im Schwimmbad anzustecken?

Konrad: Es gab schon Leute, die angerufen haben und wissen wollten, was wir zu ihrem Schutz machen. Unsere Maßnahmen haben die Badegäste dann aber auch anerkannt. Dass jemand nicht kam, aus Angst sich anzustecken, haben wir so nicht erlebt.

So groß wie am Eröffnungstag war der Trubel im Nautiland danach nur noch selten. Denn im Sommer durften aufgrund der Corona-Pandemie maximal 320 Personen gleichzeitig das Bad besuchen.
Foto: Silvia Gralla | So groß wie am Eröffnungstag war der Trubel im Nautiland danach nur noch selten. Denn im Sommer durften aufgrund der Corona-Pandemie maximal 320 Personen gleichzeitig das Bad besuchen.
Wie zufrieden sind Sie mit den Besucherzahlen im ersten Jahr?

Konrad: Wir hatten bis zum 16. März, als wir zum ersten Mal schließen mussten, 65 000 Besucher in der Wasserlandschaft des Nautilands. Das ist für ein neues Bad eine sensationelle Zahl. Dazu kamen 16 000 Gäste in der Sauna. Von Juli bis Oktober hatten wir knapp 29 000 Besucher in der Wasserlandschaft. Wir konnten aber auch nicht jeden ins Bad lassen. Aufgrund der Vorgaben waren nur 320 Leute gleichzeitig erlaubt. Wir hatten dabei noch den Vorteil, dass der Bereich im Freien gut ankam. Gerechnet haben wir im kompletten ersten Jahr mit 270 000 Besuchern in der Wasserlandschaft und 55 000 Besuchern in der Sauna. Erreicht haben wir ungefähr ein Drittel davon.

Was bedeutet das für die Einnahmen des Nautilands?

Konrad: Uns fehlen 1,3 Millionen Euro Umsatz. Gleichzeitig müssen wir für den Betrieb des Bades zahlen. Wir haben im Nautiland ungefähr 70 Prozent Fixkosten. Das liegt zum Beispiel daran, dass die Heizungen ständig durchlaufen.

Warum wurde der Betrieb des Schwimmbads für die Dauer des "Lockdown light" nicht heruntergefahren?

Konrad: Im ersten Lockdown haben wir das gemacht, weil abzusehen war, dass es etwas länger dauert. Diesmal erhalten wir die Wassertechnik, die Heizung und die Elektronik aufrecht. Es käme uns teurer, das alles herunterzufahren und dann wieder hoch. So können wir das Bad außerdem auch ohne lange Vorbereitungszeit wieder aufmachen. Auch unser Blockheizkraftwerk, das im November in Betrieb gegangen ist, können wir jetzt nicht komplett abschalten.

Im Nautiland gab es – wie in allen Freizeiteinrichtungen – ein Hygienekonzept. War es aus Ihrer Sicht überhaupt notwendig, das Bad im November trotzdem zu schließen?

Konrad: Ich stehe voll hinter den Maßnahmen der Bundes- und der Landesregierung. Wir können es uns nicht leisten, ein Bad zu betreiben, und dann dort Infektionen zu riskieren. Schließlich haben wir eine Verantwortung. Wir sind gut über den Sommer gekommen, aber mit den steigenden Infektionszahlen steigt natürlich auch das Risiko, dass doch etwas passiert.

Hinweise für die Besucher in Zeiten der Pandemie.  
Foto: Thomas Obermeier | Hinweise für die Besucher in Zeiten der Pandemie.  
Immer mehr Kinder können nicht schwimmen. Wie lief der Schwimmunterricht im Nautiland während der Pandemie?

Konrad: Für uns war es schwierig allen gerecht zu werden. Trotzdem konnten Schulen und Vereine vor dem "Lockdown light" so oft ins Nautiland kommen wie vor der Corona-Pandemie auch. Mal abgesehen von zwei Unterbrechungen zur Reinigung war das Nautiland von Montag bis Freitag von acht Uhr morgens bis 22 Uhr abends durchgehend belegt. Nicht jede Schule ist auch gekommen, aber die Möglichkeit war da.

Lassen wir die Corona-Pandemie einmal außen vor. Was lief im ersten Jahr gut?

Konrad: Nach einer Eröffnung ist immer die Frage: Klappt alles? Funktioniert die Technik, funktioniert die Kasse? Damit hatten wir in den ersten Monaten keine Probleme. Auch die Resonanz der Badegäste war – abgesehen von ein paar Kleinigkeiten – durchweg positiv. Besonders der Außenbereich wurde gut angenommen. Umso ärgerlicher war es natürlich, dass wir durch die Pandemie zweimal dazu gezwungen wurden zu schließen.

Das neue Blockheizkraftwerk versorgt das Bad mit Wärme und Energie.
Foto: Thomas Obermeier | Das neue Blockheizkraftwerk versorgt das Bad mit Wärme und Energie.
Gibt es etwas, dass Ihnen aus dem ersten Jahr Nautiland im Gedächtnis bleiben wird? 

Konrad: Eigentlich ist es eher ein persönliches Erlebnis aus meinen ersten Wochen als Geschäftsführer, an das ich bestimmt noch lange denken werde: Ich wollte am Wochenende in mein Büro im Nautiland und wusste damals noch nicht, dass der Bürobereich alarmgesichert ist. Der Alarm ging also los und ich hatte keine Ahnung, wie ich ihn stoppen sollte. Schließlich musste der technische Notdienst kommen und die Alarmanlage abstellen.

Der "Lockdown light" könnte bald schon zu Ende gehen. Was kommt danach auf das Nautiland zu?

Konrad: Ob wir in diesem Jahr überhaupt noch einmal aufmachen können, steht in den Sternen. Trotzdem hilft nur der Blick nach vorne. Sobald sich alles wieder etwas normalisiert und die Pandemie vorbei ist, müssen wir die Leute wieder motivieren, sowohl ins Nautiland als auch ins Dallenbergbad zu kommen. Damit das klappt, werden wir uns zusammen mit unserer Öffentlichkeitsarbeit etwas einfallen lassen. Denn mit 300 Gästen am Tag kann so ein Bad nicht überleben.

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