Estenfeld

Ein kleines Waldstück wird sich selbst überlassen

Das 15 Hektar große Waldstück am Kapellenholz in Estenfeld wird nicht wie von der CSU im Rat beantragt ein Naturwald, sondern bleibt sich selbst überlassen.
Foto: Guido Chuleck | Das 15 Hektar große Waldstück am Kapellenholz in Estenfeld wird nicht wie von der CSU im Rat beantragt ein Naturwald, sondern bleibt sich selbst überlassen.

Im östlichen Bereich der Gemarkung Estenfeld würde die CSU-Fraktion im Gemeinderat gern ein kleines, an die A7 angrenzendes Waldstück in einen Naturwald umwandeln. Mit einem entsprechenden Antrag befasste sich der Rat in seiner jüngsten Sitzung.

Das gut 15 Hektar große Waldstück im Bereich des Kapellenholzes liegt in einer Hanglage und ist laut dem Antrag forstwirtschaftlich kaum erschlossen. Der Anteil an Totholz sei größer als im gesamten übrigen Wald der Gemeinde, und zahlreiche Pilze, Insekten (auch der seltene Hirschkäfer) sowie Singvögel "lassen den enormen ökologischen Wert eines solchen Naturwaldes bereits jetzt erahnen", heißt es weiter im Antrag.

Doch ganz in ihrem Sinne brachte die CSU ihren Antrag nicht durch, berichtete Bürgermeisterin Rosi Schraud im Telefonat mit dieser Redaktion. "Der Rat hat aber einstimmig beschlossen, dieses Waldstück sich selbst zu überlassen und es bis auf Weiteres nicht zu bewirtschaften", so Schraud zum Beschluss.

Einwände waren praktischer Natur

Der Grund hierfür: Eine Ausweisung als Naturwald ist forstrechtlich an Bedingungen geknüpft. Ein Naturwald soll allen Bürgern als "Naturerleben" dienen, und es müssten geeignete Wege angelegt und unter anderem Schilder mit Informationen aufgestellt werden. Genau diese Einwände seien auch von einigen Ratsmitgliedern vorgebracht worden, so Schraud weiter. Wobei sich niemand explizit gegen den eigentlichen Antrag der CSU und dessen Idee dahinter geäußert habe. Vielmehr waren die Einwände praktischer Natur.

Das Waldstück selbst ist nicht leicht erreichbar, und Wanderwege oder gar Trampelpfade sind dort nicht erkennbar. Es geht also "über Stock und Stein", Bäume sind umgekippt und bieten als Totholz Lebensraum für Pilze, Insekten und kleinere Tiere. Auch ist das Holz nicht wirklich verwertbar, sagte Ratsmitglied und Jagdpächter Andreas Förster bei einem Fototermin vor Ort.

Rückzugsraum und ungestörte Brutplätze

"Dieser Wald wird schon länger nicht bewirtschaftet, und es wäre wegen der Lage auch sehr schwer, Rückegassen anzulegen." Interessant ist die Vielfalt der Bäume: vorrangig sind es Eichen, die allerdings aus alten Schockausschlägen hervorgeht und qualitativ nicht sonderlich hochwertig sind. Daneben kommen Hainbuchen, Elsbeere, Speierling, Feldahorn und Esche vor, der Waldrand ist bevölkert von Schwarzdorn, Pfaffenhütchen, Weißdorn und Heckenrosen.

Unterm Strich gesehen sei die forstwirtschaftliche Erschließung dieses Waldstück "viel zu aufwändig", sagte Schraud. So einigte sich der Rat darauf, den Wald mit seinem ganzen Prozess sich selbst zu überlassen, auch als Rückzugs- und Ruheraum für Rehe und ungestörte Brutplätze für die Vögel.

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