Würzburg

Gemeinschaftsunterkunft in der Zellerau: Eine neue Bleibe für geflüchtete Familien

Ein Zuhause hinter Gittern: Die neue Gemeinschaftsunterkunft in der Zellerau.
Foto: Theresa Müller | Ein Zuhause hinter Gittern: Die neue Gemeinschaftsunterkunft in der Zellerau.

Es wirkt auf den ersten Blick wie eine Ferienwohnanlage – das neue Bauwerk inmitten der Zellerau. Fünf gleichförmige weiße Häuser mit eisernen Außentreppen, dazwischen ein gepflasterter und von Laternen gesäumter Weg und Erdflächen, aus denen bald Grün sprießen soll. Zwischen dem hohem Landesamt für Finanzen und den anliegenden Wohngebäuden fallen die zweistöckigen Bauten kaum auf – und doch heben sie sich von ihrer Umgebung ab. Denn um die Wohnanlage herum ist das, was die künftigen Bewohner in ihrer Freiheit von den Würzburgern um sie herum unterscheidet: ein meterhoher Zaun.

„Es ist ein Ort mit Geschichte“, sagt Oberbürgermeister Christian Schuchardt bei der offiziellen Eröffnung der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber (GU), die witterungsbedingt im Landesamt für Finanzen stattfinden muss. Schon einmal seien auf dem Gelände Holzbaracken gestanden, nach dem Zweiten Weltkrieg hätten hier einige Würzburger Zuflucht gefunden. In den Zuschauerreihen wird genickt. Viele ältere Zellerauer sind zu dem öffentlichen Termin gekommen, erinnern sich an die Nachkriegszeit. Damals hatte man den Gebäudekomplex „Laubensiedlung“ genannt, heute wird die Anlage bürokratisch korrekt als „Gemeinschaftsunterkunft Würzburg II - Zellerau“ bezeichnet.

Das Ziel ist das Gleiche: Heimatlosen Menschen eine sichere Bleibe geben.

„Ich bin froh darüber, dass viele Familien mit Kindern hier einen Raum zum Wohnen finden“, sagt Schuchardt. Die insgesamt 36 Wohneinheiten seien mit jeweils zwei Schlafzimmer, einem Wohnraum mit Kochnische und einem Bad optimal für Familien geeignet. Vier bis sechs Asylbewerber aus Syrien und Afghanistan sollen künftig in den 40 Quadratmeter großen Wohnungen ein Zuhause finden. Hinzu kommen Gemeinschaftsräume und Büros.

Wohngemeinschaften statt Massenlager – dieses Gefühl sollen die Holzständerbauten vermitteln. Die Regierung von Unterfranken sieht die Anlage als „nach außen hin wohnverträgliche Variante“, wie es Regierungspräsident Paul Beinhofer in seiner Ansprache formuliert. Auch seien die Häuser wegen der demontierbaren Bauweise wieder- und weiterverwendbar. Hinzu kommt, dass die Module schnell und komplett geliefert werden konnten. So habe man auch den Baustellenlärm für die Nachbarn minimieren können.

 

Heute Mittag ist die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Zellerau offiziell eröffnet worden. Bis zu 192 Menschen sollen in den fünf Gebäudekomplexen ein neues Zuhause finden.Video: Meike Rost

Posted by Main-Post Redaktion Würzburg on Dienstag, 15. März 2016


Die Anwohner – sie spielen auch bei der Eröffnung eine große Rolle. Rund 80 von ihnen sind gekommen, um sich die Bauten inmitten ihrer Zellerau anzuschauen. Immer wieder muss man vor den Räumen warten, bis die anderen ihren Rundgang beendet haben und Platz machen. Die meisten zeigen sich zufrieden, es sei „wesentlich schöner als in den Notunterkünften“, meint eine Helferin. „Etwas zu eng“ findet ein älterer Herr die Zimmer, „zu teuer“ ein anderer. Rund 1,5 Millionen haben die Gebäude den Freistaat gekostet.

„Es wird zunehmend schwieriger, Wohnungen und Unterkünfte aus dem Bestand zu generieren“, erklärt Beinhofer die Idee des Neubaus. Die Zellerauer GU sei in dieser Hinsicht Vorreiter für Unterkünfte in anderen Städten. In Unterfranken seien momentan über 13 000 Asylsuchende in Anschlussunterbringungen untergebracht.

Allgemein wird in der Unterbringung von Asylbewerber zwischen Erstaufnahme- und Anschlussunterkünften unterschieden. Die Gemeinschaftsunterkünfte der Regierung gehören wie die dezentralen Unterkünfte der Stadt zu letzterer Form. In der GU in der Veitshöchheimer Straße leben aktuell 466 Flüchtlinge. In die Holzständerbauten in der Zellerau sollen die kommenden Tage bis zu 192 Menschen einziehen.

Auch wenn aktuell immer weniger Asylbewerber nach Deutschland kommen, will die Regierung ihre Kapazitäten nicht zurückfahren. „Das wäre unverantwortlich“, macht Beinhofer deutlich. Denn seiner Meinung nach werden die Menschen aus Krisengebieten weiterhin alles daran setzen, „gerade auch zu uns nach Deutschland zu kommen.“ Die Verwaltung sei mit ihren Strukturen inzwischen wesentlich besser auf die Flüchtlinge vorbereitet.

Doch die Behörden können diese Herausforderung auch in Zukunft nicht allein meistern, betont Beinhofer. „Ohne bürgerschaftliches Engagement wäre es nicht möglich.“ Der Dank des Regierungspräsidenten galt daher besonders den Ehrenamtlichen, die sich bereits im Notzelt, das sechs Wochen lang an gleicher Stelle stand, um die Flüchtlinge gekümmert hätten. Die Asylsozialberatung in der neuen GU übernimmt die Caritas, die Missionsärztliche Klinik wird eine Sprechstunde vor Ort einrichten.

„Lassen Sie in Ihrem gedeihlichen Wirken nicht nach“, appelliert Beinhofer am Ende der Eröffnung an die Bürger. Denn die Integration der Menschen sei „eine Aufgabe für das ganze Jahrzehnt“. Während die Familien in den kommenden Tagen in die Zellerauer Unterkunft einziehen werden, plant die Regierung bereits eine neue Gemeinschaftsunterkunft am Hubland. Dort sollen künftig bis zu 400 Flüchtlinge untergebracht werden. Hier soll ebenfalls ein Neubau in Modulbauweise entstehen.

Das Interesse an der öffentlichen Besichtigung war groß. Viele Anwohner warfen einen Blick in die GU.
| Das Interesse an der öffentlichen Besichtigung war groß. Viele Anwohner warfen einen Blick in die GU.
Caritaschef Clemens Bieber (links) und Regierungspräsident Paul Beinhofer schauen sich die Kochzeile an.
| Caritaschef Clemens Bieber (links) und Regierungspräsident Paul Beinhofer schauen sich die Kochzeile an.
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