Würzburg

Grüner OB-Kandidat will Zwei-Euro-Ticket in Stadt und Landkreis

Der grüne Spitzenpolitiker Hofreiter erklärt in Würzburg, warum er nicht autofeindlich ist. OB-Kandidat Heilig will, dass die Würzburger künftig weniger im Stau stehen.
Martin Heilig, OB-Kandidat der Grünen in Würzburg und Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, haben im Kolpinghaus über die Verkehrswende gesprochen.
Foto: Daniel Peter | Martin Heilig, OB-Kandidat der Grünen in Würzburg und Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, haben im Kolpinghaus über die Verkehrswende gesprochen.

Langsam nimmt der Wahlkampf Fahrt auf. Nachdem OB Christian Schuchardt am Wochenende die Fähigkeiten seiner Herausforderer als Stadtoberhaupt in Zweifel gezogen hat, kritisierte Grünen-OB Kandidat Martin Heilig die Verkehrspolitik des Amtsinhabers. Beim zweiten Zukunftsforum der Grünen ging es am Mittwoch um die Verkehrswende. Weitere vier Themen will Heilig vor der Kommunalwahl am 15. März noch vorstellen. Prominenter Gast war dieses Mal Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender im Bundestag und Umwelt- und Verkehrsexperte der Grünen.

Hofreiter denkt an die Autofahrer

In knapp 30 Minuten umriss dieser, wie sich die Grünen zukünftige Mobilität vorstellen: Besserer ÖPNV, mehr Elektromobilität und bessere Rad- und Fußwege. "Dazu muss auch in den  Kommunen anders geplant werden", sagte Hofreiter, der seine politische Karriere als Gemeinderat im oberbayerischen Sauerlach begonnen hat. Der Straßenraum dürfe nicht länger von Autos dominiert werden. Stattdessen müssten Fußgänger und Fahrradfahrer den Platz bekommen, den sie brauchen und den Rest bekämen die Autos." "Das ist nicht autofeindlich", sagte der Grünen-Bundespolitiker. "Wer weiter Auto fahren will, hat sogar mehr Platz, weil es künftig weniger tun werden."        

Notwendig ist ein Wandel der Mobilität laut Hofreiter nicht nur, um den Kohlendioxidausstoß zu verringern und das Klima zu schützen, sondern auch aus "ökonomischen Gründen". So könnte man die rund eine Million Arbeitsplätze in der Automobilindustrie nicht erhalten, wenn man weiter auf die veraltete Technologie des Verbrennungsmotors setze.

Kreisvorsitzende Christa Grötsch leitete beim Wahlveranstaltung einen Workshop.
Foto: Daniel Peter | Kreisvorsitzende Christa Grötsch leitete beim Wahlveranstaltung einen Workshop.

"Wenn mehr Menschen in der Straßenbahn sitzen und mehr Rad fahren, sind die Straßen leerer," sagte OB-Kandidat Heilig und stellte den rund 200 Zuhörern im Kolpingsaal konkrete Pläne für eine Verkehrswende in Würzburg vor. "Durchschnittlich steht jeder Würzburger 35 Stunden im Jahr im Stau", beschrieb Heilig die momentane Situation. Damit läge Würzburg auf dem Niveau von Millionenstädten wie München. Um das zu ändern, wollen die Grünen den derzeit rund 58 000 Pendlern, die zum Arbeiten nach Würzburg fahren, Alternativen zum Auto anbieten.

"In Ulm hat man zum gleichen Zeitpunkt mit der Planung begonnen und dort fährt die neue Straba seit einem Jahr"
OB-Kandidat Martin Heilig zur Würzburger Planung der Linie 6

"Wir wollen ein Zwei-Euro-Ticket, das in Stadt und Landkreis für eine einfache Fahrt bis zu 90 Minuten gilt", sagt Heilig. Dass Menschen von weiter außerhalb dann im Verhältnis günstiger fahren, als in der Stadt, sei im Interesse von allen: "Wir wollen dass Landkreisbewohner besser zum Arbeiten und Einkaufen in die Stadt kommen und dabei möglichst keine Abgase hinterlassen."  

Neben einem einfacheren und günstigeren Tarifsystem wollen die Grünen in Stadt und Landkreis, dass Busse und Bahnen sowohl in Umlandgemeinden als auch in der Stadt öfter fahren. "Natürlich kostet das Geld", sagte Heilig. "Aber ein besseres Angebot, erhöht auch die Nachfrage und dadurch die Einnahmen."    

"Die Linie 6 muss Chefsache werden", ergänzte der OB-Kandidat und kritisierte, dass diese unter Amtsinhaber Christian Schuchardt nicht voran gebracht worden sei. Geplant wird die neue Straßenbahn zum Hubland bereits seit 2011. "In Ulm hat man zum gleichen Zeitpunkt mit der Planung begonnen und dort fährt die neue Straba seit einem Jahr," berichtete Heilig.

Kritik an Schuchardt

Wie der OB-Kandidat in seinem Podcast, ein im Internet abrufbarer Hörbeitrag, zur Verkehrswende, erklärt, fehle der städtischen Verkehrspolitik ein Gesamtplan. Dieses würde Heilig auf der Basis aktueller Verkehrszahlen mit Bürgern, dem Landkreis, Experten und dem Stadtrat erarbeiten wollen.  

Zweites Standbein der Verkehrswende ist für die Grünen der Radverkehr. "Würzburg braucht sichere und bequeme Radwege", sagte Heilig. Geld dazu sei da, werde aber nicht genutzt. "Der  Radwegeplan der Stadt werde nicht weiter verfolgt." Das Verhalten Schuchardts beim Radentscheid im Herbst nannte er "nicht überzeugend" und die baldige Umsetzung der Forderungen deshalb für unwahrscheinlich. Denn Schuchardt habe zuerst gegen den Bürgerentscheid argumentiert und später seine Meinung geändert. "Und zwar aus taktischen Gründen, was die Kommunalwahl betrifft", sagt Heilig in seinem Podcast.          

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