Die Sanderau wird wohl einen markanten Bau verlieren: Wie berichtet, soll das über 50 Meter hohe ehemalige Bürgerspital-Hochhaus mit seinem Seniorenstift und Dachcafe einem neuen Hochhaus weichen, samt zweier zusätzlicher Gebäude auf dem Areal. Der neue Besitzer, die Freier Besitzgesellschaft der Würzburger Unternehmerfamilie um s.Oliver-Chef Bernd Freier, will dort rund 160 Wohnungen sowie eine Tiefgarage mit ebenso vielen Stellplätzen bauen. Die Pläne stießen bei der Stadtbildkommission, einer Expertenrunde mit renommierten Architekten und Stadträten, zwar generell auf eine positive Resonanz, aber "durchgewunken" wurde das Projekt nicht. Es gab vor allem Kritik an der Planung im Bezug zum Umfeld am südlichen Stadteingang.
In der Sitzung am Freitag, in der es noch nicht um die Fassade der Gebäude ging, zeichnete sich Handlungsbedarf ab. Es dürfte wohl noch Zeit vergehen, bis das 45 Jahre alte Hochhaus abgerissen wird. Stadtbaurat Benjamin Schneider sprach gegenüber der Redaktion von einem "positiven Votum", verbunden mit der klaren Ansage, dass das alte Hochhaus weg und ein neues entstehen kann. Die Runde sei aber auch als eine Art "erste Lesung" zu verstehen. Schneider wird mit den Investoren über Planungsalternativen sprechen - sowie über einen städtebaulichen oder architektonischen Wettbewerb, den einige im Gremium forderten.
Diskussionspunkt Straßenbahn-Wendeschleife
Kommissionsmitglied und Stadtplaner Ferdinand Stracke: "Ich halte das Ding für noch nicht fertig." Eine "starke Idee" sei gefordert, und diese sei "nicht vorhanden". Ein städtebaulicher Wettbewerb würde helfen. Seine Kollegin Rebecca Chestnut sprach von einer "Insellösung", die da enstehen soll und regte gar eine Analyse des Stadtteils an. Diese Diskussionen hatte Jürgen Weber angestoßen.
Der Alt-OB monierte, dass die große Wendeschleife der Straßenbahn, die großflächig in das Areal hineinragt, nicht in die Planung miteinbezogen wurde. Das sei aber nicht dem Investor, sondern der Stadt anzulasten. "Eine Wendeschleife an dieser Stelle war schon immer die schlechteste Lösung." Es ärgert ihn, dass eine mögliche Verlegung der Schleife im Verbund mit einem geplanten Park & Ride-Parkhaus am dem benachbarten Minigolf-Platz-Gelände oder in der Feggrube noch nicht auf den Weg gebracht wurde. Laut Baureferent Schneider beschäftigen sich die Stadträte im Mai mit Park & Ride-Standorten.
"Ich halte das Ding für noch nicht fertig."
Ferdinand Stracke, Stadtplaner und Mitglied der Stadtbildkommission
Architektin Doris Grabner sprach von "einer schwierigen Ecke" . Ihr Kollege Kollege Bernhard Winking: "Ohne Wendeschleife kann man das nicht planen." Auch Stadtrat Willi Dürrnagel (CSU) sprach sich für eine Gesamtplanung aus und FWG-Fraktionsvorsitzender Josef Hofmann unterstützte die Forderung nach einem städtebaulichen Wettbewerb. Jürgen Weber (WL) betonte, dass er ungeachtet der Diskussion dem Investor nichts in den Weg legen wolle für ein Projekt, für das er sicherlich schon "einen ordentlichen Preis" gezahlt hat.
Die Disskussion um die Wendeschleife konnte CSU-Stadtrat Wolfgang Roth nicht verstehen. Der Fraktions-Vize sagte, der Investor präsentiere eine gute Lösung mit einer angemessenen Nachverdichtung. "Das ist ein Gewinn für die Stadt." Deshalb müsse man "hier Realtitätssinn bewahren" und das Projekt nicht mit einer Stadtteilplanung blockieren.
40 Prozent der 160 Wohnungen geförderter Wohnungsbau
Auch wenn Fachmann Stracke statt der höhengestaffelten Neubauten lieber turmartige Gebäude sähe, gab es viel Lob für den Investor - nicht zuletzt dafür, dass von den 160 geplanten Mietwohnungen 40 Prozent geförderte Wohnungen mit sozial verträglichen Mieten sein sollen. Damit liegt man zehn Prozent über der von der Stadt seit vergangenem Jahr festgeschriebenen 30-Prozent-Quote. Das sei "ein Signal, dasss das von privater Seite offenbar möglich ist", sagte Stadtrat Hofmann.
"Wir können das machen, weshalb sollten wir es nicht tun?", erklärte Gregor Handreke vom Investor Freier Besitzgesellschaft (FBG), dass man über die Quoten-Forderung hinaus gehe, gegenüber der Redaktion. Zudem plant die FBG in einem der Häuser eine Kindertagesstätte, in einem weiteren eine Bäckerei mit Cafe. Trotz der kritischen Diskussion wertet Handreke die Resonanz der Stadtbildkommission als "positive Rückmeldung". Die Notwendigkeit eines städtebaulichen Wettbewerbs, den der Investor finanzieren müsste, sieht er indes nicht.
Das Hochhaus wird nicht gesprengt
Die FBG hatte ursprünglich erwogen, das alte Hochhaus zu sanieren und umzubauen, auch aus wirtschaftlichen Gründen sich dann aber für die Neubaulösung entschieden. Ob und wann das 17-stöckige Hochhaus wegkommt, entscheidet der Stadtrat. Doch schon jetzt steht fest, dass der Abriss ohne das ganz große Spekatakel passieren soll: Es wird nicht gesprengt. Architekt Peter Menig: "Das wird Stockwerk für Stockwerk abgetragen."

