Würzburg

Kickers: Wohin mit dem neuen Stadion?

Kickers: Wohin mit dem neuen Stadion?       -  Flyeralarm Arena (Smybolfoto.
Foto: Berthold Diem | Flyeralarm Arena (Smybolfoto.

Geschätzte 36 Millionen Euro soll das geplante neue Stadion für die Profi-Fußballer der Würzburger Kickers kosten, Platz für mindestens 20.000 Zuschauer bieten und frühestens zur Spielsaison 2022/23 zur Verfügung stehen. Das Frankfurter Planungsbüro Albert-Speer + Partner (AS+P) hat jetzt im Auftrag der Stadt 14 Standorte untersucht. Nach der Vorstellung im Umwelt- und Planungsausschuss (U&P) vergangene Woche wird der Stadtrat an diesem Donnerstag entscheiden, welche der empfohlenen Standorte vertieft betrachtet werden sollen.

Im Frühjahr 2017 waren die Pläne der Kickers, ihr Stadion am Dallenberg auszubauen, wie berichtet geplatzt. Eine Untersuchung der Frankfurter Planer hatte ergeben, dass dies nicht wirtschaftlich machbar sei. Weil es zudem noch Ärger mit Nachbarn wegen Lärmbelästigung gab, entschlossen sich die Kickers, ein neues Stadion auf der grünen Wiese zu bauen. Für die Voruntersuchungen der potenziellen Standorte durch AS+P stellte die Stadt fast 60.000 Euro zur Verfügung. Dabei wurde auch die Option, weiteres Gewerbe im Umfeld eines neuen Standorts ansiedeln zu können, mit in die Suche aufgenommen.

Standortkonkurrenz durch bestehende Nutzung

Zu den Bewertungskriterien gehörten unter anderem der Abstand zur Wohnbebauung, eine angemessene Anbindung an den motorisierten Individualverkehr und ÖPNV, die Lage in einer Wasserschutzzone II, ein falscher Zuschnitt des Grundstücks, ein zu starker Eingriff in Naturräume, eine konkurrierende Planung durch einen bestehenden Bebauungsplan oder Standortkonkurrenz durch bestehende Nutzung.

Gescheitert waren diese Kriterien bereits in der Erstbetrachtung für Standorte in der Faulenbergkaserne, in den früheren Leighton Barracks, am Theodor-Boveri-Weg neben der Universität, nahe des Steinleins, im Heriedengraben, an der Autobahn bei Heidingsfeld, gegenüber im Stadtwald im Dreieck A 3/B 19 Richtung Giebelstadt sowie im Neuen Hafen und am Flugplatz Schenkenturm, erläuterte Matthias Schöner von AS+P im Ausschuss. Zwei der fünf näher betrachteten Standorte schieden in der zweiten Runde aus: Die drei Pappeln und nahe der Winterhäuser Straße. Beiden wurde ihre schlechten Verkehrsanbindung zum Verhängnis.

Mindestens 16 Hektar Flächenbedarf

Mindestens 16 Hektar Flächenbedarf veranschlagen die Planer für ein von ihnen vorgeschlagenes Stadion mit einer Kapazität von 20.000 Zuschauern und den Flächen für Parkplätze, die Straßenanbindung, Polizei, Rettungsdienste und TV-Übertragungswagen. Zwar genügen der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die Lizenz für die 1. oder 2. Bundesliga bereits 15.000 Zuschauer, „etwas kleineres als 20.000 Zuschauer macht unserer Einschätzung nach aber keinen Sinn“, erläuterte Matthias Schöner von AS+P.

„Das ist ein hervorragender Standort, ähnlich der Allianz-Arena in München“, bewertete Schöner einen Standort mit der Bezeichnung „Lengfeld Nord-Ost“, östlich der B 19. „Der Hauptanschluss erfolgt über die Autobahn, es besteht Potenzial für die Erschließung als Gewerbegebiet und ist verkehrlich bereits erschlossen“, lobte Schöner. Auch eine von Planern bevorzugte Nord-Süd-Ausrichtung des Stadions sei möglich. Der Abstand zur Wohnbebauung betrage 700 bis 750 Meter. Auf Einwände aus dem Gremium, den Schallschutz zweier Neubaugebiete auf Würzburger und Estenfelder Gemarkung betreffend, verwies der Planer auf ein „ohnehin notwendiges Schallschutzgutachten“ für jeden Standort.

„Dieser Standort ist sehr gut geeignet für ein Stadion.“

Auf eventuelle Feldhamsterpopulationen, die im Fall des Baumarktes Hornbach und auf der anderen Seite der B 19 den Bauherren von Ikea das Leben schwer gemacht hatten, ging Schöner nicht ein. Sein Fazit lautete: „Dieser Standort ist sehr gut geeignet für ein Stadion.“

„Interessant“ finden die Planer auch ein Gelände zwischen dem Golfplatz und der Ypsilon-Spange. Der Bereich könne leicht über die B 19 und die Autobahn angebunden werden. Vom Athener Ring aus sei eine fußläufige Anbindung an die Straßenbahn gegeben, unter Umständen sei auch eine Verlängerung der Straßenbahn bis zum Stadion denkbar. Zudem sei das Gelände weit weg von sensibler Wohnbebauung, Gewerbeansiedlung sei in einem interkommunalen Gewerbegebiet mit Reichenberg denkbar. Schöners Fazit: „Das hat mit Sicherheit ein gewisses Potenzial.“ Doch halten die Planer diesen Bereich für ein potenzielles Hamstergebiet. „Es wurde zwar noch keiner gesichtet, aber wenn es einen dort gäbe, würde er sich wohlfühlen“, so Schöner.

„Die Topografie ist beherrschbar“

Einen dritten potenziellen Standort machten die Planer nahe Versbach, direkt an der Gemarkungsgrenze zu Maidbronn aus. Dieses Areal war auf Vorschlag von CSU-Stadtrat Wolfgang Roth in die Erstbetrachtung aufgenommen worden. „Es liegt ähnlich wie die Ypsilon-Spange im Außenbereich, die Topografie ist beherrschbar“, so Schöner. Auch wenn man auch hier mit Feldhamstern rechnen müsse, wäre es darstellbar.

Zudem gebe es eine große Distanz zur Wohnbebauung und gute Einsehbarkeit sowie eine Anbindung von der B 19 her. „Eine Gewerbeansiedlung halten wir hier jedoch für nicht angemessen“, schränkte Schöner ein.

„Lengfeld und Ypsilon-Spange haben großes Eignungspotenzial“, lautete seine abschließende Bewertung. Die drei Pappeln schloss er aus. Versbach und Winterhäuser Straße hätten nur mäßiges Eignungspotenzial, wobei Versbach deutlich besser wäre als die Winterhäuser Straße. „Wir empfehlen Lengfeld Nord-Ost und die Areale an der Ypsilon-Spange sowie bei Versbach weiter zu untersuchen“, sagte Schöner zum Abschluss.

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