Würzburg

Klima: Fridays For Future gibt Würzburgs Stadtrat schlechte Noten

Bei einer Demo auf den Mainwiesen übergaben Fridays For Future-Aktivisten dem Würzburger Stadtrat sein Jahreszeugnis zum Thema Klimaschutz. Ob es zur Versetzung reicht?
Zum Schuljahresende stellten Fridays For Future-Aktivisten dem Würzburger Stadtrat bei einer Demo auf den Mainwiesen ein Zeugnis aus.
Foto: Thomas Obermeier | Zum Schuljahresende stellten Fridays For Future-Aktivisten dem Würzburger Stadtrat bei einer Demo auf den Mainwiesen ein Zeugnis aus.

Ehrgeiz: Mangelhaft. Engagement und Einsatz: Ausreichend. Klimaschutzkonzept: Ungenügend. Die Noten in dem Abschlusszeugnis, das Fridays For Future (FFF) Würzburg dem Stadtrat ausgestellt hat, würden zur Versetzung kaum reichen. Im vergangenen Jahr hatten die jungen Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten dem Stadtrat einen Forderungskatalog in Sachen Klimaschutz vorgelegt, jetzt zogen sie eine erste Bilanz, die aus ihrer Sicht nicht besonders positiv ausgefallen ist.

Teile des Stadtrats anwesend

Eingeladen waren alle Fraktionen, zur Zeugnisübergabe vor etwa 50 Menschen auf der Talavera gekommen waren aber nur Vertreter der Grünen, ÖDP und SPD, die sich im Stadtrat ohnehin für die Themen einsetzen, die FFF besonders wichtig sind. Vor allem Raimund Binder (ÖDP) gab sich empört und forderte die Klimaschützer auf, bei der nächsten Notenvergabe etwas genauer hinzuschauen: "Es ist ein schlechter Witz, dass gerade wir so ein Zeugnis bekommen", sagte Binder.

Das Zeugnis für den Würzburger Stadtrat.
Foto: Thomas Obermeier | Das Zeugnis für den Würzburger Stadtrat.

Fridays For Future hatte sich bei der Erstellung des Zeugnisses die Internetseite der Stadt Würzburg genau angeschaut und die Protokolle und Entscheidungen des Stadtrats überprüft. Dass der Stadtrat sich im vergangenen Jahr nicht dazu durchringen konnte, wie andere Kommunen einen Klimanotstand auszurufen, war einer der Kritikpunkte: "Die starke Ablehnung gerade von Seiten der CSU spricht für eine symbolhafte Klimapolitik", sagte eine FFF-Sprecherin, äußerte aber auch Verständnis, denn mit dem Eingeständnis eines Klimanotstands würde die CSU "die eigenen Entscheidungen der letzten zwanzig Jahre ja nicht gerade in ein gutes Licht rücken."

Erwartung einer "Vorreiterrolle"

Dass Würzburg erst im Jahr 2045 komplett klimaneutral sein soll, ist Fridays For Future viel zu spät: "Wir erwarten kein Mitschwimmen im langsamen Fahrwasser der bundesweiten Klimapolitik, sondern eine klare Vorreiterrolle." Ansätze und Bemühungen seien zwar da, aber die Stadt müsse in ihren Zielsetzungen deutlich ambitionierter und engagierter sein.

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In einzelnen "Fächern" wie ÖPNV (gut), Radverkehr (befriedigend) und Stadtbegrünung (befriedigend) fielen die Zensuren für viele Beobachter der Veranstaltung überraschend positiv aus. In Sachen ÖPNV wurde die Einrichtung eines gemeinsamen Ausschusses von Stadt und Landkreis, in dem vor allem Mobilitätsthemen im Mittelpunkt stehen, von FFF ebenso positiv bewertet wie die Anschaffung der ersten städtischen Elektrobusse.

Anwesende Stadträte bei der Zeugnisübergabe durch FFF-Aktivisten waren unter anderem (von links sitzend) Alexander Kolbow (SPD), Raimund Binder (ÖDP), Patrick Friedl (Bündnis 90/Die Grünen) und Karin Miethaner-Vent (Bündnis 90/Die Grünen).
Foto: Thomas Obermeier | Anwesende Stadträte bei der Zeugnisübergabe durch FFF-Aktivisten waren unter anderem (von links sitzend) Alexander Kolbow (SPD), Raimund Binder (ÖDP), Patrick Friedl (Bündnis 90/Die Grünen) und Karin Miethaner-Vent ...

Gleichzeitig fordern die Klimaaktivisten den Stadtrat auf, die geplante Straßenbahnlinie vom Hauptbahnhof durch das Frauenland zum Hubland endlich umzusetzen. Weil sie bisher keinerlei Bereitschaft feststellen, den motorisierten Individualverkehr einzuschränken, gab es für den Autoverkehr die Note 4: "Hier hat man offenbar die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt."

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