Würzburg

Kommentar: Lasst endlich die Masken auch in den Seniorenheimen fallen!

In der ersten Pandemie-Phase gab es zur Masken- und Testpflicht in den Heimen keine Alternative. Jetzt aber ist die Zeit reif, sie abzuschaffen, findet unser Autor.
Während sie Anfang Februar auch im Fernverkehr ausläuft, besteht die Maskenpflicht in Pflegeheimen, Praxen und Kliniken fort. Wie es nach dem 7. April weitergeht, ist offen. 
Foto: Marijan Murat, dpa | Während sie Anfang Februar auch im Fernverkehr ausläuft, besteht die Maskenpflicht in Pflegeheimen, Praxen und Kliniken fort. Wie es nach dem 7. April weitergeht, ist offen. 

Der "besondere Schutz vulnerabler Gruppen" ist zum Mantra geworden. Hinterfragt wird er kaum. Doch wer ist eigentlich gemeint? Welche Maßnahmen passen noch in die Endphase der Pandemie? Welche sind übergriffig und eine Zumutung? Die Politik sitzt einmal mehr ein unbequemes Thema aus – auf Kosten der Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheimen und des Pflegepersonals.

Pauschale Vorschriften verletzen Würde und Selbstbestimmung

Da jammert man über die Vereinsamung älterer Menschen und ignoriert die negativen Folgen von Masken- und Testpflicht für das Miteinander. Anders als bei ÖPNV oder Fernverkehr wird für die Heime noch nicht einmal darüber diskutiert. Das ist ein Skandal. Eine solche Behandlung widerspricht der Würde und Selbstbestimmung des Menschen und trägt zum Vergraulen des Pflegepersonals bei.

Um nicht missverstanden zu werden: Die strengen Vorschriften hatten ihre Berechtigung. Mit Schrecken denken wir an die ersten Corona-Wochen im März 2020, als Seniorinnen und Senioren in den Heimen reihenweise dahingerafft wurden. Diese Erfahrung hat traumatisiert – was einer der Hauptgründe sein dürfte, warum man das Thema nicht anrührt.

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Damals waren Masken- und Testpflicht für den Gesundheitsschutz alternativlos. Aber heute? Die allermeisten Heimbewohner sind mehrfach geimpft, viele genesen, mittlerweile verlaufen Corona-Infektionen in aller Regel harmlos. Überall sonst hat sich das gesellschaftliche Leben normalisiert. Warum sollte das nicht auch in den Seniorenheimen so sein?

Nicht nur für sie, aber gerade für demente Ältere ist – neben der Berührung – ein Lächeln von unschätzbarem Wert. Lassen wir es wieder zu! Heimbewohner, Pflegepersonal und Angehörige haben lange genug darauf verzichtet. Mussten sich hinter der Maske verstecken, und für die Pflegekräfte wurde der Acht-Stunden-Tag noch anstrengender als ohnehin.  

Der Bund macht Vorschriften, der Freistaat unterläuft sie: Was nun?

Sie arbeiten im permanenten Spannungsfeld zwischen einem Bundesinfektionsschutzgesetz und einer bayerischen Staatsregierung, die es damit nicht so genau nimmt. Man könnte auch sagen: die das Bundesgesetz vorsätzlich unterläuft nach der Devise "Wo kein Kläger, da kein Richter". Was also gilt jetzt? Unsicherheit und Verwirrung sind groß, entsprechend unterschiedlich ist die Handhabung in den Heimen.

Einmal mehr, so der Eindruck, muss man Bundesgesundheitsminister und "Mr. Vorsicht" Karl Lauterbach zum Jagen tragen. Es kann Phasen – zum Beispiel bei Infektionen – oder bestimmte Pflegebereiche geben, wo man die Masken- und Testpflicht beibehält. Auch kann sich jeder Einzelne selbst schützen – freiwillig. In ihrer Pauschalität ist die Masken- und Testpflicht für die Heime aber aus der Zeit gefallen. Schafft sie ab! Entscheidungen darüber gehören dorthin, wo sie am besten getroffen werden: in die Einrichtungen selbst.

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